1.000 Schulen für eine Welt

Kempten baut eine Schule in Äthiopien

In dem Äthiopischen Dorf Echege Gelila ist die nächstgelegene Schule sechs bis zehn Kilometer entfernt, dorthin müssen die Kinder barfuß laufen.

In dem Äthiopischen Dorf Echege Gelila ist die nächstgelegene Schule sechs bis zehn Kilometer entfernt, dorthin müssen die Kinder barfuß laufen.

Bild: Kay Nietfeld/dpa (Symbol)

In dem Äthiopischen Dorf Echege Gelila ist die nächstgelegene Schule sechs bis zehn Kilometer entfernt, dorthin müssen die Kinder barfuß laufen.

Bild: Kay Nietfeld/dpa (Symbol)

Weniger als die Hälfte der Kinder in dem afrikanischen Land haben die Möglichkeit, zum Unterricht zu gehen. Die Stadt Kempten will das in einem Dorf ändern.
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Von Manuela Müller
12.08.2021 | Stand: 15:42 Uhr

Die ländliche Gemeinde Echege Gelila in Äthiopien verfügt über keinerlei Infrastruktur. Es gibt in der nordwestlich der Hauptstadt Addis Abeba gelegen Region weder eine Schule noch ein Krankenhaus. Strom? Fehlanzeige. 80 Prozent der unter 30-Jährigen kann weder lesen noch schreiben. Von den Älteren sogar fast niemand. Um die Situation in dem afrikanischen Ort zu verbessern, beteiligt sich die Stadt Kempten an einem Schulbau.

Professor Johannes Steinbrunn und Doktorand Tewelgn Kebede, gebürtiger Äthiopier, schilderten das Leben der afrikanischen Dorfbewohner jüngst bei einem Termin im Kemptener Rathaus. Die Stadt wird die Grundschule in Echege Gelila als Gemeinschaftsprojekt mit den städtischen Tochtergesellschaften bauen.

"1000 Schulen für eine Welt": Kempten beteiligt sich an dem Projekt von Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller

Auch Privatpersonen haben bereits angekündigt, das Vorhaben zu unterstützen. Das Projekt ist Teil der Kampagne „1000 Schulen für eine Welt“, für die Bundesentwicklungsminister Gerd Müller in seiner Allgäuer Heimat geworben hatte.

Doktorand Tewelgn Kebede, gebürtiger Äthiopier.
Doktorand Tewelgn Kebede, gebürtiger Äthiopier.
Bild: Matthias Becker

Die geplante Ausstattung kostet einer aktuellen Schätzung zufolge 95. 000 Euro, sagte Steinbrunn. Den Bauplatz stelle der äthiopische Staat kostenlos zur Verfügung. Die Kinder und Jugendlichen von vier bis 15 Jahren sollen in zwei Schichten betreut und unterrichtet werden – 270 vormittags und weitere 270 nachmittags. Dafür sind sechs Klassenzimmer, zwei Büros, eine Bücherei, eine Küche mit Essraum und ein Sanitätsraum vorgesehen.

Der Allgäuer Prof. Johannes Steinbrunn ist selbst vor Ort

Eine autonome Trinkwasser- sowie Stromversorgung soll es ebenfalls geben – was in der Region nicht selbstverständlich ist. Zusätzlich könnte die Schule nach Ansicht von Steinbrunn auch als kulturelles Zentrum für das Dorf fungieren. Der Ingenieur und Elektrotechniker, der bereits beim Bau der Hochschule Kempten sowie der Universität Hawassa in Äthiopien mitwirkte und lehrte, wird das Projekt selbst begleiten.

Prof. Dr. Johannes Steinbrunn
Prof. Dr. Johannes Steinbrunn
Bild: Matthias Becker

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Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle gab am vergangenen Montag bei der Auftaktveranstaltung für den Bau die Zusage der Stadt: „Gemeinsam pack’ ma des.“ Damit kann nun die Planung im Detail beginnen. „Wir tragen Verantwortung für unsere eine Welt, daher müssen wir diese Verantwortung auch in unserem Handeln zeigen“, sagte Kiechle. (Lesen Sie auch: 2020 - so viele Flüchtlinge gab es noch nie)

Auch Allgäuer Bürger sollen sich bei der Finanzierung der Schule in Äthiopien beteiligen können

Der Bau sei schließlich auch als Bürgerprojekt gedacht. Geplant seien zum Beispiel Spendenläufe, bei denen Kemptenerinnen und Kemptener eine Patenschaft übernehmen können. Termine hierfür stehen allerdings noch nicht fest.

Gerd Müller, der eine Videobotschaft nach Kempten schickte, sieht die Grundschule in Echege Gelila als große Möglichkeit: „Neun von zehn Kindern leben in Entwicklungsländern. 20 bis 30 Prozent dieser Kinder haben keine Chance, in die Schule zu gehen.“ Nach Angaben von Steinbrunn zählt Äthiopien weltweit zu den Ländern mit der geringsten Zahl an Anmeldungen für Schulen. „Häufig müssen die Kinder zuhause arbeiten oder haben einen mühsamen Schulweg“, sagte er. In Echege Gelila sei die nächstgelegene Schule sechs bis zehn Kilometer entfernt, dorthin müssen die Kinder barfuß laufen. (Lesen Sie auch: 350.000 Menschen in Äthiopien laut UN akut vom Hungertod bedroht)

Professor Steinbrunn ist überzeugt: „Wenn ein Kemptener nach dem Bau der Schule nach Echege Gelila reisen sollte, werden die Kinder dort jubeln.“ Er zitierte ein äthiopisches Sprichwort: „Viele kleine Tropfen füllen auch den Ozean.“

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