Parteimitglieder 2022

Parteimitglieder im Allgäu: CSU und SPD im Abwärtstrend - Grüne legen weiter zu

Nach der Bundestagswahl ist vor der Landtagswahl: Die Parteien im Oberallgäu gehen unterschiedlich stark in den Wahlkampf 2023.

Nach der Bundestagswahl ist vor der Landtagswahl: Die Parteien im Oberallgäu gehen unterschiedlich stark in den Wahlkampf 2023.

Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

Nach der Bundestagswahl ist vor der Landtagswahl: Die Parteien im Oberallgäu gehen unterschiedlich stark in den Wahlkampf 2023.

Bild: Ralf Lienert (Symbolbild)

CSU und SPD haben immer weniger Mitglieder in Kempten und dem Oberallgäu. Grüne jetzt zweitstärkste Partei, FDP baut Platz vier aus. Das sagen die Parteien.
26.01.2023 | Stand: 16:24 Uhr

Der Trend ist auffällig: CSU und SPD verlieren Jahr um Jahr Mitglieder, während die Grünen konstant zulegen. Auch einige kleinere Parteien sind im Aufwärtstrend. Unterm Strich ist die Bereitschaft der Kemptener und Oberallgäuer nicht gesunken, eine Partei zu unterstützen, nur die politische Welt wird bunter. Unsere Redaktion fragte die Parteien auch, wie sich unter den Mitgliedern die Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement entwickelt.

Und es gibt weitere Zahlen. (Hier lesen Sie: Haupt- und Neben-Einkünfte: Was Allgäuer Landtags-Abgeordnete verdienen)

FDP und AFD haben am wenigsten Frauen als Mitglied - Basis, ÖDP und Grüne haben den höchsten Frauenanteil

So ist der jeweilige Frauenanteil in Prozent unter den Parteimitgliedern in Kempten und dem Oberallgäu (gerundet):

Unter 30 Prozent: FDP 18 %, AfD 21 %, FW 22 %, Linke 26 %, CSU 28 %

Über 30 Prozent: SPD 32 %, Grüne 48 % (ohne Kreisverband Kempten), ÖDP 48 %, Basis 49 %.

Beim Altersdurchschnitt sind Linke und FDP deutlich jünger - SPD, ÖDP und CSU haben den höchsten Altersschnitt

Und so ist der Altersdurchschnitt in Jahren unter den Parteimitgliedern in Kempten und dem Oberallgäu (gerundet):

Bis 50 Jahre: Linke 39 Jahre, FDP 46 Jahre, FW 50 Jahre

Über 50 Jahre: Grüne 54 Jahre (ohne Kreisverband Kempten), AfD 55 Jahre, Basis 58 Jahre, CSU 59 Jahre, ÖDP 62 Jahre, SPD 65 Jahre.

Das sagen die Parteien beim Thema Mitglieder und Engagement:

  • CSU: „Das ,Aufwecken’ der Partei nach Corona war erfolgreich“, sagt Lucas Reisacher, Geschäftsführer des CSU-Bundeswahlkreises. Die Ortsverbände stellten eine beachtliche Vielzahl an Veranstaltungen auf die Beine. Und die sinkende Mitgliederzahl? Neben vielen verstorbenen Mitgliedern habe man in den Pandemiejahren 2020 und 2021 überproportional viele Austritte verzeichnen müssen – doppelt so viele als sonst, bedauert Reisacher.
    Seit vergangenem Jahr hätten sich die Austritte wieder auf normales Niveau stabilisiert. Doch jeder Austritt sei ärgerlich, weswegen man Kontakt zu den Personen suchen, die austreten. (Hier lesen Sie: Laden von E-Autos immer teurer: Bald erhöht auch das AÜW die Preise)
  • Grüne: „Corona war ein Dämpfer für die aktive Mitgliedschaft, aber dank zahlreicher digitaler Formate haben wir den Kontakt zu den Mitgliedern gehalten“, sagt Constanze Beutler von der Oberallgäuer Grünen-Kreisgeschäftsstelle. Jetzt könne die Partei mit vielen motivierten Mitgliedern ins Wahlkampfjahr 2023 starten. (Von den Kemptener Grünen gibt es dazu keine Aussagen.)
  • SPD: Der Allgäuer Unterbezirkschef Markus Kubatschka und die Kemptener Vorsitzende Katharina Schrader erinnern daran, dass in der Zeit der Kanzlerschaft Willy Brandts ab 1969 viele in die SPD eingetreten und damit heute sehr alt seien. Es gebe zwar immer wieder Eintritte, auch von jungen Leuten, aber eben mehr Todesfälle. Dazu komme der Wegzug junger Genossinnen und Genossen für Studium oder Arbeitssuche.
    Glücklicherweise gebe es weiter genug Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, sagt Schrader. Zudem motiviere es, dass mit langsamem Auslaufen der Pandemie wieder mehr Treffen von Angesicht zu Angesicht möglich seien, betont Kubatschka. „Die Arbeit nimmt wieder Fahrt auf.“
  • FDP: „Im Zuge der Bundestagswahl 2021 konnten wir zahlreiche Mitglieder gewinnen, die sich leidenschaftlich für die liberale Sache einsetzen“, sagt der Oberallgäuer Kreisvorsitzende Michael Käser. Die Regierungsbeteiligung im Bund treibe viele an, sich noch mehr in tagespolitische Debatten einzumischen. Das tue dem Parteileben sehr gut.
    Kemptens Co-Kreischefin Daniela Busse betont, man zeige durch die Doppelspitze mit Andreas Dünnebier, dass Parteiarbeit mit Beruf und Familie besser vereinbar sei. Man habe es geschafft, die Arbeit auf viele Schultern zu verteilen und Mitglieder-Ideen in die Arbeit zu integrieren. (Hier lesen Sie: Beschäftige einer Firma aus Kempten arbeiten nur noch vier Tage - bei vollem Gehalt)
  • Freie Wähler: Man stelle keine Veränderung zum Engagement vor der Pandemie fest, heißt es bei den Freien Wählern, deren Verband im Oberallgäu Petra Müller führt. Verbands- und Parteivorsitzende in Kempten ist Annette Hauser-Felberbaum. „Die, die vor der Pandemie schon engagiert waren, sind es jetzt auch“, sagt Müller. Schwieriger werde es – wie überall im Vereinsleben – mit der Neumotivation. Man versuche da aktuell, neue Wege zu gehen.
  • Die Basis: „Derzeit laufen unsere Planungen für das Wahljahr“, sagt Vize-Vorsitzender Herbert Mayer. Nach der Bundestagswahl sei das Engagement etwas gesunken, um 2022 (da wurde der Kreisverband Kempten/Oberallgäu aus dem allgäuweiten Verband ausgegliedert) wieder zuzunehmen. Monatliche Treffen und Aktionen seien gut besucht; das Interesse sei zum Jahresende wieder deutlich gestiegen.
  • ÖDP: Über aktive Mitglieder freut sich Vize-Kreisvorsitzende Michael Finger. Als eher problematisch empfindet er den fehlenden Nachwuchs. Geschuldet sei das dem politischen Chaos in Bund und Land und dem Thema Work-Life-Balance. „Es gelingt uns nicht, unsere Arbeit so rüberzubringen, dass sie als interessant angesehen wird.“
  • Die Linke: Durch Eintritte in den vergangenen Jahren sei das Durchschnittsalter gesunken, sagt Kreisvorsitzender Peter Höflinger. Aber während der Coronazeit habe man fast ausschließlich online gearbeitet, was den Kontakt zu den Mitgliedern und die Diskussionsmöglichkeiten verschlechterte. Dadurch habe sich die „Bereitschaft zur kontinuierlichen parteiinternen Mitarbeit nicht verbessert.“