Neue Corona-Regelungen

Festival, Kino und Big Box: So gehen Kemptens Veranstalter mit den neuen Corona-Regeln um

Kempten Im berg dahuim

Kemptens Kino-Chefin Andrea Dietel-Sing setzt im Colosseum-Center auf Abstandsregeln.

Bild: Ralf Lienert

Kemptens Kino-Chefin Andrea Dietel-Sing setzt im Colosseum-Center auf Abstandsregeln.

Bild: Ralf Lienert

Festival-Organisator Franz Tröger ist mit Vorgaben zufrieden, Kemptens Kino-Chefin Andrea Dietel-Sing enttäuscht. Big Box favorisiert individuelle Umsetzungen.
03.09.2021 | Stand: 05:30 Uhr

Gemischt fällt die Reaktion Kemptener Kulturveranstalter angesichts der neuen bis zum 1. Oktober geltenden Corona-Regelungen für Veranstaltungen aus.

Ab einer Sieben-Tage-Infektionsinzidenz von über 35 in der Stadt (und auch im Landkreis) gilt der 3G-Grundsatz: Zugang haben nur Geimpfte, Genesene oder aktuell Getestete.

Die Abstandsregel entfällt, wenn in geschlossenen Räumen Besucherinnen und Besucher Maske tragen. Das bedeutet, dass Häuser wie Stadttheater, Big Box und Kultbox wieder voll gebucht werden könnten. Im Kino freilich bleiben die Probleme allerdings bestehen, wie wir auf Nachfrage erfuhren.

Classix-Festival im Stadttheater Kempten: Mit Maske, aber ohne Abstand

„Wir nehmen die Option mit Maske ohne Abstand“, sagt Dr. Franz Tröger, Organisator des Kammermusikfestivals Classix Kempten, das vom 18. bis 26. September im Stadttheater über die Bühne geht. Zutritt bekommen nur Besucher gemäß der 3G-Regelung. Für die Kontrolle will er zusätzliches Personal einstellen.

„Das sind wir den Besuchern schuldig.“ Die neuen Corona-Regelungen begrüßt Tröger auch aus einem anderen Grund: „Sie nehmen den Musikerinnen und Musikern Stress weg, weil sie nicht zwei Konzerte geben müssen.“ Angesichts der bislang geltenden Regeln hätte Tröger pro Konzert maximal 150 bis 160 Besucher im Stadttheater unterbringen können. Bei zwei, drei Konzerten war diese Kapazität bereits so gut wie aufgebraucht, so dass er drauf und dran war, jeweils ein zweites Konzert anzubieten.

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Nun kann er, da er sich für Maskenpflicht am Platz entscheidet, wieder mit vollem Platzangebot des Stadttheaters (548 Sitzplätze) planen. Die Konzerte werden zudem ohne Pause gespielt, kündigt er an. Dass das Konzept „Maskenpflicht am Platz ohne Abstand“ funktioniert, hatte Tröger bei den Salzburger Festspielen erlebt, wo er sich den „Jedermann“ und „Maria Stuart“ ansah.

Kino "Colosseum-Center" in Kempten: Jede zweite Reihe bleibt unbesetzt

Enttäuscht ist Andrea Dietel-Sing vom Colosseum-Center von den neuen Corona-Regeln. „Das hilft uns gar nicht weiter.“ Wie Tröger hat sie zwei Möglichkeiten für getestetes, geimpftes oder genesenes Publikum: Voll besetzte Sälen mit Maskenpflicht oder halbleere Säle mit jeder zweiten Reihe unbesetzt, einem Abstand von 1,5 Meter sowie Maskenbefreiung am Platz. Dass die erste Variante nicht funktioniert, hatte sie im Juni vor allem bei langen Opern-Übertragungen erlebt.

Drei Stunden lang Maske tragen sei gerade für älteres Publikum extrem schwierig. Aber nicht nur deshalb kommt für Dietel-Sing nur die zweite Variante in Frage. Denn nur sie ermögliche Kinobesuchern ein ungetrübtes Erlebnis. Dazu gehören für viele eben Cola und Popcorn. „Wir sind auf den Verkauf von Getränken und Snacks angewiesen“, sagt die Kino-Chefin. 50 Prozent jeder verkauften Kinokarte gehe an die Verleiher, mit den anderen 50 Prozent werden mehr oder weniger die Betriebs- und Personalkosten beglichen, sagt sie.

Ohne Kiosk ist Kino also fast nicht möglich. Das hatte auch der Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF) aus Berlin auf Anfrage bestätigt: „Der Verzehr stellt im Kino einen elementaren Bestandteil der Einkünfte dar. Ohne diese Umsätze aus dem Verzehr könnten die Kinos finanziell nicht überleben.“ Der Verband fordert deshalb unbedingt eine Nachbesserung. Um überleben zu können hat sich Dietel-Sing bezüglich des Kinoprogramms breit aufgestellt: Gut 20 Filme für verschiedene Altersstufen und Interessen hat sie wöchentlich im Programm. „Plus-minus-null“ sieht aktuell meist ihre Wochen-Bilanz aus.

Big Box Allgäu und Kultbox: "Prüfen jede Veranstaltung individuell"

Vier Veranstaltungen hat die Big Box Allgäu im September im Programm. Die Sport- und Gesundheitsmesse „mein leben! Allgäu“ am 11. und 12. September findet statt, wie Sprecherin Ramona Kloos erklärt. Drei Veranstaltungen gibt es in der Kultbox: die A-cappella-Band „Naturally 7“ tritt am 14. September auf, Comedian Biyon Kattilathu am 21. September und Kabarettistin Luise Kinseher am 29. September.

„Wir prüfen nun jede Veranstaltung individuell“, sagt Kloos. In den Gesprächen mit den jeweiligen Veranstaltern gehe es darum, welche der beiden Corona-Varianten Sinn mache, oder ob womöglich der Auftritt doch noch verschoben wird.