Schatzsuche

Hobbysucher findet römische Münze in Baugrube

Sondengeher Robert Gans

So sieht es aus, wenn ein Sondengänger unterwegs ist.

Bild: Stadler (Symbolfoto)

So sieht es aus, wenn ein Sondengänger unterwegs ist.

Bild: Stadler (Symbolfoto)

Im Raum Dietmannsried findet ein Sondengeher in einer Baugrube eine uralte Münze. Der Umgang mit solchen Fundstücken ist klar geregelt.
05.05.2021 | Stand: 07:43 Uhr

Im Raum Dietmannsried hat ein Hobbysucher mit einem Metalldetektor eine alte, römische Münze aufgespürt. Die erodierte, an den Rändern ausgefranste Metallscheibe könnte den Kopf von Kaiser Diokletian zeigen, wie ein erster Vergleich mit einem Münzbuch ergab. Er regierte von 284 bis 305 nach Christus, sodass die Münze vermutlich aus dem dritten Jahrhundert stammt.

Dieser Fund erfreut jedoch nicht jeden. Der Finder, der nicht mit Namen genannt werden möchte, will vermeiden, dass der Fundort allzu bekannt wird. Er fürchtet Nachahmer, die dann anfangen, an der gleichen Stelle zu suchen. „Ich habe schon erlebt, dass am nächsten Tag eine Menge ,Sondler’ (Sucher mit Metallsonden) ohne Genehmigung auf dem Feld stehen“, sagt er. Auch den Besitzern von Grundstücken würde so ein Ansturm schwerlich gefallen.

Dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege machen die Sondengeher ganz andere Sorgen: „Sie verhindern, dass die im Erdreich enthaltenen Informationen wissenschaftlich erfasst und untersucht werden können“, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung. Doch nur, wenn die Zusammenhänge der Funde exakt dokumentiert würden, seien neue Erkenntnisse möglich. Aus dem Zusammenhang gerissene archäologische Funde seien wissenschaftlich weitgehend wertlos.

Münzfund bei Dietmannsried
Münzfund bei Dietmannsried
Bild: Harald Holstein

Es gibt klare gesetzliche Vorgaben, an die sich laut Landesamt allerdings nur ein Prozent der Sondengänger halten würde: Das Graben auf bekannten Bodendenkmälern bedarf demnach unbedingt einer Erlaubnis. Jeder Fund, auch bei Garten- oder Bauarbeiten, muss gemeldet werden. Am besten direkt beim Bayrischen Landesamt für Denkmalpflege in München oder einer Unteren Denkmalschutzbehörde. Im Internet ist dazu ein Meldeformular abrufbar. Bei illegalen Raubgrabungen sind hohe dreistellige bis mittlere vierstellige Geldstrafen angesetzt. Nicht genehmigte Abbrüche von Baudenkmälern können sogar mit Geldstrafen bis zu 250.000 Euro geahndet werden.

Manchmal schlummern im Erdreich auch ganz andere Sachen wie etwa die Reste eines Menschenaffen ("Udo").

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In Bayern gilt bei den Eigentumsrechten eines Fundes im Unterschied zu allen anderen 15 Bundesländern bisher ein Sonderweg. Hier gehören die pro Jahr 300 bis 400 offiziell gemeldeten Funde nicht automatisch dem Staat, sondern je zur Hälfte dem Finder und dem Grundstückseigentümer. Das bedeutet allerdings, dass der Finder den Grundeigentümer über den Fund informieren muss – sonsten könnte der Tatbestand der Unterschlagung erfüllt sein. Zudem benötigen Sondengänger immer das Einverständnis der Grundstückseigentümer, bevor sie dessen Gelände mit einem Metalldetektor absuchen. Das scheint jedoch nicht bei allen selbstverständlich zu sein.

Fund in 1,5 Metern Tiefe

Der eingangs genannte erfolgreiche Finder aus dem Allgäu jedenfalls sucht guten Kontakt zu den Grundeigentümern, damit er sein Hobby entspannt und friedlich ausüben kann. So erlaubte ihm ein Grundbesitzer, in einem Neubaugebiet eine Baugrube vor dem Setzen der Bodenplatte zu sondieren. Und dort wurde der Mann in 1,5 Metern Tiefe tatsächlich fündig. Nach Meldung der Münze kann sie im Bayerischen Denkmalatlas inventarisiert werden und Hinweise auf noch unbekannte Bodendenkmäler geben.

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Die Leiterin der städtischen Archäologie Kempten, Dr. Maike Sieler, wünscht sich eine engere Zusammenarbeit mit Hobbysuchern. „Unser Bestreben ist, alle an Archäologie interessierten Sucher zu ehrenamtlichen Helfern zu ernennen. Man könnte ein Zertifikat erstellen, damit sie sich ausweisen können“, sagt sie. Mit einer Qualifizierung in Form von Ausbildungskursen könnten sich gesetzeskonforme Sondengänger besser gegenüber den „Schwarzen Schafen“ abgrenzen, sagt auch das Landesamt für Denkmalpflege. Doch noch fehlen in Bayern gesetzliche Voraussetzungen für einen geregelten privaten Einsatz von Metallsonden. Dennoch sind durch Denkmalschutzgesetz und Eigentümerrechte klare Linien gezogen. Maike Sieler empfiehlt in jedem Fall: „Man muss sich vorher gut informieren, bevor man sich an die Suche macht!“

Funde melden

  • Funde kann man melden beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege: Hofgraben 4, 80539 München, Telefon: 089/2114-0, E-Mail: poststelle@blfd.bayern.de
  • Kontakt zur Außenstelle für Bodendenkmäler Thierhaupten: Klosterberg 8, 86672 Thierhaupten, Telefon: 08271/8157-0, E-Mail: DST_Thierhaupten@blfd.bayern.de
  • Zum Meldeformular für Funde im Internet