Stadt befragt Unternehmer

Kemptener Unternehmer zur Geschäftslage: „Alles ist aus dem Lot“

Sehr unterschiedlich werten Kemptener Unternehmer die Lage. Gerade der Krieg in der Ukraine macht Einschätzungen schwer.

Sehr unterschiedlich werten Kemptener Unternehmer die Lage. Gerade der Krieg in der Ukraine macht Einschätzungen schwer.

Bild: Martina Diemand (Symbolbild)

Sehr unterschiedlich werten Kemptener Unternehmer die Lage. Gerade der Krieg in der Ukraine macht Einschätzungen schwer.

Bild: Martina Diemand (Symbolbild)

Wie Kemptener Firmen ihre Geschäftslage einschätzen, hat die Stadt vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs abgefragt - jetzt sind die Stimmen weniger optimistisch.
17.03.2022 | Stand: 10:30 Uhr

Viele Unternehmer in Kempten erwarten eine positive Geschäftsentwicklung oder haben wieder das Niveau vor der Corona-Pandemie erreicht. Das sind Ergebnisse der jetzt veröffentlichten „Unternehmensbefragung 2021“ der Stadt Kempten. Die Befragung erfolgte im Dezember. Manche Erwartungslage könnte sich inzwischen durch die russische Invasion in der Ukraine wieder verändern. Die Redaktion fragte Unternehmer nach ihrer aktuellen Einschätzung.

„Alles ist aus dem Lot; wir schätzen die Lage täglich neu ein“, sagt etwa Michael Schuster, Geschäftsführer der Liebherr-Verzahntechnik GmbH. Liebherr stehe hinter den gegenüber Russland verhängten Sanktionen, heißt es bei der Firmengruppe. Das werde sich auf das Geschäft in Russland auswirken. Für konkrete Aussagen sei es zu früh. Liebherr hat in der Russischen Föderation über 30 regionale Niederlassungen und 1250 Beschäftigte.

Bei 3M Technical Ceramics blickt Produktionsleiter Albert Killich mit Anspannung und Sorge auf die nächsten Wochen. Das frühere Elektroschmelzwerk ist ein energieintensiver Betrieb, braucht Strom und Gas. Frage sei auch, wie sich die Märkte entwickeln. So könnte 3M, das unter anderem Körperschutzplatten herstellt, zwar von einem höheren Rüstungsetat profitieren. Anderseits spielte bisher auch der Automobilmarkt eine große Rolle.

Am Standort Kempten gefällt Killich die hohe Mitarbeiterbindung zur Region, weil es viele attraktiv fänden, hier zu leben. Nicht so gut sei allerdings der inzwischen enge Arbeitsmarkt, bei dem man schon schauen muss, Azubis zu gewinnen. (>>>Lesen Sie auch: Elektroschmelzwerk schreibt 100 Jahre Geschichte)

„Ein bisschen trübe“ bewertet die Situation aktuell auch Thomas Leger, Geschäftsführer des Mineralölhandels Gerhard Leger GmbH. Die Preissprünge für Energie lägen nicht in seinem Interesse: Die Firma könne nichts dafür, aber die Kunden seien sauer. Kempten als Wirtschaftsstandort schätzt Leger. Die Infrastruktur passe und die Staus hielten sich noch in Grenzen. Ein Problem sei der Wohnraum, den man brauche, damit etwa von auswärts angeworbene Lkw-Fahrer hier arbeiten können. Eine Forderung an die Stadt, hier mehr zu tun, leitet Leger daraus nicht ab.

39 von 144 kontaktierten Betrieben antworten der Stadt

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Kemptens Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung führt jährlich eine Unternehmensbefragung durch. Kontaktiert wurden im Dezember 144 Unternehmen. Dass nur 39 den Fragebogen beantworteten, lag nach Ansicht der Stadt mit an der Pandemie. Es ging um Themen wie Geschäftslage, Auswirkungen von Corona und den Wirtschaftsstandort.

Laut Mitteilung aus dem Rathaus zeigte sich eine vorwiegend optimistische Grundstimmung. So sahen 58 Prozent der antwortenden Unternehmen ihre Geschäfts- und Auftragslage auf gutem bis sehr gutem Niveau (2020: 53 Prozent). Aber 10,5 Prozent werten ihre Lage als schlecht. In den drei Jahren vor Corona lag dieser Wert bei ein bis 2,5 Prozent. Ein Drittel nennt die Situation befriedigend. 89 Prozent der Unternehmen planen heuer Investitionen, die Hälfte der Firmen auch Neueinstellungen.

Weitere Ergebnisse der Unternehmensbefragung 2021 in Kempten

  • Fachkräfte: Jeweils 22 Prozent werten die Verfügbarkeit von Arbeitskräften als gut oder befriedigend. Für 38 Prozent ist es äußerst problematisch, genug Fachkräfte zu finden.
  • Wohnungen: 85 Prozent nennen das Angebot schlecht bis sehr schlecht – und keiner sehr gut. 15 Prozent werten es als befriedigend bis gut. Dabei sei verfügbarer, bezahlbarer Wohnraum von essenzieller Bedeutung, um Fachkräfte zu gewinnen.
  • Verkehr: Die Erreichbarkeit Kemptens wird dank der A7 positiv bewertet. Verbesserungsbedürftig sei die Situation in Ursulasried/Leubas wegen häufiger Staus. Auch manche Ampelschaltungen in der Stadt bereiten zu bestimmten Zeiten Schwierigkeiten.
  • Gewerbeflächen: 56 Prozent schätzen das Angebot als negativ ein, drei Prozent als gut, der Rest befriedigend.
  • Wirtschaftsklima: 6 Prozent sprechen von einer sehr guten, 59 Prozent von einer guten und 28 Prozent von einer befriedigenden Situation. 6 Prozent werten das Wirtschaftsklima als schlecht oder sehr schlecht.

Eine detaillierte Auswertung der Unternehmensbefragung steht online unter: kempten.de/wirtschaft

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