Nachruf

Kemptener Arzt mit einem großen Herzen für soziale Projekte

Prof. Dr. Tilman Mischkowsky (rechts) gab sein Wissen weiter an junge Mediziner. Das war ihm auch bei einem Projekt in Nepal im Jahr 2005 wichtig.

Prof. Dr. Tilman Mischkowsky (rechts) gab sein Wissen weiter an junge Mediziner. Das war ihm auch bei einem Projekt in Nepal im Jahr 2005 wichtig.

Bild: Archiv

Prof. Dr. Tilman Mischkowsky (rechts) gab sein Wissen weiter an junge Mediziner. Das war ihm auch bei einem Projekt in Nepal im Jahr 2005 wichtig.

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Prof. Dr. Tilman Mischkowsky war Chefarzt der Unfallchirurgie in Kempten. Im Alter von 79 Jahren ist er gestorben. Er half in Nepal und rettete Flüchtlinge.
20.04.2021 | Stand: 11:30 Uhr

Wenn er ein Projekt begonnen hat, blieb er hartnäckig und konsequent dabei, dieses auch bis zum Ende umzusetzen. Sein jüngstes Vorhaben jedoch, die Entwicklung eines Beatmungsgeräts als Hilfe für Corona-Kranke in Entwicklungsländern, konnte der Mediziner Prof. Dr. Tilman Mischkowsky nicht mehr vollenden: Er starb im Alter von 79 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit.

Es waren viele soziale Vorhaben, die der langjährige Chefarzt der Unfallchirurgie am Kemptener Klinikum bereits während seiner beruflichen Tätigkeit (1984 bis 2006) in die Tat umsetzte. Als Arzt war dem gebürtigen Hamburger wichtig, dem „ganzen Menschen treu zu bleiben“, wie er seine Tätigkeit beschrieb. Ein Berufsbild, das Mediziner als Gesundheitsingenieur und Sanitätskaufmann definierte, stieß bei Mischkowsky auf Kritik.

Engagiert in der Fortbildung und in der Entwicklungshilfe

Und daraus machte er keinen Hehl. Dazu bekannte sich der Professor, wie er gerne tituliert werden wollte, ebenso unmissverständlich wie zu seinen Projekten, die er mit der ihm eigenen Beharrlichkeit verfolgte. Die Weiterbildung von Chirurgen als Vizepräsident des Berufsverbands der Deutschen Chirurgen zählte ebenso dazu wie sein soziales Engagement.

Bereits während seiner beruflichen Tätigkeit behandelte der Unfallchirurg mit Unterstützung des Rotaryclubs, dessen Mitglied er war, kriegsverletzte Kinder in Kempten. 2002 operierte er in einem winzigen Krankenhaus in Nepal, bildete dort nepalesische Chirurgen weiter. In zahlreichen, nicht ungefährlichen Einsätzen in Kriegsgebieten leistete der Arzt Dienst am Menschen. Als Gründungsmitglied und Vorstand von „The Poetry“ kümmerte er sich auch um die Integration von jungen unbegleiteten Geflüchteten.

Im Einsatz vor der libyschen Küste

Denn wenn ein Projekt Mischkowsky, der in Köln und Heidelberg Medizin studiert hat und vor seiner Tätigkeit in Kempten leitender Oberarzt in der Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg war, beeindruckte, wurde er auch aktiv. So zum Beispiel vor sechs Jahren, als er sich bei der Organisation „Sea Eye“ für die Seenotrettung von Flüchtlingen engagierte. Mischkowsky gehörte nicht nur dem Vorstand an. Der passionierte Segler war vor der libyschen Küste selbst im Einsatz und kaufte ein Rettungsboot. Die Rettung von über 15.000 Menschen hat er mitverantwortet.

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Als ein Mann, sozial engagiert, aber auch mit Ecken und Kanten, wird Tilman Mischkowsky so nicht nur seiner langjährigen Lebensgefährtin und seiner Familie (Ehefrau und zwei Kinder) in Erinnerung bleiben.