Blasmusik und Instrumentenbau

Musiker, Dirigent, Oboenbauer: Fabio Croce hat viele Fähigkeiten

Fabio Croce ist nicht nur Solo-Oboist. Er dirigiert auch und betreibt eine Oboen-Werkstatt.

Fabio Croce ist nicht nur Solo-Oboist. Er dirigiert auch und betreibt eine Oboen-Werkstatt.

Bild: Martina Diemand

Fabio Croce ist nicht nur Solo-Oboist. Er dirigiert auch und betreibt eine Oboen-Werkstatt.

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Fabio Croce dirigiert die Harmoniemusik Wiggensbach. Der gebürtige Italiener ist Solo-Oboist im Württembergischen Polizeiorchester und hat eine Oboen-Werkstatt
14.01.2022 | Stand: 16:51 Uhr

Bereits im Alter von neun Jahren wusste Fabio Croce, dass er einmal Dirigent werden wollte. Aber es hat viele Jahre gedauert, bis es so weit war. Unterricht erhielt er etwa bei den renommierten Dirigenten Toni Scholl und Johnny Ekkelboom. Im ersten Corona-Sommer 2020 machte er seinen Bachelor in Blasorchesterleitung an der Musikhochschule Mannheim. Und gleich im Herbst übernahm er dann die Leitung der Harmoniemusik Wiggensbach. Dirigieren ist freilich nur die eine Seite des Fabio Croce, der aus dem italienischen Piemont, genauer gesagt aus Domodossola, stammt. Eine weitere Leidenschaft gehört der Oboe, die er seit 37 Jahren erfolgreich spielt. So ist er unter anderem Solo-Oboist im Landespolizei-Orchester Baden-Württemberg. Als wäre dies nicht genug, hat sich Fabio Croce noch ein weiteres berufliches Standbein zugelegt: Er betreibt eine Oboen-Werkstatt – und tritt damit in die Fußstapfen des bekannten Ermengerster Oboen-Bauers Joost Reijns.

Zwei Oboenbauer, die sich prächtig verstehen: Joost Reijns aus Ermengerst (links) und Fabio Croce aus Bodenwalz bei Altusried.
Zwei Oboenbauer, die sich prächtig verstehen: Joost Reijns aus Ermengerst (links) und Fabio Croce aus Bodenwalz bei Altusried.
Bild: Martina Diemand

Die Oboe bestimmt Fabio Croces Leben, doch angefangen hat alles mit einem anderen Holzblasinstrument. Als 13-Jähriger versuchte er es erst mit einer Klarinette. Doch das Instrument, das ihm zur Verfügung gestellt wurde, war in derart schlechtem Zustand, dass das Spielen keinen Spaß machte. Nach sechs Monaten legte sie Fabio Croce entnervt zur Seite und wechselte zur Oboe. „Der Klang hat mich viel mehr angesprochen“, erzählt er. Zwei Jahre lang lernte er Oboe an der Musikschule in Verbania. Mit 16 wechselte er dann an das Konservatorium in Novara und machte dort 1991 sein Diplom. Sein großes Ziel war es, Mitglied eines Orchesters zu sein. Das erreichte er dann auch, etwa am Theater in Novara. Doch dieses und weitere Engagements waren immer nur zeitweilig. „In Italien gibt es vor allem Projektorchester, ich wollte aber unbedingt eine feste Anstellung“, sagt Croce. In Deutschland sah er größere Chancen.

Dirigent Toni Scholl wurde ein Förderer und Freund.

Von 1995 bis 1997 machte er an der Musikhochschule Karlsruhe seinen Master – und entdeckte mit 25 Jahren in Stuttgart die Liebe zum Blasorchester. „Ich hätte nie gedacht, dass das so interessant und vielfältig ist.“ Der gebürtige Italiener wurde Solo-Oboist des Landespolizeiorchesters Baden-Württemberg. Dessen Dirigent Toni Scholl wurde ein Förderer und schließlich auch ein Freund Croces, der ihn zum Dirigentenstudium animierte. Wenn Fabio Croce die Geschichte seines Lebens erzählt, dann tut er das in gutem Deutsch mit leichtem italienischen Zungenschlag. Die deutsche Sprache hat sich der Italiener selber beigebracht, frei nach dem Motto „learning by doing“. „Als Musiker habe ich gute Ohren“, sagt er und lacht.

Fabio Croce, Dirigent der Wiggensbacher Harmoniemusik, schätzt auch Stücke zeitgenössischer Komponisten wie Johan de Mej.
Fabio Croce, Dirigent der Wiggensbacher Harmoniemusik, schätzt auch Stücke zeitgenössischer Komponisten wie Johan de Mej.
Bild: Martina Diemand

Joost Reijns kann dies bestätigen. Die beiden kennen sich seit 20 Jahren. Zunächst war Fabio Croce ein Kunde des heute 70-jährigen Oboenbauers, der seit 38 Jahren in Wiggensbach beziehungsweise Ermengerst eine Werkstatt betreibt. Einige hundert Oboisten aus ganz Europa lassen ihre wertvollen Instrumente von dem Wahl-Allgäuer mit holländischen Wurzeln überholen und reparieren. Auf Vermittlung eines spanischen Musikerkollegen kam Fabio Croce nach Wiggensbach, war von Reijns’ Handwerkskunst sogleich begeistert – und schaute danach regelmäßig mit seiner Oboe bei ihm vorbei. Vor vier Jahren erzählte ihm dann Joost Reijns, dass er irgendwann seine Werkstatt wohl schließen werde, da er keinen Nachfolger gefunden hatte. Für Fabio Croce war dies erst einmal ein herber Schlag. „Als Oboist ist es unheimlich wichtig, einen Oboenbauer zu haben, dem man vertrauen kann.“ Auf der Heimfahrt nach Böblingen ging ihm das Gespräch nicht mehr aus dem Kopf. Und als er ankam, stand sein Entschluss fest: Er wollte die Oboenwerkstatt von Joost Reijns weiterführen. Seiner Frau Julia, die Tuba spielt, gefielen die Idee und der Gedanke an einen Umzug ins Allgäu. Seit gut vier Wochen sind die beiden stolze Eltern eines Sohnes mit Namen Paolo.

Know-How hat sich Fabio Croce auch bei der renommierten Oboen-Firma Rigoutat in Paris geholt.

„Wir ergänzen uns hervorragend“, sagt Joost Reijns über die Zusammenarbeit mit Fabio Croce. Noch drei, vier Jahre will der 70-Jährige weitermachen. „Oboisten sind keine einfachen Musiker, weil das Instrument so kompliziert ist“, sagt Reijns, der ursprünglich Feinmechanik gelernt hatte. Fabio Croce muss bei diesen Worten lachen, stimmt ihm aber auch augenzwinkernd zu. Einerseits lernte er bei Reijns, andererseits holte er sich weiteres Know-How bei der berühmten Oboen-Firma Rigoutat in Paris, bei der schon Reijns gelernt hatte. „Es war sehr spannend, etwas Neues zu lernen“, sagt Croce über die lehrreiche Zeit. Unter dem Namen „Proboe“ kooperieren nun die beiden Oboenbauer. Reijns hat seine Werkstatt in Ermengerst, Croce in Bodenwalz, auf der Grenze zwischen Altusried und Wiggensbach gelegen. Dort wohnen beide mittlerweile auch.

Mit der Harmoniemusik Wiggensbach waren 2021 ein paar Auftritte möglich. Viele Proben fanden aber online statt.

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Seit 2018 hat Fabio Croce seine Solo-Oboisten-Stelle beim Württembergischen Landespolizeiorchester um 50 Prozent reduziert, um Zeit für die Werkstatt-Arbeit, aber auch für seine Dirigententätigkeit zu haben. Neben der Wiggensbacher Harmoniemusik leitet der 51-Jährige auch die Musikkapelle Waldburg-Hannober. Viele Online-Proben hat er mit seinen 45 Wiggensbacher Musikerinnen und Musikern absolviert. 2021 waren aber auch ein paar öffentliche Auftritte auf dem Marktplatz, in Biergärten und Kirchen möglich, erzählt Croce. Ein Glücksfall für die Harmoniemusik sei es in Zeiten des Abstandhaltens, dass sie mit dem Saal im Gasthof Kapitel einen sehr großen Probenraum zur Verfügung hat.

Hat sich Allgäu schnell eingelebt: Fabio Croce ist gebürtiger Italienier und leitet  die Wiggensbacher Harmoniemusik.
Hat sich Allgäu schnell eingelebt: Fabio Croce ist gebürtiger Italienier und leitet  die Wiggensbacher Harmoniemusik.
Bild: Martina Diemand

Die Wiggensbacher Kapelle möchte Fabio Croce sukzessive musikalisch weiterentwickeln. Im Klartext bedeutet dies, einerseits Unterhaltungsmusik und Traditionelles „so gut wie möglich zu spielen“. Andererseits aber auch offen zu sein für originale Blasmusikstücke etwa aus der Feder von zeitgenössischen Komponisten wie Thiemo Kraas, Alfred Reed oder Johan de Meij.

Als Dirigent will er seinen Musikerinnen und Musikern auf Augenhöhe begegnen, und sie „dort abholen, wo sie sind“. Fabio Croce: „Ich versuche immer, Musik so gut wie möglich zu spielen – egal auf welcher Stufe.“

Werkstatt-Infos: Infos zur Oboenwerkstatt von Fabio Croce gibt es im Internet unter www.proboe.de; Infos zu Joost Reijns unter www.oboen-reijns.com

Musik-Tipps: Als passionierter Solo-Oboist weiß Fabio Croce auch die Kunst von Kollegen zu schätzen. Dazu gehören beispielsweise Albrecht Mayer (Album „Tesori d’Italia“), Ramón Ortega Quero (Album „J. S. Bach – Oboensonaten“) und Christoph Hartmann (Alben „Fantasia Italiana“ und „Bella Napoli“).