Lebensmittel in Kempten

Hier gibt's kostenloses Essen ohne Bedingungen: Der "Fairteiler“ ist umgezogen

Sie helfen im „Fairteiler“ in der Duracher Straße 11 (von links): Jessica Mayr, Vorstandsmitglied Ruth-Birgit Greif und Leonie Rauch.

Sie helfen im „Fairteiler“ in der Duracher Straße 11 (von links): Jessica Mayr, Vorstandsmitglied Ruth-Birgit Greif und Leonie Rauch.

Bild: Martina Diemand

Sie helfen im „Fairteiler“ in der Duracher Straße 11 (von links): Jessica Mayr, Vorstandsmitglied Ruth-Birgit Greif und Leonie Rauch.

Bild: Martina Diemand

Lebensmittelretter in Kempten ziehen vom Ankergässele in die Duracher Straße. Ein Schulungsraum und eine eigene Küche ermöglichen dort ein neues Angebot.
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Von Redaktion Allgäuer Zeitung
19.09.2022 | Stand: 18:30 Uhr

Seit 2013 retten ehrenamtliche Mitglieder von Foodsharing Kempten Lebensmittel und geben sie unter dem Motto „fair teilen“ ohne Bedingungen und kostenfrei weiter. Seit 2019 fand sich der „Fairteiler“ im Ankergässele, wo Helferinnen und Helfer pro Tag gerettete Lebensmittel an bis zu 100 Interessenten verteilten. Jetzt hat der Verein laut Mitteilung eine neue Anlaufstelle: Seit Montag gibt es die Lebensmittel nicht mehr im Ankergässele sondern in der Duracher Straße 11. (>>>Lesen Sie hier: Tafelläden in Kempten rationieren Lebensmittel, hohe Preise, Inflation, Helfer und Bedürftige sind am Limit)

Klein ging es vor Jahren los, mit acht Mitgliedern und wenigen Betrieben, bei denen Lebensmittel gerettet wurden. Doch in den vergangenen Jahren sei das Projekt sprunghaft gewachsen. Mittlerweile hat der gemeinnützige Verein 146 Mitglieder und rettet in 69 Betrieben (wie Bäckereien, Lebensmittelläden, Imbisse) und auf dem Kemptener Wochenmarkt pro Tag über 300 Kilo Obst, Gemüse, Molkereiprodukte und anderes. Seit 2013 wurden so demnach bei über 26.000 Abholungen mehr als 581.000 Kilo Lebensmittel gerettet.

Alte Verteilstation platzte schon länger aus allen Nähten - aufwändige Suche nach neuem Domizil

Doch schon länger platzte die Verteilstation nahe der St.-Mang-Kirche aus allen Nähten. Deshalb suchte der Verein ein größeres Quartier, in dem er nicht nur gerettete Lebensmittel verteilen kann, sondern auch Platz hat für Mitgliedertreffen und Schulungen. Da sich der Verein über Spenden finanziert – etwa für die Miete, sowie die Stromkosten für Kühlschränke und Tiefkühltruhen – sei die Suche äußerst aufwändig gewesen.

Fündig wurde man in der Duracher Straße 11, wobei die Lebensmittelretter ihr neues Domizil als Mischung von grauem Entlein und noch nicht wachgeküsstem Dornröschenschloss bezeichnen – „mit mehr Dornen als Röschen“. Die Sanierung umfasste das Herausreißen des verklebten Teppichbodens und die Nivellierung von 150 Quadratmetern Bodenfläche, um dann gemäß Hygienekonzept Vinyl-Fliesen legen zu können.

Auf 135 Meter Länge summieren sich die montierten Fußleisten. Auch neue Elektroleitungen und 50 Meter Kabelschächte waren zu legen, alte Schränke zu entsorgen und alle Wände vor dem Anstrich zu spachteln. Die Sanierung und insbesondere der Bodenbelag seien trotz Spenden ein ziemlicher Kraftakt gewesen, heißt es. Die Mitglieder hätten viele 100 Stunden für die Sanierung angepackt. (>>>Hier lesen Sie: Hohe Energiepreise 2022: Menschen in Kempten stehen Schlange vor Tafelläden)

Neuland betritt der Verein mit einer Schulungsküche und einem Schulungsraum - auch Schulklassen sind willkommen

Der „Fairteiler“ am neuen Standort soll nun eine unproblematische Anlieferung der geretteten Lebensmittel und deutlich mehr Platz für ihre Verteilung ermöglichen. Neuland betritt der Verein mit einer Schulungsküche und einem Schulungsraum, wo man zum Beispiel Schulklassen mit Lebensmittelrettung und Maßnahmen gegen die Verschwendung vertraut machen will. Die erste Schulklasse wird am 14. Oktober im Rahmen des Projektes "Alltagskompetenzen" zu Besuch kommen.

Der Fairteiler öffnet Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 15 bis 17 Uhr, dienstags von 17 bis 19 und samstags von 10 bis 12 Uhr.