Baustelle bei Wildpoldsried

Fährt ’ne Brücke durchs Oberallgäu...

Sieben Meter pro Stunde bewegte sich die Brücke am Donnerstag, bis sie abends endlich vor zahlreichen Zuschauern am endgültigen Standort ankam.

Sieben Meter pro Stunde bewegte sich die Brücke am Donnerstag, bis sie abends endlich vor zahlreichen Zuschauern am endgültigen Standort ankam.

Bild: Eddi Nothelfer

Sieben Meter pro Stunde bewegte sich die Brücke am Donnerstag, bis sie abends endlich vor zahlreichen Zuschauern am endgültigen Standort ankam.

Bild: Eddi Nothelfer

Das Wildpoldsrieder Bauwerk wurde neben seinem Bestimmungsort gebaut und nun dorthin geschoben: Der Zugverkehr sollte möglichst kurz beeinträchtigt werden.

06.09.2020 | Stand: 12:01 Uhr

Eine 2.100 Tonnen schwere Betonbrücke war am Donnerstag bei Wildpoldsried auf Schienen unterwegs: Auf der Baustelle beim „Ellenberger Durchlass“ wurde das neue Bauwerk in Zentimeterarbeit 40 Meter weit an seinen Bestimmungsort geschoben – unter den Augen vieler staunender Beobachter.

Erst am Abend unter künstlicher Beleuchtung erreichte die Brücke ihren endgültigen Standort. Bis dahin haben Stahlseile sie mit einer Geschwindigkeit von sieben Metern pro Stunde auf Gleisen gezogen.

Der Durchlass bei "Ellenberger Durchlass" war nicht mehr zeitgemäß

Die alte Bahnbrücke an der Stelle nördlich von Wildpoldsried war in die Jahre gekommen. Zudem war die Straßenführung darunter laut Lucas Hörburger aus dem Wildpoldsrieder Bauamt gefährlich: Eine Kurve führte unter sie hindurch, nebeneinander konnte nicht gefahren werden und auch die Höhe sei oftmals nicht ausreichend gewesen.

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Die fahrende Brücke von Wildpoldsried

Der neue Durchlass von 5,50 Metern Breite und 5,20 Metern Höhe sei eine „erhebliche Verbesserung“. Da über die Brücke die Bahngleise der Verbindung Kempten-Günzach verläuft, sollte die Beeinträchtigung durch den Bau der neuen Brücke möglichst gering gehalten werden.

Aus diesem Grund haben die Arbeiter im Februar begonnen, die neue Brücke neben ihrem künftigen Bestimmungsort zu bauen. Während einer zehntägigen Sperrung der Gleise wurde die alte Brücke abgerissen und die neue nun auf Gleisen verschoben. Als nächste Schritte wird Beton unter die Brücke gegossen und das Erdreich befestigt, sagt Hörburger. Ab Mittwoch, 16 Uhr, soll die Bahnstrecke dann wieder freigegeben werden. Bis dahin gilt Schienenersatzverkehr.

Die Gemeinde Wildpoldsried muss für die neue Bahnbrücke tief in die Tasche greifen

Die Kosten des Projekts liegen bei 6,5 Millionen Euro, sagt Bürgermeisterin Renate Deniffel. Die Gemeinde muss ein Drittel davon selbst aufbringen – den Rest allerdings für die Bahn vorstrecken. „Das haben wir nicht auf der hohen Kante“, sagt Deniffel, die Summe müsse zwischenfinanziert werden. 800 000 Euro kommen zudem noch für die neue Straße hinzu. Laut Deniffel nutzt die Bahn die Sperrung, um zeitgleich Arbeiten an kleineren Brücken bei Minderbetzigau und Immenthal zu erledigen.