Freiwilliges Soziales Jahr

Ein junger Allgäuer macht ein FSJ: "Das Thema hat mich gefesselt, das fand ich so spannend"

Der 19-jährige Denis Salewsky macht ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Bezirkskrankenhaus Kempten. Er möchte Menschen helfen - auch nach seinem FSJ.

Der 19-jährige Denis Salewsky macht ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Bezirkskrankenhaus Kempten. Er möchte Menschen helfen - auch nach seinem FSJ.

Bild: Martina Diemand

Der 19-jährige Denis Salewsky macht ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Bezirkskrankenhaus Kempten. Er möchte Menschen helfen - auch nach seinem FSJ.

Bild: Martina Diemand

Er hilft Menschen, denen es psychisch nicht gut geht. Ein 19-jähriger Allgäuer über sein Freiwilliges Soziales Jahr im Bezirkskrankenhaus Kempten.
19.07.2021 | Stand: 09:29 Uhr

Denis Salewsky hat heuer noch kaum Urlaubstage genommen. Er ist viel lieber auf der Station, bei den Patientinnen und Patienten, um ihnen zuzuhören, um ihnen zu helfen. Der 19-Jährige aus Kempten macht seit Februar 2021 sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Bezirkskrankenhaus in Kempten – genauer gesagt auf der Station P1. Dort würden überwiegend Menschen ab 50 Jahren behandelt, die beispielsweise depressiv sind oder kurz vor einem Burnout stehen.

Erst FSJ, dann Studium der Psychologie

„Mich interessieren die menschlichen Schicksale sehr“, sagt Salewsky. Deshalb habe er sich nach seiner Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann dazu entschieden, ein FSJ zu machen, um dann im Sozialzweig an der Berufsoberschule sein Abitur nachzuholen. 800 Arbeitsstunden muss er dafür vorweisen, weshalb er noch bis Ende August im BKH mithilft. Doch nicht nur deshalb: Schon während seiner Ausbildung habe er sein großes Interesse an Psychologie entdeckt. Spätestens nachdem er ein Psychologie-Buch gelesen hatte, wusste er, dass er das studieren möchte. „Das Thema hat mich so gefesselt, das fand ich so spannend“, sagt der 19-Jährige. (Lesen Sie auch: „Es ist schön, in der Krisenzeit zu helfen“ - Junge Freiwillige über ihren Dienst in der Pandemie)

Arbeit nicht mit nach Hause nehmen

Umso glücklicher schätzt sich der Kemptener, dass er so kurzfristig einen Platz als „FSJler“ im BKH bekommen hat. Doch aller Anfang sei auch für den 19-Jährigen schwer gewesen: „Zu Beginn war es schwierig sich abzugrenzen und die Arbeit gedanklich nicht mit nach Hause zu nehmen“, sagt Salewsky. „Schon nach dem zweiten Tag dachte ich mir: ‚Oh je, das ist mir zu negativ‘.“ Er fragte die Organisatorin nach einer anderen FSJ-Stelle. Diese habe ihm aber geraten, dem Ganzen noch ein paar Tage lang eine Chance zu geben. Im Nachhinein sei das für Salewsky die absolut richtige Entscheidung gewesen. Während er zu Beginn des Sozialen Jahrs weniger mit Freunden unternahm und auch von der Familie darauf angesprochen wurde, ob es ihm gut gehe, habe er sich bald angeeignet, Arbeit und Privates zu trennen. „Ich habe gelernt, wie man sich von zu viel Negativem fernhält. Und: Wie wichtig es ist zuzuhören und den Gegenüber nicht gleich mit Ratschlägen zu überschütten.“

Mit den Patienten Zeit verbringen

Tipps, Rat und Empfehlungen gebe der 19-Jährige den Patientinnen und Patienten generell nicht. „Das ist die Aufgabe der Therapeuten“, sagt Salewsky. Später, nach seinem Psychologie-Studium, möchte er das dann auch tun. Seine Hauptaufgabe im FSJ sei es, sich mit den Patientinnen und Patienten zu beschäftigen. „Wir gehen spazieren oder spielen Rummikub, das ist sehr beliebt“, erzählt der junge Allgäuer. Morgens nach der Medikamentenvergabe sei es zudem seine Aufgabe, den Blutdruck bei den Patientinnen und Patienten zu messen. Der Verlauf der Werte wird von der Ärztin oder dem Arzt dann bei der wöchentlichen Visite überprüft. Wenn um 9 Uhr die Therapiesitzungen beginnen, ist Denis Salewsky ebenfalls dabei. (Lesen Sie auch: Geschwister von Menschen mit Handicap: "Schattenkinder")

Respektvoller Umgang auf der Station

Täglich ist Salewsky von 8 bis 16 Uhr auf der Station, wo bis zu 22 Patienten untergebracht sind. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen, die neben Ärztinnen und Ärzten, Psychologinnen und Psychologen sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern vor allem Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger sind, will er dafür sorgen, dass es den Menschen schnell wieder besser geht. „Es ist schön zu sehen, wenn die Patienten sich erst trübselig verhalten und dann wieder lachen können“, sagt Salewsky. Trotz des Altersunterschieds bringen die Patientinnen und Patienten Salwesky Respekt entgegen. „Respektlos sind sie selten, manchmal etwas lauter“, sagt der 19-Jährige. „Ich bin da aber auch nicht nachtragend.“ Manchmal hätten Einzelne eben einen schlechten Tag, beispielsweise wenn deren Medikamente neu eingestellt wurden. Kürzlich habe ihm ein Patient aber auch gesagt, wie klasse er doch sei. „Das freut mich natürlich riesig zu hören.“

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Geben, nehmen und etwas bewegen: So vielseitig ist Freiwilligenarbeit

Die Erfahrung als FSJler möchte Salewsky laut eigener Aussage auf keinen Fall missen. Gerade wenn jemand in ihrer oder seiner beruflichen Entscheidung schwankt, empfehle der 19-Jährige ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen. „Woher soll man als junger Mensch denn auch wissen, was man mal machen möchte“, sagt Salewsky. Sich selbst zu orientieren und dabei anderen zu helfen, findet er eine super Möglichkeit.

Das Wichtigste zum FSJ

  • Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) kann man in vielen verschiedenen Bereichen, beispielsweise in der Jugendarbeit, in der Altenpflege oder bei Naturschutz-Verbänden absolvieren.
  • Wer ein FSJ machen möchte, muss jünger als 27 Jahre sein und die Schulpflicht erfüllt haben.
  • In der Regel dauert ein FSJ zwölf Monate, mindestens jedoch sechs und höchstens 18 Monate in Vollzeit. In Ausnahmefällen kann der Zeitraum auf 24 Monate verlängert werden.
  • Freiwillige im FSJ sind grundsätzlich gesetzlich sozialversichert.
  • Bis zum 25. Lebensjahr besteht im Regelfall ein Anspruch auf Kindergeld.
  • Während des Einsatzes bekommen FSJ-Leistende normalerweise ein Taschengeld.

Weiter Informationen zum Freiwilligen Sozialen Jahr finden Sie auf der Webseite der Arbeitsagentur oder beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.