Gewalt

Kemptener Expertin über Gewalt an Kindern: Auch Liebesentzug ist Form der Gewalt

Eine Ohrfeige halten immer noch zu viele für angebracht.

Eine Ohrfeige halten immer noch zu viele für angebracht.

Bild: Alexander Kaya

Eine Ohrfeige halten immer noch zu viele für angebracht.

Bild: Alexander Kaya

Laut Kinderschutzbund gibt es noch viel Aufklärungsbedarf bei der Erziehung. Auch Nichtachtung, Liebesentzug und Herabsetzung sind demnach Formen der Gewalt.
21.11.2020 | Stand: 12:32 Uhr

Vor 20 Jahren trat in Deutschland das Recht jedes Kindes auf gewaltfreie Erziehung in Kraft. Trotz positiver Trends sehen viele jedoch körperliche Bestrafung weiter als angebracht an. Dies hat eine neue Studie der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie Ulm im Auftrag von Kinderschutzbund und Unicef ergeben. Besonders am heutigen Tag der Kinderrechte weist Melanie Korthaus, Vorstand im Kinderschutzbund-Kreisverband Kempten, darauf hin, dass jeder Zweite noch immer der Auffassung sei, ein Klaps auf den Hintern habe keinem Kind geschadet. Jeder Sechste halte sogar eine Ohrfeige für angebracht.

Auch psychische Gewalt zählt dazu

Vielen Menschen ist laut Korthaus nicht bewusst, dass auch Strafen mit Nichtachtung, Liebesentzug oder Herabsetzung Formen der Gewalt sind. Hier bestehe noch viel Aufklärungsbedarf für einen Bewusstseinswandel. „20 Jahre nach der Gesetzesänderung bleiben Herausforderungen“, sagt auch Ekin Deligöz, Vizepräsidentin des Kinderschutzbundes. Die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz sei längst überfällig. Insbesondere das Ausmaß und die negativen Folgen psychischer Gewalt gegen Kinder würden bis heute unterschätzt. (Lesen Sie auch: Kemptener Fachstelle arbeitet mit den Tätern)

Laut der Studie, heißt es in einer Darstellung des Kinderschutz-Kreisverbands Kempten, sei der Anteil der Menschen, die Gewalt anwenden oder als angebracht ansehen, zwar insgesamt gesunken. In den Jahren von 2016 bis 2020 stagnieren die Zahlen aber. Besonders leichtere Körperstrafen seien verbreitet. Und: Die Zustimmung zu Körperstrafen bei Kindern sei bei Männern größer als bei Frauen. So würden Männer dem Klaps auf den Hintern mit 57,8 Prozent häufiger zustimmen als Frauen ( 47,1 Prozent). Je älter die Befragten seien, desto seltener lehnten sie Körperstrafen ab.

Lesen Sie auch: "Schätzen, dass die Dunkelziffer hoch ist": Häusliche Gewalt während der Corona-Pandemie im Allgäu