Viel erlebt

Gitarrist Liviu Jean Manciu hat mit zahlreichen Stars gejammt

Mit allen musikalischen Wassern gewaschen: Gitarrist Liviu Jean Manciu.

Mit allen musikalischen Wassern gewaschen: Gitarrist Liviu Jean Manciu.

Bild: Ulla Mayer-Raichle

Mit allen musikalischen Wassern gewaschen: Gitarrist Liviu Jean Manciu.

Bild: Ulla Mayer-Raichle

Der Kemptener ist 60 und ein virtuoser und versierter  Musiker. Doch als er sein Idol Ritchie Blackmore von Deep Purple traf, brachte er keinen Ton heraus

01.09.2020 | Stand: 11:30 Uhr

Egal ob Pop, Rock, Blues, Folk, Jazz, Latin, Fusion, Klassik – Liviu Jean Manciu fühlt sich überall zuhause. Er ist ein virtuoser Gitarrist, ein Allrounder, ein Grenzgänger, ein leidenschaftlicher Improvisationskünstler – und in der Allgäuer Musikszene bekannt wie ein bunter Hund. An diesem Dienstag feiert der Kemptener, der in seinem Musikerleben zahlreichen Weltstars begegnete, seinen 60. Geburtstag.

Das Gitarrespielen brachte sich Manciu selber bei. Er hörte die Platten von Jimi Hendrix, Eric Clapton, Carlos Santana, Jimmy Page und Ritchie Blackmore „rauf- und runter“, bis er Riffs und Soli beherrschte. Damals, als Zwölfjähriger, lebte er mit den Eltern im rumänischen Reschitz. Mit 16 gewann er mit „Atomic“ den landesweiten Rockband-Wettbewerb. Als er 17 war, zog seine Familie nach Kempten.

Zahlreichen Stars ist er begegnet, mit einigen jammte er sogar. Mit der 2017 gestorbenen Jazz-Rock-Ikone Larry Coryell spielte er etwa auf der Frankfurter Musikmesse. „Ich habe ihn gefragt, ob ich mal auf seiner Gitarre spielen dürfe. Danach hat er mich zu seiner Show eingeladen.“

Essen mit Shirley Bassey

Anfang der 90er Jahre kam er als Tourmanager des Platten-Labels „ZYX Music“ viel herum und begegnete großen Künstlern. Billy Joel stellte 1993 in Frankfurt vor 100 Leuten seine Platte „River of Dreams“ vor. „So einen Mega-Star hautnah am Piano zu erleben, das war toll“, sagt Manciu. Der britische Sänger und Gitarrist Paul Rodgers (Free, Bad Company) sei ein „netter Typ“. Shirley Bassey lud den Kemptener gar zum Essen zu Alfred Biolek ein. Auch an die Treffen mit Gloria Estefan und Lemmy Kilmister von Motörhead erinnert sich Manciu gern. Als „Kool & The Gang“ auf der Kemptener Burghalde Probleme beim Soundcheck hatten, half er aus. Als Dank gab es eine gemeinsame Session spätnachts im Hotelzimmer des „Fürstenhofs“.

1993, beim Konzert von Deep Purple im Memminger Eisstadion, kam im Backstage-Bereich Ritchie Blackmore, das Idol seiner Jugend, auf ihn zu. Doch Manciu war wie gebannt, brachte keinen Ton heraus. Wer weiß, was passiert wäre, wenn die beiden ins Gespräch gekommen wären. Denn Manciu kann nicht nur Blackmores Solo von „Highway Star“ auf der Gitarre spielen. „Ich kann es auch singen.“

Manciu arbeitet als Studio-Musiker und steht in diversen Bands auf der Bühne, so mit der Blues-Rock-Band The Gendrix, mit dem Duo Ritmico oder dem Antares Acoustic Trio, in dem Tiny Schmauch mitwirkt. Mit dem Kaufbeurer Kontrabassisten tritt Manciu auch regelmäßig beim Jazzfrühling auf. Und mit dem Buchenberger Pianisten Herbert Wiedemann hat er das Projekt „Guitar-Piano-Meeting“ entwickelt.

Corona hat den Berufsmusiker Manciu schwer getroffen. Anfang August gab der E-Gitarrist nach langer Pause wieder ein Konzert mit dem Organisten Walter Dolak in der St.-Mang-Kirche und hofft nun auf weitere Auftritte. Die Corona-Zeit hat er genutzt, um musikalisch weiter zu kommen – und sich um die Eltern zu kümmern. Sein Vater (92) und seine Mutter (86) hätten ihn immer unterstützt. „Jetzt möchte ich ihnen auch etwas zurückgeben“, sagt Liviu Jean Manciu.