Corona-Hilfe

Zwölf Künstler aus Kemptener Szene freuen sich über Förderpreis

Kempten LC-Förderpreis

Zwei von zwölf Künstlern, die mit dem "LC-Förderpreis" ausgezeichnet werden: Nadine Schneider und Norman Graue von den Wendejacken hatten seit Sommer 2020 keinen Auftritt mehr.

Bild: Ralf Lienert

Zwei von zwölf Künstlern, die mit dem "LC-Förderpreis" ausgezeichnet werden: Nadine Schneider und Norman Graue von den Wendejacken hatten seit Sommer 2020 keinen Auftritt mehr.

Bild: Ralf Lienert

Zwölf Künstler aus Kemptener Szene freuen sich über „LC-Förderpreis“: Lionsclubs und Ladies Circle unterstützen sie mit 24.000 Euro. Open-Air-Konzert geplant.
26.03.2021 | Stand: 11:30 Uhr

Auch die Kemptener Künstlerszene ist seit einem Jahr von der Corona-Pandemie betroffen. So gut wie keine Auftritte und damit keine Einnahmen kennzeichnen die Lage. Staatliche Hilfen kamen sehr dünn an, und so mussten manche Bühnenprofis beispielsweise sogar auf ihre Altersvorsorgen zurückgreifen, um sich und ihre Familien über Wasser zu halten. Die Kemptener Lions Clubs und der Ladies Circle riefen deshalb den „LC-Förderpreis“ ins Leben und zeichneten nun zusammen mit der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung zwölf Künstlerinnen und Künstler mit insgesamt 24 000 Euro aus. „Dieser Preis trifft ins Herz. Das ist echte Wertschätzung“, sagt Musical-Sängerin Isabella Dartmann.

Die Preisübergabe durch Oberbürgermeister Thomas Kiechle ist bei einem Open-Air-Konzert im Residenzhof am 10. Juli geplant. „Dieser Förderpreis ist ein wichtiger Beitrag für Kulturschaffende in einer schwierigen Zeit“, sagt Kiechle, der Vorsitzender des Zorn-Stiftungsrats ist. Er freut sich über die „großartige Initiative“ der Service-Clubs: „Das macht Mut und Hoffnung für unsere Bühnenkünstler.“

Angespannte finanzielle Lage

Deren finanzielle Lage bleibt äußerst angespannt. Konzerte und jegliche Bühnenauftritte sind vorerst verboten. Die Improtheater-Schauspieler Nadine Schneider und Norman Graue hatten mit den „Wendejacken“ im Sommer 2020 einen Auftritt auf dem Hildegardplatz. „Seitdem ist Flaute“, sagt Graue. In den kommenden Monaten sind zwei Livestreams geplant, einmal aus dem Roxy in Ulm und am 1. Mai das Stück „Vier für Adelheid“. Die Beiden haben die staatliche November- und Dezemberhilfe erhalten. „Aber die Aussichten sind mehr als trüb“, fügt Grau an. „Da kommt der Förderpreis gerade rechtzeitig. Das ist mega.“

Andreas Schütz und Leonie Leuchtenmüller sehen für 2021 wenig Besserung. Sie freuen sich aber auf ein Open-Air-Konzert im Juli im Residenzhof.
Andreas Schütz und Leonie Leuchtenmüller sehen für 2021 wenig Besserung. Sie freuen sich aber auf ein Open-Air-Konzert im Juli im Residenzhof.
Bild: Ralf Lienert

Für die Jury und die Mitglieder der Serviceclubs hatten alle Künstler Beiträge per Video eingereicht. „Wir haben einen Kurzkrimi in der Tiefgarage unter der Salzstraße gedreht, das hat endlich wieder Spaß gemacht“, erzählt Norman Graue.

In die gleiche Richtung geht Sängerin Leonie Leuchtenmüller: „Es gibt momentan keinen Ausblick. In den letzten Wochen gab es nur Absagen. Das Jahr ist richtig beschissen.“ So ist der Förderpreis ein Lichtblick. Für sie und ihre Künstlerkollegen ist es ein gutes Gefühl, nicht vergessen zu werden. „Man spürt die Wertschätzung der Lions und Ladies für die Kunst“, sagt die 33-jährige Sängerin und Songschreiberin. Mit dem Preis im Rücken hat sie wieder Mut gefasst. „Ich habe neuen kreativen Input und wage mich wieder ans Klavier.“

Fleißig Spenden gesammelt

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Das hören die Präsidenten der vier Lionsclubs und die Präsidentin des Ladies Circle, Anna Gabler, gern. Sie hatten Ende 2020 die Idee für den Förderpreis und sammelten dafür fleißig Spenden unter ihren Mitgliedern. Günter Kahlert und Fritz Bauer von Lions-Cambodunum und Lions-Müßiggengel sehen in der Summe von 24.000 Euro ein deutliches Signal. Ihnen zufolge liegen inzwischen weitere Bewerbungen für den Preis auf dem Tisch. Manfred Hegedüs, Präsident von Lions-Buchenberg, hofft, „dass die Unterstützung vielleicht nochmals Nachahmer findet“. Professor Laszlo Füzesi und Professor Peter Büchler von Lions-Kempten feilen gerade an einer Konzertreihe für die Kemptener Künstler: „Wir wollen ihnen damit Mut, Hoffnung und Gage bieten“, sagt Füzesi.

Die Koordination des ersten Konzerts hat Andreas Schütz übernommen. Der Pianist und Booker (Kleinkunstverein Klecks und Jazzfrühling) ist selbst Preisträger und kennt die Lage. „Staatliche Hilfe fließt so gut wie keine“, berichtet er. Schütz spielte zuletzt bei Kindergottesdiensten. „Ich kann nicht sinnlos zu Hause sitzen.“ Ohne Gage spielte er am Donnerstag im Netz für eine Flüchtlingsorganisation. Schütz freut sich auf das Open-Air-Konzert zusammen mit Isabella Dartmann im Juli: „Wir wollen für Kempten singen.“

Diese Künstler werden unterstützt (jeder erhält 2000 Euro):

Leonie Leuchtenmüller Pop- und Jazzsängerin, Songschreiberin

Nadine Schneider und Norman Graue Improtheater-Schauspieler (Die Wendejacken)

Magnus Dauner Pop- und Jazz-Schlagzeuger

Michael Schönmetzer und Rainer Hartmann Mitglieder der Alternative-Pop-Band „Rainer von Vielen“

Marcel Dorn und Stephan Weh Pianisten und Mitglieder des Crossover-Duos „Pianotainment“

Andreas Schütz Pop- und Jazz-Pianist

Anton Dirnberger Rapper und Hip-Hop-Musiker

Isabella Dartmann Musical-Sängerin (unter anderem im Füssener Ludwig2-Musical)

Murat Parlak Pianist und Komponist