Kempten

Geht von einer Linde in Kempten Gefahr aus?

Um eine Linde – nicht so groß wie der Baum auf unserem Symbolbild – ging es während der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses. Dabei ging es um die Frage, ob der Baum seinen Schutzstatus verliert und gefällt werden darf.

Um eine Linde – nicht so groß wie der Baum auf unserem Symbolbild – ging es während der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses. Dabei ging es um die Frage, ob der Baum seinen Schutzstatus verliert und gefällt werden darf.

Bild: Martina Diemand (Symbolfoto)

Um eine Linde – nicht so groß wie der Baum auf unserem Symbolbild – ging es während der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses. Dabei ging es um die Frage, ob der Baum seinen Schutzstatus verliert und gefällt werden darf.

Bild: Martina Diemand (Symbolfoto)

Grundstückseigentümer stuft den als Naturdenkmal geschützten Baum als riskant ein. Der womöglich 200 Jahre alte Stamm soll deshalb fallen. Das sagt die Stadt.
29.07.2020 | Stand: 17:00 Uhr

Soll die Stadt einer Linde den Status Naturdenkmal aberkennen, damit der Baum gefällt werden kann? Mit dieser Frage beschäftigte sich jüngst der Kemptener Umweltausschuss. Am Ende mussten die Räte abwägen, ob der Baum eine Gefahr für Mensch und Gebäude darstellt oder ob er auch in Zukunft als standsicher einzustufen ist.

Baum sei bereits 2001 krank gewesen

Bereits seit 1935 steht die Linde im Umkreis des Mariabergs unter dem Schutzstatus Naturdenkmal. Damals hätten die Behörden Bäume ohne entsprechendes Verfahren als schützenswert erklärt, erläuterte Roland Sauter vom Amt für Naturschutz, der das Alter des Baumes auf 160 bis 200 Jahre schätzt. Heute sei dies im Bundesnaturschutzgesetz geregelt. Das Regelwerk verbietet grundsätzlich das Umlegen geschützter Bäume. Doch die Fällung besagter Linde stand immer wieder im Raum – 2001 sei der Baum nach Angaben des Eigentümers krank gewesen und müsse deshalb entfernt werden. Ein Gutachten der damals zuständigen Stadtgärtnerei kam jedoch zu einem anderen Ergebnis. Die Stadt schnitt den Baum daraufhin zurück und steckte 5000 Mark in die Pflege.

Nun musste sich der Ausschuss erneut mit einem Fällantrag beschäftigen. Der Eigentümer begründete diesen damit, dass „ein erhebliches Risiko für sein landwirtschaftliches Gebäude sowie für alle Familienmitglieder besteht“. Denn der Stamm des Baumes sei ausgehöhlt und könne auf das Haus fallen, berichtete Sauter von den Bedenken des Eigentümers. Ein Baumsachverständiger untersuchte vor zwei Jahren die Linde und stellte fest, dass der Hauptstamm stellenweise morsch ist. Die Linde wurde daraufhin gekürzt und seitdem regelmäßig untersucht – auch von einem Gutachter. Das Ergebnis der diesjährigen Kontrolle: Eine Fällung sei nicht angebracht. Die Stadt kann sich aber vorstellen, den Hauptstamm um weitere zwei bis drei Meter zu kürzen. Der Baum sei auch in seinem jetzigen Zustand und seinem nur teilweise dem Sturm ausgesetzten Standort voll standsicher, hieß es in der aktuellen Sitzung.

Anders sieht Josef Mayr (CSU) die Situation: „Wenn Menschen gefährdet sind, können wir das nicht aussitzen.“ Er empfehle dringend, den Schutzstatus aufzuheben und die Familie dadurch zu entlasten. Komme es zu einem Unglück, hafte teilweise auch die Stadt. Parteikollege Peter Wagenbrenner stimmte dem zu. Mayr regte an, dafür eine andere Linde unter Schutz zu stellen. Dies jedoch lehnte Sauter mit Verweis auf das lange Verfahren ab.

Bleibt die Linde oder muss sie gefällt werden?

Annette Hauser-Felberbaum (Freie Wähler-ÜP) sprach von einem „wunderbaren Baum“, der genau im Blick behalten werden müsse. Die Linde soll erhalten bleiben. Der Baum sei ein Tiefwurzler, stimmte Gertrud Epple (Grüne) zu. Wenn ein Baumpfleger tatsächlich eine Gefahr feststelle, müsse man neu entscheiden. Am Ende der Diskussion sprachen sich sieben Räte gegen die Aberkennung des Schutzstatus aus, drei dafür – die Linde bleibt also erst einmal ein Naturdenkmal. Die Stadt wird die Baumkrone zudem um weitere zwei bis drei Meter stutzen.