Corona

Impfzentrum Kempten: Am Sonntag geht es los - und so soll alles ablaufen

Links: Das Stabsgebäude der Ari-Kaserne wurde in Rekordzeit instandgesetzt. Rechts: Norbert Englisch (von links), Ortsbeauftragter des THW Kempten, Alexander Schwägerl, Kreisgeschäftsführer des BRK, Michael Fackler, Leiter des Katastrophenschutzamts und Oberbürgermeister Thomas Kiechle beim Rundgang.

Links: Das Stabsgebäude der Ari-Kaserne wurde in Rekordzeit instandgesetzt. Rechts: Norbert Englisch (von links), Ortsbeauftragter des THW Kempten, Alexander Schwägerl, Kreisgeschäftsführer des BRK, Michael Fackler, Leiter des Katastrophenschutzamts und Oberbürgermeister Thomas Kiechle beim Rundgang.

Bild: Ralf Lienert

Links: Das Stabsgebäude der Ari-Kaserne wurde in Rekordzeit instandgesetzt. Rechts: Norbert Englisch (von links), Ortsbeauftragter des THW Kempten, Alexander Schwägerl, Kreisgeschäftsführer des BRK, Michael Fackler, Leiter des Katastrophenschutzamts und Oberbürgermeister Thomas Kiechle beim Rundgang.

Bild: Ralf Lienert

Zunächst ist das Personal aus Gesundheitsberufen an der Reihe. Mobile Teams schwärmen in Pflegeeinrichtungen aus. OB Kiechle: „Ich vertraue diesem Impfstoff.“
29.12.2020 | Stand: 10:42 Uhr

Ein paar Stufen führen durch eine Tür in einen langen Flur. Es riecht nach der frischen Farbe, mit der die Maler der Kemptener Innung in den vergangenen Tagen die Wände gestrichen haben. Das Impfzentrum in der Artillerie-Kaserne betriebsbereit, die ersten Dosen werden am Sonntag verabreicht. Zuerst sind Bewohner und Personal der Pflegeeinrichtungen an der Reihe.

„Die Ari-Kaserne ist aus ihrem Dornröschen-Schlaf erwacht“, sagte Oberbürgermeister Thomas Kiechle am Dienstag bei einem Rundgang durch die Räume. Das Amt für Brand- und Katastrophenschutz hat das Gebäude an der Ecke Berliner Platz in Zusammenarbeit mit dem Technischen Hilfswerk (THW) instandgesetzt (wir berichteten). Etwa ein Monat sei dafür Zeit gewesen, sagte Amtsleiter Michael Fackler. Kiechle zeigte sich zuversichtlich: „Das ist der Beginn einer Kehrtwende bei der Bekämpfung der Pandemie.“

Impfungen in Kempten starten: Erste Lieferung mit 975 Impfdosen

975 Dosen des Impfstoffes von Biontech/Pfizer stünden zunächst für die Zentren in Kempten und Immenstadt zur Verfügung, sagte Fackler. Dabei handele es sich um einen mRNA-Impfstoff. Nikolaus Felder, einer der drei Ärzte, die die Impfungen in der Ari-Kaserne betreuen, erklärte, wie dieser funktioniert: Der Impfstoff enthalte einen Teil der Erbinformation des Virus. Dieser rege das Immunsystem an, Antikörper dagegen zu bilden.

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Den Betrieb des Impfzentrums wird der Kreisverband Kempten-Oberallgäu des Bayerischen Roten Kreuzes übernehmen. Die Stadt habe vorab bei den Pflegeeinrichtungen abgefragt, welche Bewohner und welche Pflegekräfte geimpft werden möchten, erklärte Alexander Schwägerl, Geschäftsführer des Kreisverbandes. Bis Mittwoch rechnet er mit den Rückmeldungen. Das Pflegepersonal werde in der Ari-Kaserne geimpft, die Bewohner von einem mobilen Team vor Ort in der Einrichtung. Drei dieser Teams, zu denen jeweils ein Arzt gehört, werden unterwegs sein.

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Alles bereit: So sieht es im Kemptener Impfzentrum aus

Für Bewohner, die einen rechtlichen Betreuer haben, müssen die Einrichtungen Einverständniserklärungen vorlegen. Damit das zum Start des Impfzentrums nicht zu Verzögerungen führt, seien extra Einrichtungen mit wenigen betreuten Bewohnern ausgewählt worden, sagte Schwägerl. Denn der Impfstoff sei nur eine begrenzte Zeit verwendbar. Um zu verhindern, dass ein Teil verfällt, würden ohnehin mehr Personen eingeplant, als Dosen zur Verfügung stehen, erklärte Stadtdirektor Wolfgang Klaus. Bei Bedarf könne dann jemand vorgezogen werden.

Schriftliche Benachrichtigung

Vier bis fünf Wochen werde der Einsatz in den Einrichtungen dauern, schätzt Fackler. Anschließend seien die Über-80-Jährigen aus der Bevölkerung an der Reihe. Nach jetzigem Stand werde jeder darüber schriftlich informiert. Im Idealfall dauere der Besuch im Impfzentrum etwa 45 Minuten, sagte Felder. Das könne von Person zu Person aber variieren. Und natürlich sei es auch möglich, unverrichteter Dinge wieder zu gehen, betonte der Arzt. Wer im Vorfeld unsicher sei, ob er die Impfung bekommen kann, solle sich an seinen Hausarzt wenden. Grundsätzlich sprächen aber nur Krankheitssymptome wie Schnupfen oder Fieber dagegen. Noch geklärt werden müsse, ob Schwangere geimpft werden dürfen.

Auf mögliche Impfschäden angesprochen, sagt Felder, dass er dass für sehr unwahrscheinlich halte. Bei der Frage der Haftung müsste dann zunächst definiert werden, was ein Impfschaden ist und geklärt werden, wie er zustande kam. „Wenn wir handwerklich etwas falsch machen, sind natürlich wir verantwortlich“, sagte er. Aber auch der Hersteller habe sicher eine Haftungsverpflichtung. Nichtsdestotrotz ist das Impfzentrum mit einem Notfallraum ausgestattet.

In der Hoffnung, dass möglichst viele Menschen die Ari-Kaserne besuchen werden, sagte Kiechle: „Ich vertraue diesem Impfstoff und werde mich, wenn ich an der Reihe bin, impfen lassen.“

Die Abläufe im Impfzentrum Kempten

Datenerfassung Bei einem ersten Check am Eingang werden die Vitalwerte gemessen: Puls, Blutdruck, Körpertemperatur. Jeder Besucher erhält einen Laufzettel mit einer Nummer. In einem der Anmeldezimmer werden die Daten dann digital erfasst.

Impfung Bis der Arzt zum Aufklärungsgespräch bittet, warten die Besucher in einem extra Raum. Das Gespräch dauert etwa fünf Minuten – bei Bedarf auch länger. In einem von drei Impfräumen verabreicht ein Medizinischer Fachangestellter (MFA) die Impfspritze.

Beobachtung Anschließend müssen die Besucher noch eine halbe Stunde zur Beobachtung vor Ort bleiben. Dafür wurde ein Ruhebereich eingerichtet.

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