Kemptener Partner

Geschlossene Pubs und Overtourism in Kemptens Partnerstädten

Kempten hat fünf Partnerstädte. Dazu zählen Bad Dürkheim (Rheinland Pfalz), Sligo (Irland), Quiberon (Frankreich), Trient (Italien) und Sopron (Ungarn).

Kempten hat fünf Partnerstädte. Dazu zählen Bad Dürkheim (Rheinland Pfalz), Sligo (Irland), Quiberon (Frankreich), Trient (Italien) und Sopron (Ungarn).

Bild: Martina Diemand

Kempten hat fünf Partnerstädte. Dazu zählen Bad Dürkheim (Rheinland Pfalz), Sligo (Irland), Quiberon (Frankreich), Trient (Italien) und Sopron (Ungarn).

Bild: Martina Diemand

Die Pandemie erschwert es, die Verbindung nach Sligo, Sopron, Trient und Quiberon wie bisher aufrechtzuerhalten. So geht es den Menschen vor Ort.
Kempten hat fünf Partnerstädte. Dazu zählen Bad Dürkheim (Rheinland Pfalz), Sligo (Irland), Quiberon (Frankreich), Trient (Italien) und Sopron (Ungarn).
Von Carolin Färber
10.11.2020 | Stand: 11:57 Uhr

Die Pandemie lähmt das gesellschaftliche Leben. So sind auch städtepartnerschaftliche Besuche nicht möglich. Wie aber geht es den Menschen in Kemptens Partnerstädten? Wir haben nachgefragt:

Sligo Irland war das erste europäische Land, das einen zweiten Lockdown verhängte. Seit Mittwoch, 21. Oktober, sind alle Läden, die nicht der Grundversorgung dienen, geschlossen. Treffen mit anderen Haushalten sind untersagt. Irland zählt etwa fünf Millionen Einwohner. Stand 9. November sind es über 65 000 Corona-Infektionen. Besonders betroffen sind Regionen nahe der nordirischen Grenze. Dort liegt Sligo, die irische Partnerstadt Kemptens. Zahlreiche Souvenirshops und Kneipen („Irish Pubs“) mussten dauerhaft schließen: „Die weltberühmte Vorstellung von Irish-Pubs ist möglicherweise ausgestorben“, sagt Imelda Harte, die Sekretärin des Städtepartnerschaftskomitees in Sligo.

Nationalfeiertag fiel aus

Schon im Frühling wurden strenge Maßnahmen vollzogen: Es gab Parkbeschränkungen auf den Straßen, der Zugang zum Strand war untersagt oder nur unter strengen Besucherlimits zugänglich. Der nationale Feiertag „St. Patricks Day“ musste abgesagt werden. Ende Juni durften die Bewohner im Inland reisen. „Der Inland-Tourismus überrollte das Land wie ein Schwall“, beschreibt Harte. Im Gegensatz zum ersten Lockdown im Frühling bleiben dieses Mal die Schulen geöffnet. „Die Iren sind ein sehr geselliges Volk. Sie vermissen es, dieser Tradition nachzukommen“, bedauert Harte.

Quiberon Frankreich verzeichnet besonders viele Corona-Infektionen. So haben sich Stand 9. November mehr als 1,7 Millionen Franzosen mit Corona infiziert. Die Maßnahmen dort sind um einiges strenger als in Deutschland. Aktuell gilt eine Ausgangssperre von 21 bis 6 Uhr in Paris und acht weitere Metropolen in Frankreich. Betroffen sind somit rund zwei Drittel der Bevölkerung. „Die allgemeine Atmosphäre ist düster“, sagt Marie-Claude Coantic aus Kemptens Partnerstadt Quiberon.

Maximal eine Stunde im Freien

Und es bestehen weitere Einschränkungen: „Es gibt eine Reisegenehmigung, die wir für jeden Ausflug ausfüllen müssen – und der muss im Ein-Kilometer-Radius von daheim stattfinden“, sagt Coantic, Präsidentin des Partnerschaftskomitees. Zudem dürfe die französische Bevölkerung ihr Zuhause täglich nur maximal eine Stunde für Sport oder Spaziergänge verlassen.

Sopron Im ungarischen Sopron gelten wiederum andere Regeln. Dorottya Móricz vom Bürgermeisteramt der Stadt Sopron erklärt: Restaurants dürfen bis 23 Uhr geöffnet sein. Gleich lang dürfen unter entsprechenden Hygienevorschriften sämtliche Kulturveranstaltungen stattfinden. Am 3. November verhängte Ungarn den Notstand. Für die folgenden 15 Tage gilt demnach eine Ausgangssperre von Mitternacht bis 5 Uhr morgens. In Theatern und Kinos darf nur noch ein Drittel der Plätze belegt werden, gab Ministerpräsident Viktor Orban am Mittwoch bekannt.

Viele Wanderer in den Weinbergen

Bad Dürkheim Da der „Lockdown light“ bundesweit ausgerufen wurde, ist davon auch Kemptens Partnerstadt in Rheinland-Pfalz betroffen. Die vergangenen Sommermonate hinterließen auch hier Spuren. Petra Wurm, Pressesprecherin von Bad Dürkheim, spricht von Corona-bedingtem „Overtourism“: „Besonders Aktivitätsformen wie Wander- oder Radtourismus in Waldgebieten und den Weinbergen boomten.“

Trient Die italienische Partnerstadt Trient kämpft vor allem mit Menschengruppen, die sich vor den Restaurants sammeln, gemeinsam trinken und sich unterhalten, sagt Mariapia Tessari. Seit Freitag, 6. November, gilt eine landesweite Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr. In öffentlichen Verkehrsmitteln darf nur die Hälfte der Passagiere einsteigen, Einkaufszentren müssen am Wochenende schließen.

Der Tourismus sei für Trient „fundamental“. „Die Menschen in Trient haben Sorgen und Ängste“, beschreibt sie die Stimmung – vor allem um ältere Menschen und arme Familien. Doch: „Die Menschen haben in einer solch schwierigen Situation gezeigt, dass sie wissen, wie man Solidarität übt.“

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