Hobbykunst

Karl Stadler aus Kempten: Ein rühriger Maler, der aber nie ausstellt

Ein rühriger Hobbykünstler: Karl Stadler.

Ein rühriger Hobbykünstler: Karl Stadler.

Bild: Harald Holstein

Ein rühriger Hobbykünstler: Karl Stadler.

Bild: Harald Holstein

Karl Stadler hat Zeit seines Lebens künstlerisch gearbeitet. Doch der Heiligkreuzer ist zu bescheiden, um an die Öffentlichkeit zu gehen.
26.03.2021 | Stand: 18:35 Uhr

„Mein Vater ist sehr bescheiden und immer zurückhaltend. Er will sich nie in den Vordergrund drängen“, sagt Tochter Margit Stadler über ihren Vater Karl. Und doch liegt ihr am Herzen, dass seine Malerei und sein Fleiß zu seinem runden Geburtstag Beachtung finden, denn bisher hat er seine Bilder noch nie ausgestellt. Karl Stadler, ehemaliger Betriebsmaler der Kemptener Maschinenfabrik, feiert nun seinen 90.Geburtstag. Er hat in seiner Freizeit ein umfangreiches Werk an Landschafts- und Tierbildern geschaffen, die in allen Ecken seines Hauses in Heiligkreuz zu finden sind.

Gemalt habe ihr Vater schon immer, erzählt Tochter Margit Stadler. Seine Arbeit an den farbenfrohen und wirklichkeitsnahen Landschaften habe in den letzten Jahren und auch nach einer Augenoperation sogar noch zugenommen. Auch dieser Tage ist der rüstige, kräftige Mann in seiner blauen, mit Farbe bekleckerten Malerschürze anzutreffen. In den Ecken fast jedes Raumes stehen kleine, einfarbig grundierte Schachteln für Stifte und Briefhalter sowie Kinderbettchen aus Holz in Modellgröße, die bald bunt bemalt sein werden. An den Wänden hängen kleinformatige Ansichten von Allgäuer Bergen und Seen.

Auch den Modellbau mit Holz betreibt Karl Stadler leidenschaftlich

Karl Stadler kann nicht nur mit Öl- und Aquarellfarben umgehen. Auch der Modellbau mit Holz liegt ihm im Blut, und das bereits in der zweiten Generation. Denn sein aus Niederbayern stammender Vater, der auch Karl hieß und von Beruf Wagnermeister war, hat das Schloss Neuschwanstein 1939 in Holz nachgebaut. Ende der 1970er Jahre machte sich der Sohn ans Werk und rekonstruierte in mühevoller Kleinarbeit Ludwigs Märchenschloss maßstabgetreu – ohne Verwendung von Nägeln und nur geleimt.

14 Jahre lang arbeitete Karl Stadler daran, meist im Urlaub und im Winter. Heute ist es auf Dachboden und in Fluren gelagert. Für ein Foto vor einem Teil seines Holzmodells war er nicht zu haben, was wiederum für seine grundsätzliche Bescheidenheit spricht. Er fände es schöner, wenn das Schloss in seiner ganzen Größe und in einem Stück zu sehen sei, sagt er. Auch von der Wallfahrtskirche in Heiligkreuz hat der fleißige Allgäuer ein Modell angefertigt; es ist in der Kirche zu bestaunen.

Ob ihr Vater bei diesen zeitaufwendigen Hobbys überhaupt noch Zeit für seine Töchter Margit und Gabi gehabt habe? „Ja, auf jeden Fall!“, antwortet Margit, die Jüngere. „Wir haben viel von seiner Kreativität profitiert. Er hat uns Puppenhäuser gebaut und sie mit Tapetenresten und echten Glasfenstern versehen.“

Zunächst war er Hirtenjunge

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Geboren wurde Karl Stadler am 27. November 1930 in Muthmannshofen. Dort ist er als drittes von vier Kindern auch aufgewachsen. Nach der Volksschule wurde er zunächst Hirtenjunge. Mit 16 Jahren begann Stadler eine Ausbildung zum Dekorationsmaler in Wengen und arbeitete nach seinem Abschluss 1949 als Betriebsmaler bei verschiedenen Firmen.

Später kam Karl Stadler auf die Idee, ein Fernstudium bei der „Famous Artists School“ in Connecticut zu machen. Für die damalige Zeit ein außergewöhnlicher Schritt. Arbeiten und Prüfungen wurden auf dem Postweg über den großen Teich verschickt. 1968 schloss er den Kurs in Werbegrafik, Illustration und Gestaltung ab. Seitdem hat er sich zu einem beachtlichen Landschaftsmaler entwickelt, der Bauernschränke, Schützenscheiben und jahrelang den Maibaum für Heiligkreuz gestaltete. Auch Auftragsarbeiten für Schilder, Wegkreuze, Milchkannen, Fensterläden und Gartenzwerge nahm er gerne an.

Inzwischen veredelt er Reste von Papprohren zu Stiftehaltern mit farbenprächtigen Landschaften. Mit diesem Upcycling, dem Aufwerten von Abfallprodukten, ist der 90-jährige Karl Stadler ganz auf der Höhe der Zeit.