Kunstkabinett Kempten

Eine Themen-Vorgabe kann manchen Künstler auch quälen ...

Jahresausstellung 2020 Kunstkabinett

Auf vielfältige Weise setzten sich Künstlerinnen und Künstler im Kunstkabinett mit „Leere und Fülle“ auseinander.

Bild: Harald Holstein

Auf vielfältige Weise setzten sich Künstlerinnen und Künstler im Kunstkabinett mit „Leere und Fülle“ auseinander.

Bild: Harald Holstein

„Leere und Fülle“ lautete diesmal das Thema in der Galerie von Maria Farkas. Dies forderte manchen der Künstler heraus. Nun sind die Ergebnisse zu sehen
20.10.2020 | Stand: 11:30 Uhr

„Leere und Fülle“ heißt die spannende Aufgabenstellung, die Maria Farkas gemeinsam mit zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern diesmal für die Jahresausstellung ihres Kunstkabinetts ausgewählt hat. Da wie jedes Jahr befreundete Künstler aus der Partnerstadt Trient beteiligt sind, ist im Titel der Ausstellung die italienische Entsprechung „vuoto e abbondanza“ zu lesen. Dazwischen finden auch noch die Karikaturen von Wolfgang Steinmeyer Platz. Er steuert auf bewährt satirische Weise Zeichnungen zum Thema und zusätzlich Schilder zu Corona bei.

Mit der jährlichen Ausstellung macht Maria Farkas die umfangreiche Sammlung ihres Vaters Dr. Wilhelm Maul für die Öffentlichkeit zugänglich und öffnet dafür vier Wochen lang die Räume ihres Hauses in der Salzstraße 12. So treten dort peruanische, etruskische und altgriechische Tongefäße aus dem ersten und zweiten Jahrtausend vor Christus, eine Rembrandt zugeschriebene Zeichnung und eine kolorierte Federzeichnung von August Rodin mit zeitgenössischer Kunst aus der Region, die zum Thema hergestellt wurde, in einen durchdachten Dialog.

Scheinbar leere Landschaften von Magdalena Willems-Pisarek

Die Jahrtausende alten Gefäße in Tier- oder Kopfgestalt sprechen für sich von Leere und Fülle. Aus den allein 700 Grafiken des Arztes Maul haben Maria Farkas und ihr Mann jeweils ein Werk für das Volle und ein anderes für die Leere ausgesucht. Paarweise ist ein bevölkertes Waldstück neben einer verlassenen Ruine zu sehen, oder eine einsame, luftig hingehauchte Landschaft von Camille Corot mit einer genau ausgearbeiteten Baumlandschaft von Claude Lorrain. Bemerkenswert ist der gegeißelte Christus von Georges Rouault und dazu Jesus und einem Jünger der ihn nach der Auferstehung erkennt. Der schwarz-weiße Druck des Franzosen aus dem Jahr 1927 beeindruckt durch seine Wucht und Konzentration.

Bemerkenswert sind auch die neu geschaffenen Werke. „Ich habe mich mit dem Thema abgequält“, gesteht Daphne Kerber geradeheraus. „Ich habe keine Leere gefunden, immer ist etwas da!“. Und doch hat die Künstlerin aus Isny mit einem einzigen Mohnsamen, der alles Potenzial enthält und ganz winzig in der Mitte eines Papierblatts platziert ist, ein unmittelbar einleuchtendes Gleichgewicht von Leere und Fülle geschaffen. Magdalena Willems-Pisarek (Wertach) widmet sich scheinbar leeren, weiten Landschaften, während Gudrun Gmelch mit ihren weißen Beton-Plastiken spirituell zwischen „Wertloser Fülle“ und „Kostbarer Leere“ unterscheidet.

Eine Fülle von künstlerischen Schätzen im Kunstkabinett Kempten

Die Arbeiten aus Italien beeindrucken durch Handwerklichkeit und feinen Hintersinn. Bei Pierluigi Negriollis sensationell aquarelliertem Don Quijote und Sancho Pansa ist eindeutig, wer für Fülle steht, und wer für Leere. Paolo Dalponte fasziniert mit einem Einmachglas im Einmachglas, das wiederum ein Stück Himmel mit einer Wolke einschließt.

Lesen Sie auch
##alternative##
"Terra infirma"

Die Welt im (Klima-)Wandel im Kunsthaus Kaufbeuren

Eines ist sicher bei dieser Ausstellung: Ein Gefühl der Leere kommt nicht auf. Die über 50 Werke der Sammlung Maul sowie die Arbeiten der 22 zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler bieten in den vier Räumen und im Treppenhaus eine Fülle von Schätzen aus vergangener und gegenwärtiger Kunst, die lohnen, gehoben zu werden.