US-Wahl

Kemptener Experte: „Richter werden Trump nicht aus der Patsche helfen“

Donald Trump bei seiner Rede am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit): Begleitet von Vizepräsident Mike Pence und First Lady Melania Trump kündigte er an, vor das Oberste US-Gericht zu ziehen, um eine weitere Auszählung der Stimmen zu stoppen.

Donald Trump bei seiner Rede am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit): Begleitet von Vizepräsident Mike Pence und First Lady Melania Trump kündigte er an, vor das Oberste US-Gericht zu ziehen, um eine weitere Auszählung der Stimmen zu stoppen.

Bild: Evan Vucci/AP/dpa

Donald Trump bei seiner Rede am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit): Begleitet von Vizepräsident Mike Pence und First Lady Melania Trump kündigte er an, vor das Oberste US-Gericht zu ziehen, um eine weitere Auszählung der Stimmen zu stoppen.

Bild: Evan Vucci/AP/dpa

Ingmar Niemann ist Dozent an der Kemptener Hochschule. Er analysierte bei einem Vortrag im Haus International das Kopf-an-Kopf-Rennen der Kandidaten.
Donald Trump bei seiner Rede am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit): Begleitet von Vizepräsident Mike Pence und First Lady Melania Trump kündigte er an, vor das Oberste US-Gericht zu ziehen, um eine weitere Auszählung der Stimmen zu stoppen.
Von Harald Holstein
05.11.2020 | Stand: 17:22 Uhr

Die beiden Kandidaten Joe Biden und Donald Trump liefern sich noch immer ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Präsidentschaft in den USA. Deshalb sprechen die Amerikaner von einer „Nail-Biting-Election“, von einer Wahl zum Nägelkauen. Ein eindeutiger Erdrutschsieg für die Demokraten, eine „Blaue Welle“, die den Republikaner Trump aus dem Amt spült, habe nicht stattgefunden, konstatiert Ingmar Niemann nüchtern und etwas übernächtigt. Der Diplom-Volkswirt und Dozent an der Hochschule Kempten hat die Wahl in der Nacht genau verfolgt. Im Haus International trug er am Mittwochabend vor 36 Besuchern einige Hintergrundinformationen und Analysen vor.

Niemann hält das bisherige Wahlergebnis des amtierenden Präsidenten für einen großen Erfolg. Trump habe die Zustimmung während der vergangenen Monate sehr gut steigern können. Zudem hätten ihm viele Latinos und Exil-Kubaner im so wichtigen Staat Florida ihre Stimme gegeben. Biden hingegen punkte bei den Frauen in den Vorstädten und sei ein authentischer Kandidat für Arbeiter, da der 77-Jährige aus einfachen Verhältnissen stamme.

Biden kämpferischer als erwartet

Auch sei „Sleepy Joe“, wie ihn Trump gerne bezeichnet, nicht verschlafen, sondern kämpferischer als erwartet aufgetreten. Die Überalterung bei den Demokraten mache jedoch dringend eine Reform notwendig. Falls Biden die Wahl gewinne, hält es Niemann für möglich, dass er nur zwei Jahre Präsident sein und aus Altersgründen zurücktreten könnte. Dann würde Vizepräsidentin Kamala Harris übernehmen. Die 56-Jährige gilt als Integrationsfigur, die das Land wieder vereinen könne.

In jedem Fall werde es Joe Biden nicht leicht haben, da – Stand heute – im Repräsentantenhaus die Demokraten und im Senat die Republikaner dominieren. „Da mache ich mir Sorgen, denn schon Obama war mit tollen Ideen gestartet, die er letztendlich nicht umsetzen konnte“, sagte Niemann. Was bleibt, wenn Trump geht? Vor allem die Neubesetzung des juristischen Systems habe über Jahrzehnte Auswirkungen, da die Bundesrichter auf Lebenszeit ernannt werden. Inzwischen sei die Hälfte konservativ eingestellt. „Das geht nicht spurlos vorbei.“

Sorge um Konflikt mit Russland

Seine große Sorge sei, dass der Konflikt mit Russland wieder aufflammt, sagte Niemann. „Leider gibt es in der demokratischen Partei einflussreiche Leute, die einen unendlichen Hass auf Russland haben.“ Er sei gespannt, was Trump macht, wenn er verliere. Gegen Auszählungen zu klagen, hält der Hochschul-Dozent nicht für erfolgversprechend. „Selbst seine republikanischen Richter werden ihm nicht aus der Patsche helfen.“