Hilfe für die Ukraine

Hilfe für die Ukraine: "Das Elend ist so groß, das bekommt man im Fernsehen gar nicht so mit"

Petra Schulte-Ritter und ihr Mann Thomas Ritter (vorne) fahren an diesem Wochenende wieder an die ukrainische Grenze. Der 40-Tonner ist voll beladen mit Hilfsgütern. Damit das Paar sie überhaupt in Richtung Kriegsgebiet bringen kann, haben viele Helfer angepackt – etwa Uschi Köpf und Evi Schölz (hinten Mitte, von links). Zum Abschied der Ritters kamen auch ihre Kinder Jamie und Jolin.

Petra Schulte-Ritter und ihr Mann Thomas Ritter (vorne) fahren an diesem Wochenende wieder an die ukrainische Grenze. Der 40-Tonner ist voll beladen mit Hilfsgütern. Damit das Paar sie überhaupt in Richtung Kriegsgebiet bringen kann, haben viele Helfer angepackt – etwa Uschi Köpf und Evi Schölz (hinten Mitte, von links). Zum Abschied der Ritters kamen auch ihre Kinder Jamie und Jolin.

Bild: Matthias Becker

Petra Schulte-Ritter und ihr Mann Thomas Ritter (vorne) fahren an diesem Wochenende wieder an die ukrainische Grenze. Der 40-Tonner ist voll beladen mit Hilfsgütern. Damit das Paar sie überhaupt in Richtung Kriegsgebiet bringen kann, haben viele Helfer angepackt – etwa Uschi Köpf und Evi Schölz (hinten Mitte, von links). Zum Abschied der Ritters kamen auch ihre Kinder Jamie und Jolin.

Bild: Matthias Becker

Eine Gruppe Oberallgäuer sammelt seit Beginn des Kriegs Hilfsgüter. Thomas Ritter fährt zum neunten Mal an die Grenze zur Ukraine. Was ihn und andere antreibt.
03.07.2022 | Stand: 10:40 Uhr

Eigentlich ist der 40-Tonner schon bis an den Rand beladen. Doch kurz vor der Abfahrt kommt überraschend eine Lieferung mit medizinischem Material. Uschi Köpf und Evi Schölz packen es schnell noch in Umzugskisten. Medizin und Verbandsmaterial benötigen die Menschen im Kriegsgebiet derzeit nötiger als Kissen, sagen sie. Das Bettzeug kann auch beim nächsten Mal mit. Die Frauen sind Teil einer 40-köpfigen Gruppe, die seit Beginn des russischen Angriffskriegs unermüdlich Spenden sammeln und diese an die rumänisch-ukrainische Grenze fahren. An diesem Wochenende ist die nächste Fuhre unterwegs – und Thomas Ritter sitzt zum neunten Mal hinterm Steuer.

Thomas Ritter: "Die erste Fahrt hat mich emotional so gepackt"

„Die erste Fahrt hat mich emotional so gepackt“, erzählt der 53-Jährige, kurz bevor er und seine Frau am Donnerstagnachmittag losfahren. Das erste Mal war im März bei Schneefall und zweistelligen Minusgraden. Als Ritter und andere Ehrenamtliche aus dem Oberallgäu und aus Kempten an der ukrainischen Grenze ankamen, trafen sie auf Frauen und Kinder, die vor dem Krieg flüchteten. In der Hand maximal eine Tasche. „Das Elend ist so groß, das bekommt man übers Fernsehen gar nicht so mit“, sagt Thomas Ritter. Wer das einmal gesehen habe, der müsse weitermachen.

„Stand with Ukraine – Unser Allgäu hilft“ heißt die Initiative, in der neben ihm und seiner Frau Petra Schulte-Ritter knapp 20 weitere Menschen regelmäßig anpacken, um in Sulzberg-Ried Hilfsgüter einzusammeln, in Kisten zu räumen und schließlich zu den Menschen in Not zu fahren. Weitere 20 unterstützen das Team immer wieder, darunter auch Frauen, die selbst aus der Ukraine geflüchtet sind. Insgesamt ist die Initiative eigenen Angaben zufolge mittlerweile etwa 38.000 Kilometer gefahren. Das waren 15 Transporte mit 225 Tonnen Hilfsgütern im geschätzten Warenwert von etwa eineinhalb Millionen Euro, hat Petra Schulte-Ritter zusammengerechnet. Die Gruppe erhält auch Geldspenden, mit denen sie zum Beispiel Medikamente kauft.

Jeder Karton mit Hilfsgütern für die Ukraine ist nummeriert

Jeder Karton mit den Sachspenden erhalte eine Nummer. Die Oberallgäuer arbeiten eng mit einer rumänisch-ukrainischen Hilfsorganisation zusammen, die ihnen vorab mitteilt, welche Güter aktuell benötigt würden. „Wir fahren erst, wenn der Lkw voll ist mit dem, was gebraucht wird“, sagt Thomas Ritter. Wenn die Hilfsorganisation vor Ort die Spenden verteilt, schickt sie davon Bilder. „Dadurch wissen wir, dass die Sachen da ankommen, wo sie hin sollen – und dass sie nicht auf dem Schwarzmarkt landen.“

Sie habe am Anfang des Kriegs einen Bericht im Fernsehen über ein zerbombtes Kinderheim gesehen, erzählt Evi Schölz von ihrer Motivation, sich zu engagieren. Das habe sie sehr bewegt und ihr sei klar gewesen: Es sei jetzt ihre Aufgabe zu helfen. „Man muss zusammenstehen“, sagt Uschi Köpf. „Und ich gebe meine Zeit gern für Wertvolles.“ Die Dankbarkeit der Menschen, die Thomas Ritter an der Grenze begegnen, motivieren ihn, immer wieder die lange Fahrt auf sich zu nehmen. 17 Stunden dauere sie bis zum Ziel – wenn es gut läuft. Dem Spediteur sei es jedoch unangenehm, wenn die Menschen vor Ort die Fahrer wie Helden feiern. Schließlich seien sie nur einige von vielen: Jeder, der spendet, der einen Karton faltet und einladen hilft, leiste einen wichtigen Beitrag. „Ich mache halt das, was ich kann“, sagt er. „Für mich sind die Helden die, die die Kisten dann ins Kriegsgebiet fahren.“ Das seien überwiegend junge Frauen.

Jolin Ritter: "Ich bin sehr stolz auf meine Eltern"

Lesen Sie auch
##alternative##
Seit Kriegsbeginn

Erster Weizenfrachter verlässt ukrainischen Hafen

Wolken ziehen auf. Die zusätzlichen Kisten sind im Lkw verstaut. Die Ritters verabschieden sich von den anderen beiden Helferinnen und von ihren Kindern Jamie und Jolin. Die Vier winken, bis der 40-Tonner außer Sichtweite ist. „Man bibbert ja schon, bis sie wieder da sind“, sagt Uschi Köpf. Auch Jolin Ritter sind die Sorgen anzusehen. „Aber ich bin auch sehr stolz auf meine Eltern.“

Hier können Kemptener und Oberallgäuer spenden:

  • Die Initiative „ Stand with Ukraine – Unser Allgäu hilft“ sammelt nach wie vor in Sulzberg-Ried 8 jeden Freitag von 15 bis 18 Uhr und jeden Samstag von 9 bis 12 Uhr Hilfsgüter, die sie an die ukrainische Grenze transportiert.
  • Benötigt werden zum Beispiel: haltbare Lebensmittel, Medikamente, Verbandsmaterial, Hygieneartikel, Babybedarf, Decken, Schlafsäcke, Isomatten, Bekleidung für Männer (Stiefel, Thermo-Unterwäsche, Handschuhe, robuste Jacken), Schutzbekleidung, Tierfutter, Kerzen, Streichhölzer, Campingkocher und -geschirr, Rucksäcke, Handys & Ladekabel.

Das könnte Sie auch interessieren: