Pilotprojekt "e-Hub" in Kempten

Kemptens erster Mobilpunkt öffnet an der Grabengasse

An der Grabengasse hat Kemptens erste „e-Hub“-Station geöffnet: Hier stehen zwei Elektro-Autos, die man sich ausleihen kann. Dafür brauchen Fahrer eine Karte, die Sarah Wycisk (rechts) in der Hand hält. Magdalena Kraft vom Autohaus Sirch steckt das Ladekabel an die Station an, um die Batterie des Renault aufzuladen.

An der Grabengasse hat Kemptens erste „e-Hub“-Station geöffnet: Hier stehen zwei Elektro-Autos, die man sich ausleihen kann. Dafür brauchen Fahrer eine Karte, die Sarah Wycisk (rechts) in der Hand hält. Magdalena Kraft vom Autohaus Sirch steckt das Ladekabel an die Station an, um die Batterie des Renault aufzuladen.

Bild: Matthias Becker

An der Grabengasse hat Kemptens erste „e-Hub“-Station geöffnet: Hier stehen zwei Elektro-Autos, die man sich ausleihen kann. Dafür brauchen Fahrer eine Karte, die Sarah Wycisk (rechts) in der Hand hält. Magdalena Kraft vom Autohaus Sirch steckt das Ladekabel an die Station an, um die Batterie des Renault aufzuladen.

Bild: Matthias Becker

An der Grabengasse hat Kemptens erste „e-Hub“-Station für Carsharing geöffnet. Fünf weitere Mobilpunkte für E-Bikes und E-Lastenräder sollen bis Mai folgen.
12.10.2020 | Stand: 16:38 Uhr

Die erste „e-Hub“-Station der Stadt ist eröffnet, die Nachfrage ist laut Anbieter groß: An der Grabengasse stellt das Autohaus Sirch ab sofort zwei Elektroautos auf den neuen Carsharing-Stellplätzen zum Ausleihen zur Verfügung. Diese sind Teil des EU-Pilotprojekts „e-Hub“, an dem Kempten als Pilotstadt neben sechs anderen europäischen Städten teilnimmt.

Durch das Projekt sollen der Anteil an geteilter und elektrischer Mobilität erhöht und damit der Verkehr in Städten umweltfreundlicher und effizienter gestaltet werden, erklärt Kemptens Verkehrsmanager Stefan Sommerfeld. Das übergeordnete Ziel von „e-Hub“ sei, die CO2-Emissionen in Kempten zu senken. Außerdem soll das Projekt „eine Antwort auf die Frage geben, wie die Verkehrswende gelingt“: Fördere man das Teilen von E-Autos, müssten immer weniger Menschen sich ein eigenes Fahrzeug kaufen (siehe unten) – was dazu führt, dass es immer weniger Autos gibt. So verringere man die Abhängigkeit von Besitz wie auch den Stellplatz-Druck – vor allem in Innenstädten. Die frei werdenden Flächen könnten wiederum für die Bürger genutzt werden. Durch die beiden Carsharing-Parkplätze an der Grabengasse fielen kurzfristig erst mal zwei weitere Stellflächen weg – was freilich schmerze. Langfristig gesehen profitierten aber die Menschen davon.

Ganz neu ist das Angebot nicht

Ganz neu ist das Thema Carsharing in Kempten aber nicht: Seit Jahren bietet eine Firma den "Stadtflitzer" an. Dieses Angebot „konnten wir im Rahmen von ,e-Hub‘ leider nicht berücksichtigen“, sagt Sommerfeld. Wer sich hingegen an der Grabengasse ein E-Auto ausleihen will, muss übrigens bis Ende Oktober keine Registrierungsgebühr bezahlen.

Und so funktioniert’s: Für das Carsharing müssen Interessierte sich im Autohaus Sirch oder im AÜW-Kundencenter am Rathausplatz einmalig registrieren. Dazu brauchen sie ihren Personalausweis und Führerschein. Danach bekommt man seine persönliche Chipkarte, mit der das E-Auto geöffnet und geschlossen wird. Buchen muss man einen der beiden Renault Zoe an der Grabengasse über die App Flinkster oder online.

Maximal 70 Euro am Tag

„Abgerechnet wird nur die gefahrene Zeit“, sagt Magdalena Kraft vom Autohaus Sirch. Und zwar 1,75 Euro für alle angefangenen 15 Minuten – macht sieben Euro pro Stunde. Maximal würden pro Tag 70 Euro berechnet, auch wenn man länger als zehn Stunden fährt. Stellt man am zweiten Tag beispielsweise nach vier Stunden das E-Auto wieder an der Grabengasse ab, würden weitere 28 Euro fällig.

Seine Buchung verlängern könne man über Flinkster, wenn kein anderer Kunde das Fahrzeug danach reserviert hat, erklärt Kraft. Sobald der Kunde das E-Auto zurückgebracht hat, muss er es an die Ladesäule anstecken. „Zwischen den Buchungen haben wir eine Karenzzeit von einer Stunde hinterlegt, damit immer genügend Zeit zum Laden ist.“ So garantiere man dem Kunden eine Batterie, die zu mindestens 80 Prozent geladen ist. Der Renault Zoe hat übrigens eine Reichweite von etwa 300 Kilometern.

E-Lastenräder für Transport und Freizeitfahrten

Neben der ersten Verleih-Station für Carsharing will Verkehrsmanager Sommerfeld bis 1. Mai fünf weitere „e-Hub“-Stationen im Stadtgebiet installieren, an denen man sich E-Bikes und E-Lastenfahrräder ausleihen kann. Er plant unter anderem mit zwölf E-Lastenrädern, die auf alle sechs Stationen aufgeteilt werden. Die Räder könnten beispielsweise Anwohner nutzen, um damit Einkäufe nach Hause zu transportieren, oder für Freizeittouren. Oder Kemptener Firmen für Transportfahrten. Zudem sollen an einer oder zwei der sechs Stationen insgesamt zwölf E-Bikes zum Ausleihen angeboten werden, erklärt Sommerfeld. Im Fokus habe man dabei vor allem Touristen, die Radtouren etwa zum Archäologischen Park Cambodunum (APC) oder zur König-Ludwig-Brücke unternehmen könnten.

Wie das Carsharing-System an der Grabengasse soll auch das Rad-Leihsystem zunächst nur nach dem Roundtrip-Prinzip funktionieren – heißt: Dort, wo das E-Bike oder das E-Lastenrad ausgeliehen wird, muss es wieder abgegeben werden.

Weitere Standorte stehen noch nicht fest

Wo genau die anderen fünf sogenannten e-Hub-Stationen entstehen, steht laut dem Verkehrsmanager noch nicht fest. Da dieser Begriff aber recht sperrig ist, werde die Stadt diese Stationen wohl als „Mobilpunkte“ bezeichnen. Sommerfeld arbeitet derzeit an einer entsprechenden Ausschreibung, um Anbieter für die 24 Räder zu finden. Mit dem Geld für das Projekt kann er bereits planen: Der Haupt- und Finanzausschuss habe während seiner jüngsten, nichtöffentlichen Sitzung grünes Licht gegeben.

Carsharing by Sirch:

Elektroautos in der Grabengasse

E-Mobil, E-Auto, Elektroauto, Renault, Verleih-Stationen (e-Hubs) in Kempten

Sarah Wycisk (rosa JAcke) und MAgdalena Kraft von Sirch
Carsharing by Sirch: Elektroautos in der Grabengasse E-Mobil, E-Auto, Elektroauto, Renault, Verleih-Stationen (e-Hubs) in Kempten Sarah Wycisk (rosa JAcke) und MAgdalena Kraft von Sirch
Bild: Matthias Becker

Zukunftsforschung: Teilen statt besitzen

Mithilfe des Internets ist es inzwischen sehr einfach geworden, ein Auto zu teilen, anstatt es zu besitzen, sagt der US-Ökonom und Zukunftsforscher Jeremy Rifkin. Millionen junger Menschen auf der Welt hätten kein Interesse mehr daran, selbst einen Pkw zu besitzen. Sie wollen einfach nur mobil sein und verschaffen sich ihre Mobilität über das Internet.

Welche Auswirkungen hat das Carsharing? Mit dieser Frage hat sich Larry Burns, ehemaliger Vize-Vorsitzender von General Motors, in seiner Studie für die University of Michigan in Ann Arbor beschäftigt. Sein Ergebnis: Sogar mit der Carsharing-Infrastruktur von heute, die alles andere als ausgereift sei, könne die Menschheit ihre Mobilität aufrechterhalten – sogar wenn die Anzahl der im Straßenverkehr zugelassenen Autos um 80 Prozent reduziert würde. Derzeit fahren weltweit auf den Straßen etwa eine Milliarde Autos. Die Zahl könnte man laut Burns auf diese Weise auf 200 Millionen senken und die Fahrzeuge gleichzeitig elektrisch oder „grünem Treibstoff“ betreiben.