Naturschutz im heimischen Garten

Kreislehrgarten in Sulzberg: Ein Naturgarten für das Oberallgäu

Roswitha Weißenbach räumt im Staudenbeet des Oberallgäuer Kreislehrgartens auf.

Roswitha Weißenbach räumt im Staudenbeet des Oberallgäuer Kreislehrgartens auf.

Bild: Rainer Hitzler

Roswitha Weißenbach räumt im Staudenbeet des Oberallgäuer Kreislehrgartens auf.

Bild: Rainer Hitzler

Ein Zertifikat mit Wirkung - als Naturgarten soll der Kreislehrgarten in Sulzberg zeigen, wie der Verzicht auf chemische Dünger die Artenvielfalt voranbringt.
Roswitha Weißenbach räumt im Staudenbeet des Oberallgäuer Kreislehrgartens auf.
Von Rainer Hitzler
07.04.2021 | Stand: 18:30 Uhr

Auf dem heimischen Hof hat Roswitha Weißenbach an sich genug zu tun. Bei ihrer Arbeit verbringt die Demeterbäuerin viel Zeit in der Natur. Was treibt sie also um, ihre Freizeit in den Vorsitz des Kreisverbands Oberallgäu für Gartenbau und Landespflege zu stecken und damit die Verantwortung für den Kreislehrgarten zu übernehmen?

Der Kreislehrgarten in Sulzberg funktioniert ganz ohne Pestizide und chemische Dünger

2014 hat Weißenbach dieses Amt angetreten und seither Pestizide, Herbizide und chemischen Dünger aus dem Kreislehrgarten verbannt. Dies sowie die Verwendung von Gartenerde ohne Torf und eine hohe Biodiversität sind die Grundkriterien für eine Zertifizierung des Areals als Naturgarten. Ein Status, den der Kreislehrgarten nun erreicht hat. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau und der Bayerische Landesverband für Gartenbau und Landespflege haben Weißenbach bescheinigt, dass der Oberallgäuer Kreislehrgarten ein Naturgarten im Sinne der strengen Kriterien ist.

Auch weitere naturnahe Bedingungen erfüllt der Lehrgarten. Zum Beispiel gibt es Steinmauern und viele andere Rückzugsorte für heimische Insekten und Tiere. Dazu zählen Nistkästen, Insektenhotels und Staudenbeete. Sie alle bieten eine Vielfalt an Blühpflanzen für Bestäuber, gebietstypische Sträucher und Gehölze, Obstgärten, Beerensträucher und sogar das Dach der Gerätehütte ist begrünt.

Auch zwei Bienenvölker fühlen sich auf dem Gelände des Naturgartens wohl, das vor Kurzem um einen Naturteich erweitert wurde. Diesen haben 35 beteiligte Gartenbauvereine mit immensem ehrenamtlichem Einsatz realisiert. Allein 55 Tonnen Steine wurden in die Wasserlandschaft eingebaut und zuvor von Hand geputzt. Mikroorganismen, die sich von selbst ansiedeln, reinigen das Wasser. Nur ein Übermaß an Bewuchs wird entfernt.

Mit der Zertifizierung als Naturgarten wird der Kreislehrgarten zum Vorbild für Hobbygärtner

Alles in bester Ordnung also und ganz im Sinne von Weißenbach. Warum dann die zusätzliche Zertifizierung, für etwas, das man sowieso schon macht? Um das zu erklären, zitiert Weißenbach den Stellvertretenden Vorsitzenden des Landesverbandes, Ulrich Pfanner, der die Zertifizierungsurkunde überreicht hat: „Eine verantwortungsvolle Bewirtschaftung der Hausgärten ist äußerst notwendig, um Rückzugsorte für bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu schaffen. Denn die Fläche der Hausgärten in Bayern ist insgesamt größer als die der Naturschutzgebiete.“

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Genau das will Weißenbach erreichen. Sie will so viele Gartenbesitzer wie möglich in den Allgäuer Hausgärten zu naturnaher Arbeitsweise animieren. Der Kreislehrgarten soll als Vorbild dienen. Als „Beweis, dass eine naturnahe Wirtschaftsweise funktioniert, schön aussieht, Erträge bringt und gleichzeitig als Rückzugsgebiet für viele Tiere und Pflanzen dienen kann“, sagt Weißenbach. Die Zertifizierung hilft, weiter dafür zu trommeln, dass sich noch mehr Hausgartenbesitzer trauen, naturnah zu wirtschaften und ihre Gärten in kleine Paradiese für heimische Tier- und Pflanzenarten zu verwandeln.

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