Er forscht zum 5G-Standard

Wie ein äthiopischer Ingenieur das Allgäu erlebt

Doktorand aus Äthiopien

Der 47-jährige Tewelgn Kebede in seiner äthiopischen Tracht, die Reinheit symbolisiert und Kirchgängen und hohen Festen vorbehalten ist.

Bild: Martina Diemand

Der 47-jährige Tewelgn Kebede in seiner äthiopischen Tracht, die Reinheit symbolisiert und Kirchgängen und hohen Festen vorbehalten ist.

Bild: Martina Diemand

Tewelgn Kebede schreibt eine Doktorarbeit über den neuesten Mobilfunk-Standard. An der Hochschule Kempten hat er geforscht - und das Allgäu erlebt.
02.09.2021 | Stand: 10:07 Uhr

Tewelgn Kebede kennt sich aus mit Mobilfunk. Er ist studierter Telekommunikationsingenieur und hat als Dozent an der Universität von Hawassa in Äthiopien gelehrt. Nun schreibt er eine Doktorarbeit über den neuesten Mobilfunk-Standard 5G und hat dazu an der Hochschule Kempten geforscht.

Effiziente Technik und Energie einsparen

Die Technik effizienter zu machen und gleichzeitig Energie einzusparen, war nicht die einzige Herausforderung, der er sich stellen musste. „Anfangs war ich wirklich frustriert“, sagt er. „Die sozialen Unterschiede und sogar das Essen haben mich gestresst.“ Nachdem sein Aufenthalt nun beendet ist, sei er aber voller Dankbarkeit.

Kebede ist ein groß gewachsener Mann, der zum Pressetermin sein Festtags-Gewand angelegt hat. Das ist bei äthiopisch-orthodoxen Christen ganz in Weiß gehalten. „In der Kirche muss man sauber sein“, erklärt er. Seinem Betreuer Professor Dr. Dr. Johannes Steinbrunn habe er viel zu verdanken, sagt er. Steinbrunn habe ihn nicht nur fachlich, sondern auch im Alltag sehr unterstützt: „Ich bin oft zu ihm zum Essen gegangen, da er wusste, was ich mag“, erzählt er und lächelt. Lasagne zum Beispiel. Er habe vorher noch nie gekocht, sagt Kebede. In Äthiopien seien dafür die Frauen zuständig.

Kulinarisches Neuland im Allgäu

Das Essen in seiner Heimat ist sehr scharf. „Ingera“ zum Beispiel sei ein typisches Gericht, erzählt er. Ein mit Fleisch und Gemüse belegter Teigfladen, von dem sich die Essenden Stück um Stück mit den Händen abreißen. Der werde zur Feier seiner Rückkehr aus dem Allgäu aufgetischt, im Kreise seiner Frau, seiner drei Töchter und vieler weiterer Verwandter.

In Äthiopien umarmten sich die Menschen viel häufiger als im Allgäu: „Das soziale Miteinander ist sehr stark.“ Zwar habe er die europäischen Gepflogenheiten aus Filmen gekannt. Aber in der Praxis sei das dann doch etwas anderes. Beim Bier schmecke er allerdings keinen Unterschied. In Äthiopien gebe es viele Brauereien. Etwas Besonderes sei der Viehscheid gewesen: „So etwas habe ich noch nie gesehen.“

Corona durchkreuzt Kebedes Pläne

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Kebede erhielt ein Stipendium über ein Doktoranden-Programm der Addis-Ababa-Universität in Äthiopien und der Hochschule Kempten. „Normalerweise findet der Austausch zwischen Universitäten statt“, sagt Steinbrunn. Dass hier eine Hochschule ins Spiel kam, sei etwas Besonderes. Eigentlich sollte Kebede während seiner Doktoranden-Zeit halbjährlich zwischen Äthiopien und Kempten wechseln. Doch dann kam Corona.

Nach einem ersten Aufenthalt 2018 kehrte er erst dieses Jahr im März zurück. Seinen Doktortitel hat er im Frühjahr in der Tasche – nach drei statt wie üblich vier Jahren. Der 47-Jährige berichtet stolz, dass er bereits fünf wissenschaftliche Veröffentlichungen auf den Weg gebracht habe. Zudem tritt er bei einer Konferenz in Dubai als Redner auf.

Für Kebede war es ein weiter Weg – im wahrsten Sinne des Wortes. Aus seinem Heimatdorf Echege Gelila ist er als Kind etwa 20 Kilometer zur Schule gerannt: „Meine Familie war dort die erste, die moderne Bildung genießen konnte.“

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