Glosse "Aufgefallen"

Nur noch Handarbeit? Unsere Autorin über unliebsame Fragen zum Renteneintritt

Häkeln, klöppeln, filzen. Wenn Bekannte nach der Beschäftigung im Ruhestand fragen, stellt unsere Autorin sie mit dieser Antwort ruhig.

Häkeln, klöppeln, filzen. Wenn Bekannte nach der Beschäftigung im Ruhestand fragen, stellt unsere Autorin sie mit dieser Antwort ruhig.

Bild: Annette Zoepf/AZV

Häkeln, klöppeln, filzen. Wenn Bekannte nach der Beschäftigung im Ruhestand fragen, stellt unsere Autorin sie mit dieser Antwort ruhig.

Bild: Annette Zoepf/AZV

Unsere Autorin geht bald in den Ruhestand. Was kommt danach? Diese Frage scheint ihr Umfeld mehr zu beschäftigen als sie selbst. Gedanken zum Renteneintritt.
02.06.2021 | Stand: 15:00 Uhr

Endlich wieder Freunde treffen – wie schön. Endlich wieder in größerem Familienkreis über jene reden, die nicht dabei sind! Und endlich wieder coronafreie Zukunftspläne schmieden können! Planen, das ist auch so eine Sache, die all jene beschäftigt, die auf der Zielgeraden in den Ruhestand sind. Nicht, dass Rentenanwärter keinen Plan haben. Im Gegenteil. Die meisten wissen, womit sie sich in der Zeit nach dem Beruf beschäftigen wollen.

Was machst du im Ruhestand? Umfeld überschüttet Fast-Rentner mit Fragen

Doch es sind – im Vorfeld dieser Zeit – die Allzufürsorglichen im Umfeld, die sorgenvoll auf Noch-Berufstätige im Fast-Rentenalter blicken. Mit stoischer Gelassenheit beantworten diese dann jene Lieblingsfragen, die sie immer wieder gestellt bekommen:

„Waaaas, Du gehst bald in Ruhestand?“ Standardfrage Nummer eins bekommt die Standardantwort „Ja“. Und eigentlich ist das nach dem erstaunten Blick des Fragenden bezogen aufs Aussehen gemessen am Alter für viele eine nette Frage.

„Und was machst Du dann?“ Standardfrage Nummer zwei folgt (schon etwas sorgenvoller) sofort. Standardantwort Nummer zwei auch: „Auf keinen Fall nichts.“

"Ich finde schon was" - Gelassener Blick auf die Rente

Frage Nummer drei – und damit eine der Lieblingsfragen – ertönt nach kurzer Stille: „Aha, aber mit was beschäftigst Du Dich dann so?“ Antwort Nummer drei (schon ein wenig kleinlaut): „Weiß ich noch nicht, hat ja noch Zeit.“

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Wieder Stille, bevor Frage Nummer vier, dieses Mal garniert mit wissentlichem Blick, drauf gesetzt wird: „Ganz schlecht. Da kommt das große Loch (nein, nicht das in Kempten, sondern das psychische). Man muss sich jetzt schon eine Beschäftigung suchen. Was ist denn deine?“ Antwort Nummer vier fällt nach solch weisem Ratschlag etwas zaghaft aus: „Ich finde schon was.“

Klöppeln oder Filzen in der Rente - Bei dieser Antwort werden Fragende still

Frage Nummer fünf lässt nicht lange auf sich warten: „Aber Du hast ja kein Hobby, oder?“ Dieser Top-Lieblingsfrage ging ein intensives Denken voraus für die Top-Lieblingsantwort: „Ich wollte schon immer einen Klöppelkurs machen – und filzen.“

Das Ende der Geschichte? Die Fragerei nach einer sinnvollen Beschäftigung im Ruhestand ist im Normalfall für immer beendet. Zumindest im Falle einer Handarbeits-Nullnummer.