Chöre und Corona

Gesangsproben in Zeiten von Corona? Das geht, wie ein Chor in Durach zeigt

So probt Chorleiterin Priska Dorn: Im Wohnzimmer hat sie ihr Keyboard aufgebaut; mit dem Laptop hält sie Kontakt mit Sängerinnen und Sängern.

So probt Chorleiterin Priska Dorn: Im Wohnzimmer hat sie ihr Keyboard aufgebaut; mit dem Laptop hält sie Kontakt mit Sängerinnen und Sängern.

Bild: Frederick Mersi

So probt Chorleiterin Priska Dorn: Im Wohnzimmer hat sie ihr Keyboard aufgebaut; mit dem Laptop hält sie Kontakt mit Sängerinnen und Sängern.

Bild: Frederick Mersi

Chöre dürfen derzeit nicht proben. Eigentlich. Priska Dorn hat einen Weg gefunden, wie sie mit ihrem Duracher Chor "Insieme" dennoch singen kann.
03.02.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Für Priska Dorn beginnt die Chorprobe mit einem Klick am Laptop auf dem Bügelbrett neben ihrem Keyboard. Die Leiterin des Chors „Insieme“ aus Durach begrüßt am Sonntagabend ihre Bässe zur Satzprobe – wegen der Corona-Einschränkungen seit Monaten über Skype. Doch allen technischen Problemen, fehlenden Treffen und organisatorischen Problemen zum Trotz sind die Online-Proben für das Ensemble zur Erfolgsgeschichte geworden. Drei der 44 Mitglieder würden derzeit zwar pausieren, sagt Chorleiterin Dorn. „Aber die meisten sind total dankbar für die Möglichkeit weiterzumachen.“

"Das war am Anfang schon schräg", sagt Sänger Tobias Dorn

Im Sommer sind sogar zwei neue Sänger dazugestoßen – und dabeigeblieben. „Die ziehen richtig mit“, sagt Dorn. Dabei bringen die virtuellen Chorproben einige Herausforderungen mit sich. So ist wegen Verzögerungen bei der Online-Übertragung gemeinsames Singen nicht möglich. Bis auf Chorleiterin Dorn, die die Satzstimme singt und Akkorde auf dem Keyboard spielt, müssen deshalb alle Sängerinnen und Sänger ihre Mikrofone ausschalten. „Das war am Anfang schon schräg, in die Leere hinein zu singen“, sagt Dorns Mann Tobias, ebenfalls Sänger im Chor. „Aber inzwischen hat man sich daran gewöhnt.“

Technische Probleme machen Sängern einen Strich durch die Rechnung

Auch technische Probleme machen den Sängern immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Bei der Probe der Bässe fliegt Chorleiterin Dorn selbst aus der Skype-Konferenz, weil die Internetverbindung plötzlich abreißt. „Für solche Fälle darf ich mich aber ins WLAN eines unserer Bässe einwählen“, sagt sie. „Er wohnt direkt unter uns.“ Wenige Sekunden später steht die Verbindung wieder. Auch organisatorisch war die Umstellung auf Online-Proben eine Herausforderung für den Chor. Leiterin Dorn muss als Altistin auch die Stimmen von Bässen, Tenören und Sopranen am Laptop vorsingen. Jeder Satz probt jeweils eine halbe Stunde lang, weshalb sich Bass und Sopran sowie Tenor und Alt zweiwöchentlich abwechseln. „Vier Satzproben hintereinander wären für mich einfach zu anstrengend“, sagt Dorn.

Trotz der Aufspaltung in Satzgruppen und dem fehlenden Hören der anderen Sänger hat der Chor „Insieme“ Wege gefunden, das Gefühl von Gemeinschaft auch in Zeiten von Corona aufrecht zu erhalten. Alte Video- und Audio-Mitschnitte von Konzerten bieten die Möglichkeit, als Teil des gesamten Ensembles mitzusingen. Bei der virtuellen Weihnachtsfeier „hockten“ einige Chormitglieder wie in vergangenen Jahren gemeinsam bis nach Mitternacht – vor ihren Bildschirmen.

Ein Video hat die Sänger zu Tränen gerührt

Zudem beschenkten sich die Sänger gegenseitig mit einem Video. Mehr als 30 Chormitglieder sangen allein ihre Stimme zum Lied „Sing together“ ein; ihre Videos wurden dann zu einem Stück zusammengeschnitten. „Das hat einige im Chor wirklich zu Tränen gerührt“, sagt Dorn. „Die Gemeinschaft fehlt.“

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Am Sonntagabend proben Bässe und Soprane das Lied „Wunder gescheh’n“ von Nena. „Hoffen wir, dass Wunder geschehen und wir irgendwann wieder zusammen proben können“, sagt Sängerin Doreen Brunner. Damit endet eine weitere Chorprobe für Priska Dorn – mit einem Klick.