Herbst

Pilzsaison läuft im Oberallgäu heuer später an - Experte gibt Tipps

Ein Glückspilz, wer einen Steinpilz entdeckt.

Ein Glückspilz, wer einen Steinpilz entdeckt.

Bild: René Buchka

Ein Glückspilz, wer einen Steinpilz entdeckt.

Bild: René Buchka

Die Temperaturen waren zu hoch, sagt Hans Peikert von den Pilzfreunden Altusried. Der Verein hilft, Exemplare zu bestimmen. Wie man Vergiftungen erkennt.

06.09.2020 | Stand: 07:17 Uhr

Die Pilzsaison beginnt in diesem Jahr erst zwei bis drei Wochen später. Laut Hans Peikert von den Pilzfreunden Altusried gibt es zur Zeit noch wenig Pilze. Trotz einiger intensiver Regenphasen war es über das Jahr gesehen zu heiß für die Pilze, sagt er. Er rechnet damit, dass der Pilzbestand bis etwa Mitte September zunehmen wird.

Denn nächste Woche soll es nur bis zu 25 Grad warm werden und genug Feuchtigkeit ist zur Zeit auch vorhanden. Ein Polarlufteinbruch, der kühle Luft heranbringt, wäre ideal für das Wachstum der Pilze.

Gerne besucht der Pilzsachverständige im August Norwegen, wo genau diese Bedingungen große Vorkommen begünstigen. Wo im Allgäu gute Plätze für Pilze zu finden sind, möchte Hans Peikert nur ungern preisgeben, da viele Stellen wie der Kemptener Wald sehr überlaufen sind. Auch wüßten viele nicht, dass man nur für den Eigenbedarf sammeln darf. Der Gesetzgeber macht in der Bundesartenschutzverordnung klare Vorgaben.

Wer Pilze sammelt, muss sich auskennen.
Wer Pilze sammelt, muss sich auskennen.
Bild: René Buchka

Wer Lust hat, nach seltenen Pilzen zu suchen, der könne sich den Pilzfreunden Altusried anschließen. Der Verein bietet neben einem Stammtisch auch kurzfristig festgelegte Exkursionen an. „Wir wollen interessante Pilze finden“, sagt Peikert. In diesem Jahr hat er ungewöhnlich viele Schweinsohren entdeckt, ein seltener Pilz, der weitläufig mit dem Pfifferling verwandt ist. Diese sehr schmackhafte Art ist allerdings geschützt und sollte nicht gepflückt werden.

Oberallgäuer Pilz-Experte: Warum manche Speisepilze neuerdings giftig wirken

Der von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie geprüfte Pilzsachverständige hält sich zur Zeit mit einer Fortbildung auf dem Laufenden und kennt den neuesten Stand bei Giftpilzen. „Es stellt sich manchmal heraus, dass Pilze, die vorher als Speisepilze galten, giftig wirken, weil Menschen Allergien entwickeln“, sagt der 77-Jährige.

Die Pilzfreunde Altusried helfen im Zweifelsfall, Pilze richtig zu bestimmen

Beim Stammtisch in der Alten Säge in Ermengerst wird auch eine Frischpilzbestimmung angeboten. Jeder, der sich unsicher ist, welchen Pilz er gerade gepflückt hat und ob er gesundheitsschädlich ist, kann sich dort beraten lassen. Der Stammtisch trifft sich am 16. September, 7. Oktober, 11. November und 12. Dezember – jeweils ab 18.30 Uhr. Die Pilzsaison dauere bis etwa Mitte Oktober, wegen der Klimaverschiebung vielleicht sogar länger, sagt Peikert. Beim ersten Bodenfrost sei dann Schluss.

Laut BRK drohen Organschäden und der Tod

Frank Schönmetzler vom Bayerischen Roten Kreuz gibt Tipps, falls Pilz-Freunde doch mal ein giftiges Exemplar erwischt haben: Symptome sind abhängig von Pilz und Menge. Manchmal treten nach weniger als zwei Stunden erste Beschwerden auf. Mögliche Symptome: Übelkeit, Bauchschmerz, Kopf- und Gliederschmerzen, Kreislaufprobleme, Halluzination, Schweißausbrüche, Hitzegefühl, beschleunigter Puls, Blutdruckabfall, erweiterte Pupillen, Sehstörung, tränende Augen, Speichelfluss, Krämpfe, Bewusstlosigkeit.

Beim ersten Verdacht sollten Betroffene den Notruf oder Giftnotruf (089/19240) anrufen. Nicht warten, ob Symptome schlimmer werden.

Erste-Hilfe: Anweisungen der Giftnotrufzentrale befolgen, Pilze oder Erbrochenes sicherstellen und dem Rettungsdienst mitgeben. Bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage, regelmäßig Atmung und Puls prüfen.

Das sollte man im Falle einer Pilz-Vergiftung auf keinen Fall tun

Warnung: Kein Erbrechen herbeiführen; Nicht Milch, Kohletabletten oder Salzwasser verabreichen – das kann die Lage verschlimmern.

Wenn mehrere Personen den Pilz gegessen haben, sollten sich alle in Behandlung begeben – auch ohne Beschwerden. Kleine Kinder, Kranke und Alte sollten nur wenig Pilze essen. Im Zweifel kann eine Vergiftung bei ihnen gefährlichere Folgen haben.