Konzert in Kempten

Ragna Schirmers sensibles Spiel - und die Bedeutung von Masken

Spielte in Kempten: Pianistin Ragna Schirmer (hier bei einem anderen Auftritt).

Spielte in Kempten: Pianistin Ragna Schirmer (hier bei einem anderen Auftritt).

Bild: Maike Helbig

Spielte in Kempten: Pianistin Ragna Schirmer (hier bei einem anderen Auftritt).

Bild: Maike Helbig

Pianistin Ragna Schirmer schnürte ein schönes Programm-Bukett beim Konzert in Kempten. Die Masken der Besucher spielten dabei eine spezielle Rolle.
15.11.2021 | Stand: 17:44 Uhr

Robert Schumanns Klavierzyklus „Carnaval“ ist leuchtstarkes Schlusslicht im Konzertprogramm von Ragna Schirmer. „Sehen wir doch einfach Ihre Masken als einen Beitrag zu diesem Stück“, sagt die Pianistin mit einem Augenzwinkern gleich zu Beginn ihres Auftritts in Kempten. Und schon fällt es den schmunzelnden Besuchern des ersten Meisterkonzerts der Saison im gut gefüllten Stadttheater leichter, 70 Minuten lang die lästigen Corona-Masken aufzubehalten.

Auch die weitere, locker informative Moderation der blondmähnigen Künstlerin zu ihrem Klavierabend, der wegen der beschränkten Zahl an Sitzplätzen zwei Mal an diesem Abend stattfindet, empfindet man als sehr willkommen. Noch dazu hat Ragna Schirmer die vier Teile ihres Programms klug nach gemeinsamem Charakter und nach inneren Zusammenhängen ausgesucht: Auf die überraschungsreiche g-Moll/H-Dur-Fantasie von Ludwig van Beethoven folgen vier buntfarbige Charakterstücke Clara Schumanns. Und vor den abschließenden „Carnaval“-Miniaturen ihres Ehemanns Robert Schumann erklingt die fantastisch-poetische F-Dur-Ballade von Frédéric Chopin. Der hat dieses Werk sogar dem gleichaltrigen, hochgeschätzten Freund Robert Schumann gewidmet. Kann man sich bessere programmatische Verzahnung von musikalisch Geistesverwandtem wünschen?

Eine hochromantische Blütenlese mit sensiblem Spiel

Ragna Schirmer, 1972 in Hildesheim geboren und nun in Halle (Saale) lebend, bindet diese hochromantische Blütenlese mit sensiblem, expressiv-nuancenreichem Anschlag zum bunten Bukett: In Beethovens Fantasie von 1809 entdeckt sie gut hörbar bereits Motive, die dann späte Sonaten dynamisieren. Die neckisch-frechen Vorschläge in Clara Schumanns Charakterstücken scheinen der exzellenten Pianistin besonderen Spaß zu machen. Die improvisierenden Freiheiten bei Chopins Ballade kostet sie fast genüsslich aus.

Und die imaginären musikalischen Maskeraden der „Carnaval“-Szenerie in Robert Schumanns Virtuosen-Mummenschanz? Schirmer stürzt sich mit wahrer Lust ins trunkene Masken-Getümmel, unter Florestan, Eusebius, Chiarina, Estrella und all die anderen.

Was aber will sie mit der stürmisch erklatschten Zugabe sagen – mit der wasserklar-nüchtern daherschreitenden Aria der Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach? Weg mit den Masken! Ja, das kann jetzt sowohl fürs Konzert-Finale gelten als auch für die Zuhörerinnen und Zuhörer auf dem Weg nach Hause – und in eine frei aufatmende Zukunft.

Lesen Sie auch
##alternative##
Klavierkonzert

Yi Lin Jiang spielt zum Jubiläum des Hospizvereins Kaufbeuren