Kinofilm

Gabriele Lechner: Eine EDV-Spezialistin wird Filmproduzentin

Filmstills aus dem bayrischen Western

Kommt aus Kempten: Filmproduzentin Gabriele Lechner.

Bild: Lechner

Kommt aus Kempten: Filmproduzentin Gabriele Lechner.

Bild: Lechner

Die aus Kempten stammende Gabriele Lechner hat eine Western-Komödie produziert. Der Spielfilm ist nun im Colosseum Center in Kempten zu sehen.
11.11.2021 | Stand: 20:04 Uhr

„Ein erfolgloses bayerisches Musikerpaar, zwei Indianer auf Spurensuche, eine Handvoll Brauer, die sich als Banditen ausgeben und ein eiskalter Revolverheld treffen zur falschen Zeit im falschen Saloon aufeinander und plötzlich befinden sich alle auf einer abenteuerlichen Hetzjagd durchs wilde Bayern.“ So fasst Gabriele Lechner, 60, die verrückte Geschichte zusammen, mit der der junge Filmemacher Mark Lohr bei der Suche nach einem Produzenten auf sie zukam. Sie war von diesem bayerischen Western so angetan, dass sie selbst die Produktion für den Film übernahm. Mit der Vorführung von „Hopfen, Malz und Blei“ am morgigen Samstagabend im Colosseum Center schließt sich ein Kreis, denn die gebürtige Kemptenerin kommt wieder in die Stadt zurück, in der sie aufgewachsen ist. In den 35 Jahren dazwischen durchlief sie eine spannende Berufsentwicklung.

Spontan hat sie die Koffer gepackt und ist nach München gezogen

Gabriele Lechner ist die Tochter des ehemaligen Europameisters und Fecht-Trainers beim TV Jahn, Kurt Strohmetz. Nach einer Ausbildung wechselte sie in den EDV-Bereich und schrieb auch Bücher. Als Dozentin war sie in München gefragt, wo sie die Abschlussfragen für die IHK ausarbeitete. So lag es nahe, dass sie nach der Trennung von ihrem Mann 1986 spontan die Koffer packte und mit ihren beiden Söhnen und 500 D-Mark in der Tasche nach München zog. Später gründete sie selbst einen Verlag mit Büchern über die Arbeit mit dem Grafikcomputer Commodore Amiga. Die Verbindung von Video und Computer war für sie so spannend, dass sie nach dem Konkurs des Amiga ihr Knowhow in der aufkommenden Internet-Branche einsetzte.

Mit Mut und Risikofreude ging Gabriele Lechner an die Sache heran

Sie baute „Lechnermedia“ auf, eine Internet-Agentur für Immobilien, Kunst, Kultur und Film, die Gabriele Lechner noch heute leitet. 2001 rief sie den in seiner Art einzigartigen „Camgaroo Award“ ins Leben. Der Preis zeichnet Nachwuchs-, Independent- und Amateur-Filmemacher in ganz unterschiedlichen Kategorien aus. Hier können auch unter 18-Jährige selbstgedrehte Filme einreichen.

Jetzt wagt sich die gebürtige Allgäuerin an ihre erste eigene Filmproduktion. „Wenn ich eine Vision habe, dann setze ich sie um“, sagt Lechner. „Es ist wie auf einer Bergtour: Man hat noch jede Menge Anstrengung bis zum Gipfel vor sich, aber wenn man oben ist, hat man eine fantastische Aussicht und viel dazu gelernt. Ein bisschen Mut und Risikofreude gehören natürlich dazu“. Ihr Ziel sei es, das Potenzial junger Kreativer zu fördern, die nicht vom Raster der Filmförderung erfasst werden.

Western-Flair in Bayern-Version: Szene aus dem Spielfilm.
Western-Flair in Bayern-Version: Szene aus dem Spielfilm.
Bild: Camgaroo Productions

Regisseur Mark Lohr gewann 2016 für seinen Film „Voll der Glückstag“ den Camgaroo Award. Für die Westernkomödie „Hopfen, Malz und Bier“ schreib er das Drehbuch, stand hinter der Kamera und führt auch Regie. Gedreht wurde der 100-minütige Spielfilm in der schwierigen Corona-Zeit auf eigenes Risiko und ohne Filmförderung in Wäldern Niederbayerns und den oberbayrischen Bergen, berichtet Gabriele Lechner. Da wegen des Corona-Lockdown die Museen geschlossen waren, konnte das Team ungestört im Bergwerkstollen des Deutschen Museums in München filmen. Es wurde auch eine komplette Westernstadt-Kulisse inklusive bayerischem Saloon aufgebaut.

Wolfgang Fierek tritt in einer Gastrolle auf

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Wolfgang Fierek hat eine Gastrolle, und für die Titelmusik konnte kein geringerer als Harold Faltermeyer gewonnen werden. Er komponierte in Hollywood für Filme wie Beverly Hills Cop, Running Man und zuletzt für Top Gun: Maverick mit Tom Cruise. Er stellt sein Musikstück „Ode to Indigenes“ als Titelsong zur Verfügung.

Laut Produzentin Gabriele Lechner erwartet den Kinobesucher ein actionreiches, lebensfrohes und luftig leichtes Kinoerlebnis mit fantasievollen Details. Sie war fast bei jedem Dreh dabei und ist bei Bedarf auch mal spontan als Darstellerin eingesprungen. So kam sie zu einem Cameo-Auftritt in ihrem eigenen Film und ist kurz als Bedienung zu sehen.