Handwerker und Student

Nach der Explosion in Beirut: Zwei Kemptener helfen beim Wiederaufbau

Johannes und Marius Zacherle aus Kempten helfen seit Oktober ehrenamtlich im Libanon. Sie wollen weiter in Beirut bleiben.<b></b>

Johannes und Marius Zacherle aus Kempten helfen seit Oktober ehrenamtlich im Libanon. Sie wollen weiter in Beirut bleiben.

Bild: Zacherle

Johannes und Marius Zacherle aus Kempten helfen seit Oktober ehrenamtlich im Libanon. Sie wollen weiter in Beirut bleiben.

Bild: Zacherle

Johannes und Marius Zacherle aus Kempten bauen in Beirut Türen, Fenster und Holzbetten für Menschen, deren Zuhause durch die Explosion im August zerstört wurde.
25.01.2021 | Stand: 19:17 Uhr

Seit über drei Monaten helfen Johannes und Marius Zacherle aus Kempten beim Wiederaufbau in Beirut. Eigentlich wollten die beiden Brüder nur vier Wochen lang im Libanon anpacken. Doch jetzt bleiben sie noch bis Ende April in Beirut. Ihren Einsatz bezahlen sie aus der eigenen Tasche. Sie brauchen aber auch Geld, um weiterhin Holz, Glas und Baumaterial kaufen zu können.

„Bisher konnten wir über 100 Familien helfen, wieder in ihren Wohnungen zu leben. Doch dies ist nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Johannes Zacherle. In Beirut, berichtet der 33-Jährige, hätten er und sein Bruder sehr nette Menschen kennengelernt, „die uns halfen, das nötige Material zu besorgen und uns bei allen möglichen Unwägbarkeiten zur Seite gestanden sind.“

Zacherle ist gelernter Tischler und arbeitet in der Veranstaltungsbranche, sein Bruder Marius (27) studiert in Würzburg Betriebswirtschaftslehre. Im Oktober organisierten sie mit der Freiwilligenorganisation „Fresh Response“ ein Team mit zehn Personen.

Im August hatte eine verheerende Explosion im Hafen von Beirut (Libanon) große Teile der Stadt zerstört - zwei Kemptener helfen nun

Doch ein Teil der Gruppe sei vor Weihnachten nach Bosnien, um dort den Flüchtlingen zu helfen. Vier freiwillige Helfer blieben in Beirut und unterstützen den Wiederaufbau. Denn am 4. August 2020 hatte eine Explosion große Teile der libanesischen Hauptstadt zerstört. 2750 Tonnen Ammoniumnitrat explodierten in einem Hafenspeicher, töteten mindestens 190 Menschen und verletzten mehr als 6500.

Die Kemptener Zacherle-Brüder wollen in Beirut helfen, die Not nach der Explosion zu lindern

In der kommenden Woche beziehen die Brüder in einem alten Gebäude eine neue Werkstatt. Dort arbeiten sie mit sechs syrischen Schreinern zusammen. Derzeit haben sie sich auch auf das Bauen von Holzbetten spezialisiert, da viele Menschen auf dem Boden schlafen müssen. Zudem arbeiten sie immer noch an Türen und Fenstern. Die Werkzeuge hatten sie bereits aus Deutschland mitgebracht.

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„Wir wohnen fast alle zusammen in einer WG, um nahe an unserem Einsatzort zu sein“, sagt Zacherle. „Durch unser Leben in Beirut lernten wir viele nette und aufgeschlossene Menschen kennen, daraus entstanden Freundschaften.“ Für die beiden Brüder ist es spannend, so nah am Geschehen zu sein: „Da wir alle in der Kunst- und Kulturszene in Deutschland tätig sind, knüpfen wir auch auf dieser Ebene Kontakte und nehmen Einblick in die Szene.“

Doch die Kemptener berichten auch von Korruption und Schwarzmarkt für Nahrung und Medikamente. „Das Leben verläuft etwas anders, als wir es in Europa gewöhnt sind.“ Um Not zu lindern, wollen die Zacherles noch bleiben.