Tierschutz

Mähroboter gefährden Igel in Kempten und im Oberallgäu

Mähroboter gefährden Igel

Igel sind nachtaktive Tiere, die von den Sensoren der Mähroboter oft nicht erkannt werden. Zusammenrollen helfe nur großen kräftigen Tieren, sagt der Bund Naturschutz.

Bild: Heinz Ehrsam/BUND Naturschutz

Igel sind nachtaktive Tiere, die von den Sensoren der Mähroboter oft nicht erkannt werden. Zusammenrollen helfe nur großen kräftigen Tieren, sagt der Bund Naturschutz.

Bild: Heinz Ehrsam/BUND Naturschutz

Der Bund Naturschutz Kempten-Oberallgäu und eine Tierärztin geben Tipps, wie man die Artenvielfalt erhalten kann – und trotzdem einen gepflegten Garten hat.
16.08.2021 | Stand: 11:30 Uhr

Die Igel sind wieder unterwegs. Um satt zu werden, müssen die Tiere manchmal mehrere Kilometer zurücklegen. Dabei begegnen ihnen viele Gefahren. Eine davon kommt sehr leise daher: der Mähroboter. Die automatischen Gartenwerkzeuge seien eine große Gefahr für Kleintiere und verhinderten zudem die Entwicklung blühender Artenvielfalt, heißt es vom Bund Naturschutz Kempten-Oberallgäu. Deshalb bittet der Verband um mehr Mut zur Wildnis: Je vielfältiger der Garten gestaltet sei und je mehr insektenfreundliche Pflanzen darin wachsen, umso wohler fühle sich der Igel.

Sobald es dämmert, begeben sich Igel auf Nahrungssuche. Am liebsten fressen sie nachtaktive Laufkäfer – doch die werden immer weniger. „Manchmal müssen Igel weit laufen, um satt zu werden. Da kommen pro Nacht schnell mal drei Kilometer und mehr zusammen“, erklärt Carolin Köpping. Sie ist in der Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu Ansprechpartnerin für Igel, Amphibien und Gartenschläfer.

Bund Naturschutz Kempten-Oberallgäu: "Igel sind keine Fluchttiere"

Durchquerten Igel einen von Robotern gepflegten Rasen, könne das gefährlich werden. „Igel sind keine Fluchttiere. Nähert sich ein Mähroboter, harren sie aus und warten ab“, erklärt Köpping. Einige rollen sich zusammen. Doch diese Strategie helfe, wenn überhaupt, nur großen kräftigen Tieren, die von den Sensoren der automatischen Mäher erkannt werden. Kleinere Igel, Lurche und Reptilien würden nicht als Hindernis erkannt und deshalb überrollt, verletzt oder getötet.

Tierärztin Angelika Uher aus Kempten hat Erfahrung mit der Behandlung von Igeln. Glücklicherweise habe sie bisher nur ein Tier in der Praxis gehabt, das von einem Mähroboter verletzt worden war. Diese Verletzung sei jedoch besonders schwer gewesen, sagt sie. „Ein Teil der Nase war weggeschnitten, der Schädelknochen lag zum Teil frei.“

Glückliches Ende

Uher wandte sich an Doris Kast aus Weißenhorn, die verletzte Igel an Pflegestellen im ganzen Allgäu weitervermittelt oder sich selbst um sie kümmert, wenn die Verletzungen sehr schwer sind. Sie nahm sich des Tiers an und konnte es tatsächlich gesund pflegen. „Der ist jetzt wieder draußen“, erzählt sie. Viele andere Igel hätte sie jedoch einschläfern lassen müssen – etwa, wenn die Nasen abgetrennt worden waren. Zwischen 30 und 40 Tiere, die von Mährobotern verletzt wurden, seien bisher bei ihr gelandet.

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Kast, Tierärztin Uher und der Bund Naturschutz bitten deshalb, auf Mähroboter zu verzichten. Wer sein Gerät nicht abstellen möchte, könne Rücksicht nehmen, indem er dieses nur tagsüber einsetzt und vorab gründlich kontrolliert, ob Tiere gefährdet sein könnten – insbesondere wenn auch unter Sträuchern oder überhängendem Gras gemäht wird. Denn genau dort versteckten sich Igel gerne, sagt Uher. Das gelte auch für den Einsatz anderer motorisierter Gartengeräte wie Fadenmäher oder Motorsensen. Auch könnten nur Teile des Gartens als Nutzrasen gemäht werden und andere Bereiche als blütenreiche Wiese oder Staudengarten entwickelt werden, die Tieren Rückzugsraum bieten. (Lesen Sie auch: Klimaschützer Landwirt - das geht, sagt eine Oberallgäuer Initiative)

Auch Fachhändler aus der Region Kempten raten, nur tagsüber zu mähen

Tatsächlich rät auch ein Fachhändler aus der Region, die Mähroboter nicht nachts, sondern zwischen 10 und 17 Uhr laufen zu lassen. Die Mähzeiten könnten bei den Geräten vorab eingestellt werden. Nachts oder früh am Morgen sei das Gras noch feucht und bleibe dadurch eher im Gerät hängen. Wer die Roboter tagsüber mähen lasse, müsse sie weniger reinigen.

Die beste Lösung sei es, der Artenvielfalt durch weniger Mähen eine Chance zu geben, sagt Köpping vom Bund Naturschutz. „Ein igelfreundlicher Naturgarten mit Laub- und Reisighaufen zum Verstecken ist ein Paradies.“