Lifestyle im Allgäu

Mal was Anderes: „Psychohygiene“ mit Yoga und Ayurveda im Oberallgäu

Kaffee mal anders: Dunja Nachtsheim vom Waltenhofener Ayurvedahof Engel bei der Zubereitung von einer ayurvedischen Variante des Heißgetränks mit Ingwer und Gewürzen.

Kaffee mal anders: Dunja Nachtsheim vom Waltenhofener Ayurvedahof Engel bei der Zubereitung von einer ayurvedischen Variante des Heißgetränks mit Ingwer und Gewürzen.

Bild: Naomi Rieger

Kaffee mal anders: Dunja Nachtsheim vom Waltenhofener Ayurvedahof Engel bei der Zubereitung von einer ayurvedischen Variante des Heißgetränks mit Ingwer und Gewürzen.

Bild: Naomi Rieger

In der Region gibt es Zentren, deren Angebote von ayurvedischen Fastenkuren bis hin zu Wanderungen gegen den Stress reichen. Was ihren Reiz ausmacht.

08.09.2020 | Stand: 05:45 Uhr

Einst exotisch, haben östliche Naturheilkunde und Meditationslehren sich immer stärker auch im Oberallgäu etabliert. So sind mehrere Zentren entstanden, die Kurse und Behandlungen in dem Bereich anbieten. Welche Angebote es in der Region gibt und wie die Zentren die Allgäuer Natur in ihre Kurse einbinden.

Stress besser bewältigen können mithilfe von Achtsamkeit – das bietet Thomas Schneider, Geschäftsführer bei „Wege zum Sein“, an. Das Zentrum des Achtsamkeits- und Meditationslehrers liegt in Oy-Mittelberg und im Kleinwalsertal.

Stress mithilfe von Achtsamkeit bewältigen

Er leitet sogenannte MBSR-Kurse - zur Stressbewältigung durch Achtsamkeit. Was er seinen Kursteilnehmern dabei ermöglichen möchte: „Gute Psychohygiene“. Das Zentrum bietet auch Kurse für Schulen an, wo Achtsamkeit laut Schneider inzwischen Einzug hält. (Alles rund um den AZ-Yogasommer 2020 erfahren Sie hier.)

„Wir kombinieren den Umgang mit den eigenen Gedanken und Gefühlen mit Naturerfahrungen wie Wandern“, erklärt Schneider seine Herangehensweise bei den MBSR-Kursen.

Dabei schätzt der Achtsamkeitslehrer die Oberallgäuer Umgebung sehr: „Das ist Heimat, und Natur ist wichtig für die Regeneration.“ Allerdings sieht er große Unterschiede darin, wie man die Natur erleben kann: „Wenn ich den Berg hochrenne und dabei über die Arbeit rede, ist die Wirkung eine ganz andere“, findet er.

Es gibt viele Arten von Meditation

Meditation, sagt Karuna Wapke, Leiterin des Yoga Vidya Seminarhauses in Oy-Mittelberg, habe viele Facetten. So gebe es eine angeleitete Eigenschaftsmeditation, bei der die Teilnehmer sich auf eine Eigenschaft besinnen, welche sie in ihrem Leben stärker ausprägen wollen. Eine andere Art ist die Mantra-Meditation, bei der die Menschen immer wieder ein Mantra wiederholen, um ihre Gedanken zur Ruhe und den Geist in Konzentration zu bringen. (Sieben Fakten rund ums Yoga.)

Auch die Zentren sind von der Pandemie betroffen. So können wegen Corona laut Wapke momentan weniger Menschen an den Kursen teilnehmen. „Wir machen auch nicht alle üblichen Atemübungen, weil man bei manchen stark atmen muss und dadurch mehr Aerosole in die Luft gehen“, sagt Wapke.

Zum Glück lädt die Umgebung auch zu coronakonformen Aktivitäten ein: So integrieren die Dozenten die Allgäuer Landschaft in ihre Kurse und bieten unter anderem Spaziergänge und Wanderungen auf den Grünten an.

Die Lehre des Buddha von einem ehemaligen Mönch lernen

Bis vor drei Monaten buddhistischer Mönch war der spirituelle Leiter der Buddha-Hauses in Oy-Mittelberg, Roland „Nyanabodhi“ Wildgruber. Die Lehre des Buddha vermitteln ist ein erklärtes Ziel in seinen Kursen. Er schätzt die buddhistischen Lehre, da „sie sehr pragmatisch ist und auf Selbstverantwortung setzt“. Man lerne genaue Methoden, zum Beispiel durch Gehmeditation des gegenwärtigen Moments bewusst werden. Das sei wichtig, da die meisten Menschen in der Vergangenheit oder Zukunft anstatt in der Gegenwart leben würden.

Zudem sei man im Buddhismus selber für sein Leben verantwortlich und nicht von „Gottesgnaden“ abhängig. „Trotzdem muss man nicht Buddhist werden, um unsere Methoden anzuwenden“, betont Wildgruber. Viele, die in sein Zentrum kämen, wollten einfach mehr zur Ruhe kommen, und dabei helfe die buddhistische Meditation.

Einstige Schulmedizinerin sattelt auf Ayurveda um

Dunja Nachtsheim war 15 Jahre lang in der Schulmedizin tätig, bevor sie sich dazu entschied, auf alternative Heilmethoden umzusatteln. „Ayurveda“, erklärt sie, „ist nicht so anders als die klassische Naturheilkunde nach Paracelsus“. Sie schätzt daran besonders, dass es in erster Linie darauf ausgerichtet ist, gesund zu bleiben und gar nicht krank zu werden - im Gegensatz zur Schulmedizin, die oft erst eine Tablette gebe, wenn der Schmerz bereits da sei.

Die Heilpraktikerin leitet heute zusammen mit Ulrich Nachtsheim den Ayurvedahof Engel in Waltenhofen. Dort bietet sie zum Beispiel Ayurvedakuren und Akupunktur an.

Dabei findet sie es wichtig, dass man sich aus der Apotheke vor der eigenen Haustür bedient und nicht nur Heilpflanzen von weit weg importiert. „Jeder kann sich mit einfachsten Dingen aus der Natur um sich selbst kümmern.“ In Nachtsheims Garten wachsen Allgäuer Heilpflanzen wie Johanniskraut, Schachtelhalm, Baldrian und Brennnessel. Die setzt sie auch bei ihren Behandlungen - zum Beispiel zu Ölen weiterverarbeitet - ein.