Landwirtschaft

Nimmt der Mais-Anbau im Oberallgäu wieder zu?

Dieses Maisfeld bei Durach gehört zu den neueren in der Region. Der Landwirt ist nicht ortsansässig und kann es bequem aus der Ferne bewirtschaften, indem er Lohnunternehmer beauftragt.

Dieses Maisfeld bei Durach gehört zu den neueren in der Region. Der Landwirt ist nicht ortsansässig und kann es bequem aus der Ferne bewirtschaften, indem er Lohnunternehmer beauftragt.

Bild: Martina Diemand

Dieses Maisfeld bei Durach gehört zu den neueren in der Region. Der Landwirt ist nicht ortsansässig und kann es bequem aus der Ferne bewirtschaften, indem er Lohnunternehmer beauftragt.

Bild: Martina Diemand

In Durach ist die Pflanze heuer wieder zu sehen. Welche Regeln für den Mais-Anbau gelten und warum es früher viel mehr Ackerland in der Region gab.
14.08.2020 | Stand: 05:22 Uhr

Aufmerksamen Rad- und Autofahrern ist es vielleicht aufgefallen: Auf einer landwirtschaftlichen Fläche zwischen Kempten-Sankt Mang und Durach steht heuer wieder Mais. Vor ein oder zwei Jahren war das noch Grünland. Ist hier vielleicht ein Trend zu erkennen? Nimmt der Maisanbau zu? Dem ist nicht so, sagt Alfred Enderle, Oberallgäuer Kreibobmann im Bayerischen Bauernverband und Bezirkspräsident in Schwaben. Trotzdem hat der Mais eine interessante Geschichte im Oberallgäu, die von Hungersnöten, Artenvielfalt und energiereichem Futter handelt.

Das Oberallgäu ist eine Grünlandregion. Der Anteil liege bei über 99 Prozent, sagt Enderle. Ackerland findet sich nur vereinzelt, etwa in Dietmannsried, Waltenhofen-Memhölz oder Haldenwang. Der Grund sei das Klima mit viel Regen und langen Wintern sowie den Böden in Hanglage. Mais gedeihe dort nicht so gut, das Risiko von Ernteausfällen sei recht hoch. Im Frühjahr drohe er zu erfrieren, im Herbst – zur Erntezeit – nicht richtig auszureifen, wenn es zu früh zu kalt wird.

Ernte an einem Tag

Trotzdem passe Mais hervorragend zu Kühen, sagt Gerhard Hock. Er ist Bürgermeister in Durach und hat früher für das Landwirtschaftsamt Kempten gearbeitet. Die kleinen gelben Körner seien ein sehr energiereiches Futter für die Tiere, weshalb einige Bauern daran interessiert seien. Und es gebe noch einen Vorteil: Wer Mais anbaut, muss sich nicht selbst darum kümmern. Fürs Säen, Düngen und Häckseln könnten die Landwirte Lohnunternehmer beauftragen, die ihre eigenen Maschinen verwenden. An einem Tag lasse sich die Ernte eines ganzen Jahres einfahren. Bauern könnten auf diese Weise ein Feld aus der Ferne bewirtschaften. Auch der Landwirt, dem das Feld zwischen Sankt  Mang und Durach gehört, sei nicht mehr im Ort tätig, sagt der Bürgermeister.

>> Lesen Sie auch: Sind Ziegen und Schafe eine Alternative zum Rinderhaltung im Oberallgäu? <<

Strenge Regeln für den Anbau

Nun ist der Maisanbau aber einer starken Reglementierung unterworfen. Seit einigen Jahren ist es verboten, Dauergrünland umzubrechen – sprich, Ackerland daraus zu machen. Ausgenommen waren die Bio-Bauern, sagt Kreisbäuerin Monika Mayer. Aber seit dem Artenschutz-Volksbegehren müssten auch diese sich daran halten. Denn Grünland sei wichtig für die Artenvielfalt.

Ackerflächen anlegen dürfe nur der, der schon welche hat, erklärt Enderle. Wolle ein Landwirt eine Ackerfläche zu Grünland machen, dürfe er an anderer Stelle Grünland umbrechen. Aber auch dann werde vom Landwirtschaftsamt geprüft, ob das auf dem jeweiligen Boden zulässig ist. Der Kreisobmann sieht deshalb keine Gefahr, dass der Mais im Oberallgäu überhandnimmt.

>> Lesen Sie dazu: Experten sind alarmiert: Im Allgäu gibt es immer weniger Bauernhöfe <<

Retter in der Not

Früher jedoch habe es im Oberallgäu sehr viel mehr Äcker gegeben, sagt er. In der Nachkriegszeit blieb den Bauern aufgrund der großen Not gar nichts anderes übrig, als selbst Gemüse anzubauen. „Die Höfe waren auch nicht so spezialisiert.“ Wer Schweine im Stall hatte, baute als Futter Kartoffeln an.