Tanzherbst Kempten

"Fair Trade" zum Tanzen

Junge Tänzer im Stadttheater: die Junior-Company des Kemptener Kari-Tanzhauses.

Junge Tänzer im Stadttheater: die Junior-Company des Kemptener Kari-Tanzhauses.

Bild: Fotos: Matthias Becker

Junge Tänzer im Stadttheater: die Junior-Company des Kemptener Kari-Tanzhauses.

Bild: Fotos: Matthias Becker

Junge Ensembles bringen das gesellschaftspolitische Thema auf die Bühne des Stadttheaters. Mit einem "Fair Trade Rap" animieren Jugendliche zum Umdenken.
Junge Tänzer im Stadttheater: die Junior-Company des Kemptener Kari-Tanzhauses.
Von Carolin Färber
13.10.2020 | Stand: 19:39 Uhr

Kinder kommen mit Plastiktaschen auf die Bühne und laufen wild durcheinander. Da betritt ein Mädchen mit einer „Fair Trade“-Tasche die Bühne – und im Nu verändert sich die Stimmung. Der Scheinwerfer ist auf sie gerichtet. Sie beginnt zu tanzen. Nach und nach steigen die anderen Kinder ein. Sie werfen ihre Einwegtüten weg und bedienen sich an den Mehrwegtaschen des Mädchens. Schließlich tanzen alle mit den Fair-Trade-Taschen als große Gemeinschaft. Tobender Applaus ist die Bestätigung, dass die 180 Zuschauer im ausverkauften Stadttheater diesen Gedanken gut finden.

Auch die Schüler der Grundschule Kottern/Eich haben sich für den diesjährigen Tanzherbst-Abend „Junger. Tanz. Schwaben“ die Frage gestellt: „Was ist Fair Trade?“ Und unter Leitung von Kaija Klug den Tanz dazu einstudiert. Insgesamt zeigten sechs Kinder- und Jugend-Ensembles aus Kempten und der Region Choreografien zu diesem aktuellen weltpolitischen Thema. Die jungen Tänzerinnen und Tänzer wurden mit fair gehandelten Lebensmitteln und Kleidungsstücken, die zugleich als Kostüme dienten, ausgestattet. Kemptens Oberbürgermeister Kiechle lobte in einem Interview auf der Bühne, dass durch junge Menschen die Stadt ihrer Vorbildrolle gerecht werden könne. Der Abend, den Kaija Klug als künstlerische Leiterin inspirierte und teilweise choreografierte, zeigte, dass sich junge Menschen mit diesem Thema kreativ auseinandersetzen. Sie möchten zum (Um)denken animieren und zeigen, was die Welt allgemein und Kempten im Speziellen an Chancen hat.

20. Tanzherbst Kempten: Junger.Tanz.Schwaben
Die J&J Dance Junior Company zeigt ihr Stück „Narcotic“ im Kemptener Stadttheater.
Bild: Matthias Becker

Eröffnet wird die Veranstaltung mit einem Video. Es zeigt, wie sich Jugendliche im Weltladen und im Fair-Fashion-Laden über Nachhaltigkeit, Klima, Konsumverhalten und Fairness informieren. Genüsslich essen sie fair getradete Schokolade. Dazu erklingt ein Beat. Ein Jugendlicher fängt an zu rappen. Als Refrain erklingt mehrmals die Zeile „Hier in Kempten, hier vor Ort, werden wir starten und zwar sofort“. Sie bleibt besonders im Ohr, nicht zuletzt, weil diese gesungen und nicht wie der Rest des Textes gerappt wird. Der „Fair Trade Rap“ soll die Menschen animieren umzudenken. Sich nicht von höheren Kosten abschrecken zu lassen, sondern an die Fairness, die dahinter steckt, zu denken. Dann kommen neun Jugendliche der Junior-Company des Kari-Tanzhauses in gelben Tanzherbst-T-Shirts auf die Bühne und bewegen sich zu Film und Musik.

Ballerinas als Kontrast

Einen Kontrast zu dieser Performance bilden die kleinen Tänzerinnen der Musikschule Ottobeuren. Erst trippeln fünf Ballerinas auf Zehenspitzen in weißen Kleidern auf die Bühne, dann treten drei Ballerinas in Spitzenschuhen auf. Das ernste Thema Kinderarbeit in der weltweiten Produktion von Textilien spricht die „J&J Dance Junior Company“ an. Das Zusammenspiel ihrer roten Trainingsanzüge, des roten Scheinwerferlichts und des rhythmischen Beats sorgt für große Aufmerksamkeit. Die Zuschauer sind begeistert von Hebefiguren, Bodenelementen sowie Sprüngen, allesamt in einer dynamischen Gruppenchoreografie vereint. Den durchgetakteten Alltag und die Ruhelosigkeit der Kinder, die für Textilkonzerne arbeiten müssen, ist zu spüren in präzise ausgeführten Bewegungen.

Wie der Fair-Trade-Gedanke im Linde-Gymnasium Fuß fasste, zeigt ein Video der Schule. Dann gibt die Gruppe der „Tanz & Yoga Welt“ Kempten Moves zum Besten, die erst von rhythmischer Musik, dann von einer lyrischen Melodie begleitet werden. Schließlich möchten zehn Tänzerinnen aus Sulzberg der Erde eine Stimme geben unter dem Motto „Atem der Welt“: Mit langen dunkelgrün-grauen Gewändern beginnen sie zu tanzen, wobei Hebefiguren, Bodenelemente und Sprünge eine starke Dynamik ausstrahlen, die zum Nachdenken anregt.