Handel in Kempten

Modehaus Reischmann: „Einkaufen soll das neue Weggehen sein“

Mode Reischmann

Enrico Baumbach (links) löst am 1. Juli Christian Martinsohn als Geschäftsleiter bei Reischmann in Kempten ab.

Bild: Martina Diemand

Enrico Baumbach (links) löst am 1. Juli Christian Martinsohn als Geschäftsleiter bei Reischmann in Kempten ab.

Bild: Martina Diemand

Beim Modehaus Reischmann in Kempten wechselt die Geschäftsleitung. Welche Pläne der neue Geschäftsleiter mitbringt.

28.06.2020 | Stand: 19:11 Uhr

„Konkurrenz belebt das Geschäft.“ Dieser Satz findet nicht immer Zustimmung bei Gastronomen und Händlern. Für Christian Martinsohn, den scheidenden Geschäftsleiter bei Mode Reischmann in Kempten, und seinen Nachfolger Enrico Baumbach gilt er. Als Chefs des größten Hauses in der Reischmann-Kette leben sie ihn auch. Dadurch zum Beispiel, dass der jeweilige Geschäftsleiter im City-Management der Stadt aktiv ist. Dadurch, dass der Standort des Modehauses in der Klostersteige ebenso wie der von Sport und Trend Reischmann in der Bahnhofstraße, nicht infrage gestellt werde. ImAZ-Gespräch sagen Martinsohn und Baumbach, warum.

„Eine belebte Innenstadt ist die Grundlage für die Geschäftstätigkeit.“ Auch das ist eine Einstellung, die der bisherige Geschäftsleiter Martinsohn (der ab 1. Juli seine Position übergibt) mit dem neuen, Baumbach, teilt. Zu einer belebten Innenstadt jedoch gehörten nicht nur große Häuser, die Frequenz schaffen, sondern viele kleine Fachgeschäfte. Der Mix mache das Leben in einer Stadt aus. „Wie es ist, wenn nichts ist, hat Corona gezeigt“, sagen die „Reischmänner“.

Mieten dürfen nicht zu hoch sein

Als Vorsitzender des City-Managements galt Matinsohns Blick gemeinsam mit dem Team gezielt der nördlichen Innenstadt. Den Rahmen zu schaffen für einen florierenden Handel habe in Kempten gut funktioniert. Dass dennoch in der nördlichen Innenstadt wenig Belebung zu verspüren ist, liege zum Teil an den Hauseigentümern. „Überlebensfähige Mieten“ seien unabdingbar.

Das Unternehmen Reischmann gilt mit 200 Mitarbeitern auf 16 000 Quadratmetern Verkaufsfläche in beiden Häusern als größtes Modehaus der Stadt. Und mit Baumbach will es wachsen. Was das heißt? Dass sich Reischmann an Aktionen beteiligt und Baumbach das Haus im Umland stärker positionieren will.

Mitarbeiter sollen sich entfalten

Klare Positionen nehmen neuer und alter Geschäftsleiter ein, wenn es um Reischmann selbst geht. Martinsohn zum Beispiel hat bewogen, 2012 beim Ravensburger Familienunternehmen einzusteigen, weil dort die Mitarbeiter einen hohen Stellenwert hätten. Das spiele eine Rolle vom Einbeziehen in den Einkauf bis zur Weiterbildung. „Die Vielfalt der Modewelt“, ergänzt Baumbach, „zeigt sich, wenn Mitarbeiter sich entfalten können“. Und für junge Menschen gebe es im Handel große Aufstiegschancen.

Doch gefährdet der Online-Handel nicht den Einkauf vor Ort? „Ja, das Internet ist eine neue Macht“, sind sich beide wieder einig. Deshalb müsse man sich zwar digital weiterentwickeln. Doch Einkaufen im Geschäft soll das neue Weggehen sein, sagt Baumbach.

Kempten wird Christian Martinsohn jetzt verlassen und nach Rosenheim gehen. Was er dort macht? Beruflich erst mal eine Auszeit, sagt er lächelnd, sich um Frau, Tochter und Enkelkind kümmern. Wenngleich er schon „ein wenig Trennungsschmerz“ verspürt.

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