Wohnen in Kempten

Gestaltungsbeirat: Einmal hui, einmal pfui

Architekten freuen sich auf siebengeschossiges Holzhaus am Schwalbenweg. Den Entwurf für 50 Wohnungen in Neuhausen halten sie für „jenseits von Gut und Böse“
22.01.2021 | Stand: 17:58 Uhr

An Deutlichkeit stehen die neuen Mitglieder des Gestaltungsbeirats ihren Vorgängern in nichts nach. Das gilt für Projekte, die ihnen gefallen, aber auch für Vorhaben, die sie ablehnen. Beispiele für beide Varianten gab es in der jüngsten Sitzung: Ein siebengeschossiges Holzhaus am Schwabelsberger Weg erntete freudige Zustimmung. An der Planung für gut 50 Wohnungen am Neuhauser Weg ließen die Experten dagegen keinen guten Strich.

„Betört vom Standort“ zeigte sich die neue Vorsitzende des Beirats, Prof. Bü Prechter. Es geht um ein Grundstück im Schwalbenweg zwischen den Hausnummern 45 und 47. Die Sozialbau plant an dem Weiher ein siebengeschossiges Haus mit 21 Wohnungen. Lediglich der Keller soll betoniert werden. Oberhalb setzt Architekt Markus Alber, stellvertretender Abteilungsleiter Neubau, auf „Holzbau in voller Konsequenz“. Das schließe auch den Aufzugsschacht und die Balkone ein.

Fürs Erdgeschoss kann sich Sozialbau-Chef Herbert Singer eine Sondernutzung vorstellen, etwa eine Tagespflege. Darüber sind 2-, 3- und 4-Zimmer-Wohnungen vorgesehen. Der Quadratmeterpreis soll einstellig bleiben. Im Scherz liebäugelte der Augsburger Thomas Glogger gleich damit, sich für eine Wohnung zu bewerben.

Sein Kollege Hans-Peter Hebensperger-Hüther brachte ein, den Baukörper möglichst weit Richtung Norden zu verschieben, damit ein „Durchblick“ Richtung Weiher möglich bleibe. Die Verlegung der Bushaltestelle vor den Eingangsbereich soll geprüft werden. Große Bäume könnten die Parkplatz-Reihe auflockern, hieß es. Für die nächste Präsentation sollen die Verantwortlichen zudem Aussagen zum Freiraum und zu den naturschutzrechtlichen Auflagen treffen. Die weitere Entwicklung wollen die externen Fachleute unbedingt verfolgen. Holzbauten dieser Kategorie sind nach wie vor eine Seltenheit.

am Neuhauser Weg Auf den ehemaligen Flächen der Gärtnerei Bunk stellt sich Investor Walter Bodenmüller – wie berichtet – neue Bauten vor. 55 Wohnungen sollen in Mehrfamilien- und Doppelhäusern auf dem 7500 Quadratmeter großen Grundstück Platz finden. Eine Tiefgarage mit 90 Stellplätzen präsentierte Sebastian Maurus vom Büro Immodocs, oberirdisch soll das Gelände „nahezu Kfz-frei“ bleiben. Energie-effiziente Holzbauweise, in der jetzigen Variante mit Satteldächern für einen besseren Wirkungsgrad von Solaranlagen, sieht die Beschreibung vor.

Ein „elementares Problem“ erkannten da die Beiräte: Das Grundstück derart dicht zu bebauen, sei überhaupt nicht zulässig. Die Kennzahlen lägen „jenseits von Gut und Böse“. Auf dem ländlich geprägten, sensiblen Areal mit dem Bachlauf brauche es ein schlüssiges Konzept. Um nicht das Gegenteil der angestrebten ökologischen Ausrichtung zu verfolgen, empfahlen die Fachleute, den Entwurf neu zu überdenken, andere Büros und einen Landschaftsplaner einzubeziehen: „Mit ein paar Parkplätzen weniger ist das nicht zu heilen, Sie belügen sich selbst mit dieser Planung.“

An einem Modell soll dargelegt werden, wie Gebäude zu verteilen sind und wie Feuerwehr-Zufahrt, Spielplätze, Müllabfuhr und anderes geklärt werden können. Ein wenig erbauter Walter Bodenmüller sagte gegenüber derAZ, dass er die Meinung des Beirats nicht teile. „Wir werden das intern diskutieren“, kündigte Sebastian Maurus an.