Bildung

Latein-Wettbewerb: Zwei Schüler aus Kempten haben Chancen auf Landessieg

Die beiden Schüler mit ihrem Lehrer: (von links) Oskar Brausewetter, Lehrer Florian Stöberl und Sarah Reisacher.

Die beiden Schüler mit ihrem Lehrer: (von links) Oskar Brausewetter, Lehrer Florian Stöberl und Sarah Reisacher.

Bild: Harald Holstein

Die beiden Schüler mit ihrem Lehrer: (von links) Oskar Brausewetter, Lehrer Florian Stöberl und Sarah Reisacher.

Bild: Harald Holstein

Schüler des Carl-von-Linde-Gymnasiums nehmen am Wettbewerb „Alte Sprache“ teil. Zwei Jugendliche sind jetzt eine Runde weiter. Warum die beiden Latein lieben.
23.09.2020 | Stand: 15:00 Uhr

„Latein lehrt eine Denkweise, die man im Leben öfter braucht und es kann einem in vielen Bereichen weiterhelfen“, sagt der 17-jährige Schüler des Kemptener Carl-von-Linde-Gymnasiums Oskar Brausewetter. Auch seine 18-jährige Mitschülerin Sarah Reisacher bringt ihre Freude am Fach Latein auf den Punkt: „Man lernt, wie die Sprache funktioniert und wie die Welt funktioniert.“ Beide nahmen Anfang des Jahres am Landeswettbewerb „Alte Sprachen“ teil und haben von den 17 Schülern ihrer Lateinklasse den Sprung in die nächste Runde geschafft. Anfang Oktober haben sie nun die Chance, unter die besten zehn in ganz Bayern zu kommen – in einer letzten Runde könnten die beiden auch noch Landessieger werden.

Beim Wettbewerb muss nicht nur übersetzt werden

Die Schüler mussten in der Prüfung einen Text von Seneca übersetzen. Dabei waren die Schriften des römischen Philosophen, Dramatikers und Politikers im Unterricht noch gar nicht behandelt worden. „Tacitus ist deutlich simpler“, sagt Oskar Brausewetter. Dennoch haben sie Senecas Text über Maßlosigkeit und Besitzgier in der römischen Gesellschaft richtig übersetzt. Damit aber nicht genug. Es gab noch zusätzliche Aufgaben zu lösen: Antiken Textstellen, die sich schon damals mit der Belastung der Umwelt auseinandersetzten, mussten sie Schlagwörter von heute wie Gewässer-, Luftverschmutzung oder Abholzung der Wälder zuordnen. Ein Gedicht von Ovid sollte mit der lateinischen Version der Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus in Beziehung gebracht werden. Dabei mussten die Schüler auch das Thema Umwelt- und Klimaschutz diskutieren und interpretieren. Um so außergewöhnlicher ist es, dass in diesem Jahr zwei Schüler die Hürde geschafft haben.

Sarah Reisacher und Oskar Brausewetter bedauern, dass Latein oft als tote Sprache stigmatisiert wird. Latein sei nicht im Geringsten trocken oder schwer, sind sich die beiden einig. Brausewetter mag die Logik und klare Struktur der Sprache. Ihn reizen besonders die schwierigen Aufgaben: „Das Coolste ist, wenn man Texte erknobelt und Sätze wie eine Mathematikaufgabe angehen kann.“ Für Sarah Reisacher ist Latein die Wurzel vieler Sprachen: „Durch Latein kann man sich Sätze in allen möglichen Sprachen erschließen. Das ist, wie wenn man fünf Sprachen lernen würde“, sagt die 18-Jährige.

Durch Latein Zusammenhänge verstehen

Reisacher und Brausewetter gefällt auch, dass das Fach Latein mehrere Schulfächer wie Geschichte, Gesellschaft und Politik verbindet. Man lerne das Erkennen von Zusammenhängen und viele moralische und philosophische Aspekte. Wenn es gut vermittelt wird, kann jeder Spaß daran finden, sind sich die Schüler sicher.

Ist Latein also doch besser als sein Ruf und bei der jungen Generation nicht nur lebendig, sondern auch beliebt? Wie heißt es doch gleich: Errare humanum est – Irren ist eben menschlich.