Kempten

„Ich bin der Ratgeber für die Jungen“

Fußball-Landesliga Ex-Profi Thomas Rathgeber ist zum FC Kempten zurückgekommen. Er nimmt die Rolle als Leitfigur an. Am Freitag Allgäuer Derby beim 1. FC Sonthofen
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Von Jürgen Lutz
30.10.2019 | Stand: 17:06 Uhr

Er war der Königstransfer in der Fußball-Landesliga. Thomas Rathgeber (34) kehrte nach knapp 14 Jahren zum FC Kempten zurück. Mit seiner Person verknüpfte der Verein nach dem Abgang von vier Routiniers die Hoffnung, einen Akteur zu verpflichten, an dem sich die vielen jungen Spieler um Spielertrainer Matthias Jörg orientieren können. Rathgeber ist die Rolle des Führungsspielers nicht unbekannt. Bevor er beim SSV Ulm 1846 seine Profi-Karriere in der Regionalliga beendete, war er schon beim FC Schalke 04 II – ebenfalls Regionalliga – in ähnlicher Position am Ball, damals unter anderem mit Schalke-Legende Gerald Asamoah.

Der FC Kempten spielt trotz des Aderlasses der vier Stammspieler nach der vergangenen Saison eine überraschend gute Rolle und steht nach der Vorrunde in der oberen Tabellenhälfte (7. Platz/26 Punkte). Zum Auftakt der Rückrunde ist der FCK am morgigen Freitag ab 15.30 Uhr im Allgäuer Derby zu Gast beim Bayernliga-Absteiger 1. FC Sonthofen (2./37). Dort hat der FCK nach dem 3:4 zum Saisonauftakt wohl noch was gutzumachen.

Sie hatten vor der Saison ihre Entscheidung, zu welchem Verein Sie wechseln, lange hinausgeschoben. Im Gespräch war auch der Regionalligist FC Memmingen, wo Uwe Wegmann Trainer ist. Dieser vermittelte Ihnen den ersten Profi-Verein, den VfL Bochum. Haben Sie es mittlerweile bereut, nicht noch mal unter ihm zu trainieren und Regionalliga zu spielen?

Thomas Rathgeber:Nein. Das habe ich nicht bereut. Es war eine ganz bewusste Entscheidung. Ich bin nach langem Überlegen zur Erkenntnis gekommen, dass der FCK mit Arbeit und Familie am besten vereinbar ist. Sicher wäre es bei Uwe noch mal schön gewesen. Aber der Aufwand wäre zu hoch gewesen.

Was ist der Unterschied von der Regionalliga zu Landesliga?

Rathgeber:Umfeld, Stadien und Spielniveau unterscheiden sich schon. Es ist zwei Spielklassen niedriger. Aber auch in der Landesliga gibt es gute Spieler. Ich muss in jeder Begegnung zu 100 Prozent mit dem Kopf dabei sein. Meine Spielweise hat sich im Alter natürlich geändert. Die Spritzigkeit und Schnelligkeit ist nicht mehr so vorhanden. Jetzt geht es mehr mit Erfahrung und Technik.

Sie stehen aktuell bei fünf Treffern. Sind Sie mit Ihrer Torausbeute in dieser Saison zufrieden?

Rathgeber:Das ist ordentlich. Ab Mitte der Vorrunde bin ich dann von ganz vorne auf die Sechser-Position gewechselt. Das war die Phase, wo es bei uns nicht ganz so gelaufen ist. Wir haben zu viele Gegentore bekommen. Zur Zeit stehen wir deutlich stabiler. Tore schießen ist nicht mehr meine Hauptaufgabe.

Erfüllen Sie die Rolle des Führungsspielers für die Jungen in der Mannschaft zu Ihrer eigenen Zufriedenheit?

Rathgeber:Ich stehe den Jungen sozusagen als Ratgeber zur Verfügung und bringe meine Erfahrung ein. Ich muss eine gewisse Balance finden zwischen dem, was ich will, und dem, was ich vermitteln will. Ich kenne diese Rolle aus Ulm und von Schalke. Die Jungen nehmen mich an und wir haben uns im Verlauf der Vorrunde verbessert.

Hätte der FC Kempten zum Auftakt gegen Sonthofen und nun zuletzt gegen Ehekirchen nicht verloren, wäre er mittendrin im Kampf um den Relegationsplatz zwei. Wäre denn die Mannschaft überhaupt reif, die Bayernliga in Angriff zu nehmen?

Rathgeber:Ich sehe eine Entwicklung und Stabilisierung. Aber die Mannschaft ist noch sehr jung. Wir haben teilweise mit zwei A-Junioren gespielt. Die haben das gut gemacht. Aber es gibt noch Schwankungen. Vom Aufstieg haben wir nicht geredet. Für die Bayernliga wäre das Team noch nicht konstant genug.

Was wollen Sie im Derby holen?

Rathgeber:Von drei Punkten zu sprechen, wäre ziemlich offensiv. Wir wollen uns gut präsentieren und top motiviert herangehen. Sonthofen ist nicht so weit weg. Da ist was drin. Derbys sind etwas Besonderes. Dafür spielt man Fußball.

Wird dies die letzte Saison in Ihrer Karriere sein?

Rathgeber:Das werde ich spontan nach der Saison entscheiden. So lange es Spaß macht und ich ein Stück weit noch gebraucht werde, kann ich mir vorstellen, weiter zu spielen.

Sie haben in Ihrer Zeit als Profi viele Erfahrungen gemacht. Welche waren im Nachhinein die Schönsten?

Rathgeber:Die Pokalspiele. Bei den Offenbacher Kickers haben wir mal Borussia Dortmund besiegt und sind bis ins Viertelfinale gekommen.