75 Jahre Vespa

Kult-Roller feiert Jubiläum: Kemptener fuhren 1957 mit der Vespa an den Gardasee

Kempten Vespa Club

Ein Vespa-Korso rollte 1956 über den Freudenberg durch Kempten.

Bild: Ralf Lienert (Repro)

Ein Vespa-Korso rollte 1956 über den Freudenberg durch Kempten.

Bild: Ralf Lienert (Repro)

Der Kultroller wird 75 Jahre. Günther Bisle erinnert sich an Suchfahrten, Geschicklichkeitsturniere und Reisen über die Alpen. - Galerie mit alten Vespa-Fotos!
10.04.2021 | Stand: 18:58 Uhr

Am 23. April 1946 wurde die Vespa zum Patent angemeldet. Damit feiert der Kultroller nun seinen 75. Geburtstag. Auch in Kempten gehört er seit Jahrzehnten zum Straßenbild. Mitte der 1950er-Jahre gab es einen eingetragenen Vespa-Club, erinnert sich Günther Bisle. Er tourte damals mit seinem Freund Adolf Fröhlich bis nach Italien.

„Adi hatte eine silberne GS 250, das war die einzige Vespa ihrer Art in Kempten“, sagt der 82-Jährige. Die beiden waren in der Nachkriegszeit dicke Freunde. Bei der ersten Allgäuer Festwoche 1949 ist Bisle als Zehnjähriger noch in einer Seifenkiste unterwegs gewesen: „Da bin ich für den Saatenhandel in der Gerberstraße Reklame gefahren.“

Freunde des Kult-Rollers Vespa gründeten in Kempten einen Club

1955 kaufte sich der im Dezember verstorbene Fröhlich als 18-Jähriger seinen ersten Roller und der zwei Jahre jüngere Bisle stieg als Sozius mit auf. Die beiden wurden auch gleich Mitglied im Kemptener Vespa-Club: „Unser Clublokal war im Kreuzgarten in der Bahnhofstraße.“ Die Roller wurden damals im Biergarten geparkt. Für die Ausfahrten wurden die Gefährte mit Stoffbändern dekoriert. „Da waren der Clubname und das Stadtwappen drauf“, erinnert sich Bisle.

Die Fahrten gingen nach Ulm. Augsburg, München und Göppingen. „Unser Vorsitzender war Max Wachter aus dem Neuhauser Weg, der war Meister bei Zweirad Hensler in der Memminger Straße“, weiß Bisle noch. Der Verein wuchs auf über 25 Mitglieder an und wechselte ins Lokal „Frühlingstraße“ an der Ecke Bodmanstraße.

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Vespa Club Kempten

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1956 versammelten sich die Rollerfahrer vor der Basilika, wo die italienischen Flitzer gesegnet wurden. Anschließend gab es einen Vespa-Korso durch Kempten. Zu den Ausfahrten kamen Bildersuchfahrten und Geschicklichkeitsturniere. Zum Wettbewerb im Hof der Wittelsbacher Schule 1957 strömten zahllose Kemptener zusammen. Sie wollten sehen, wie die Vespafahrer den Parcours mit Slalomstangen und über Wippen meisterten.

Mit der Vespa an den Gardasee: "Wir waren genügsam"

Im Sommer 1957 fuhren die Kemptener Vespafreunde über die Alpen an den Gardasee. „Wir hatten vorn und hinten einen Gepäckträger für Zelt, Geschirr, Handtücher und Badehosen. Wir waren einfach genügsam“, sagt der 82-jährige Werkzeugmacher und lacht. Die Fahrt schweißte die jungen Kemptener zusammen: „Endlich ab in den Süden nach bella Italia.“

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1958 kauften sich Bisle seine eigene Vespa, eine rote T 150. Damit kurvte er drei Sommer lang durch Süddeutschland: „Dann kaufte ich mir eine BMW 600.“ 1962 heiratete er, 1966 zog er nach Stuttgart, wo er nun seinen Lebensabend verbringt. Die Liebe zum Roller ist geblieben.

Der Vespa-Club ist längst aufgelöst, dafür gibt es in Kempten eine Blechrollerbande, die sich in den Sommermonaten trifft. Es gibt auch einige Händler für Roller und originale Ersatzteile.

Vespa Gentleman Giro: Markus Mayer aus Waltenhofen will auf seiner Vespa 25.000 Kilometer zurücklegen

Der wohl bekannteste Allgäuer Vespafahrer ist Markus André Mayer aus Waltenhofen. Der 44-Jährige startet am 15. Juni zu einem „Vespa Genteman Giro“. Diese führt 14 Monate lang durch 40 europäische Länder. Mit Anzug und Krawatte fährt er zugunsten von Organisationen gegen Krebs. Auf seiner 2,5 PS-Vespa „Eleanore“ will er 25.000 Kilometer zurücklegen und Spenden sammeln. „Dies wird laut Guinnessbuch die längste Reise auf einem 50-Kubikzentimeter-Roller“, sagt Mayer.