Wasserversorgung im Oberallgäu

Reicht das Wasser im Oberallgäu in diesem Sommer aus?

Nach der großen Trockenheit 2018 mussten Oberallgäuer Landwirte "Wasser fahren". Sowohl sie als auch Gemeinden arbeiten an Maßnahmen, um zu verhindern, dass sich das wiederholt.

Nach der großen Trockenheit 2018 mussten Oberallgäuer Landwirte "Wasser fahren". Sowohl sie als auch Gemeinden arbeiten an Maßnahmen, um zu verhindern, dass sich das wiederholt.

Bild: Matthias Becker (Symbolbild)

Nach der großen Trockenheit 2018 mussten Oberallgäuer Landwirte "Wasser fahren". Sowohl sie als auch Gemeinden arbeiten an Maßnahmen, um zu verhindern, dass sich das wiederholt.

Bild: Matthias Becker (Symbolbild)

Vor zwei Jahren litt das Oberallgäu unter großer Trockenheit. Manche mussten das Wasser von außerhalb heranschaffen. Was sich seither getan hat.

24.08.2020 | Stand: 17:03 Uhr

Zwei Jahre sind vergangen, seit im Sommer 2018 kaum ein Regentröpfchen vom Himmel viel und im Oberallgäu das Wasser auszugehen drohte. Besonders hart getroffen hatte es Wiggensbach und Wildpoldsried. Aus privaten Quellen floss so wenig Wasser wie seit Jahren nicht, manche versiegten ganz. Die Wiggensbacher Verwaltung rief gar zum kollektiven Wassersparen auf. Zwei Landwirte berichten, wie es ihnen seither ergangen ist.

Wildpoldsrieder Landwirt: "Das habe ich noch nie erlebt"

Drei Quellen versorgen den Hof von Siegfried Freudling aus Wildpoldsried: eine Haupt- und zwei Nebenquellen. Letztere schütteten im Sommer 2018 nur noch wenig Wasser, die Hauptquelle fiel ganz aus. „Das habe ich noch nie erlebt“, sagt er. Drei bis vier Monate lang habe er damals Wasser von der Wassergemeinschaft Immental bei Obergünzburg holen müssen.

Die vergangenen zwei Jahre aber habe das Wasser ausgereicht. „Wir hatten ja immer wieder Niederschläge“, erklärt der Landwirt. Allerdings reichten sechs bis acht Wochen ohne Regen aus, um wieder in Nöte zu geraten.

Vier Monate lang Wasser fahren

Konrad Kuisle, ebenfalls Landwirt in Wildpoldsried, bestätigt das. Im Sommer verdunste viel Wasser und man brauche während dieser Jahreszeit am meisten davon, sagt er. Außerdem reichten nicht alle Quellen tief. Seinen Hof und den gesamte Weiler Meggenried versorgen zwei Quellen, deren Wasser in einem Hochbehälter gesammelt wird. Zehn Haushalte sind angeschlossen. Auch er musste vier Monate lang „Wasser fahren“. Grundsätzlich sei es in Meggenried nichts Besonderes, dass die Quellen mal mehr, mal weniger Wasser schütten. Damit müsse und könne man leben. „Aber so schlimm wie 2018 war es noch nie“, sagt Kuisle. Seither funktioniere die Wasserversorgung aber problemlos. „Im April und Mai war es ein bisschen knapp, hat aber ausgereicht.“

Betroffene wollen ans gemeindliche Wassernetz angeschlossen werden

Aufgrund der Erfahrungen aus dem Sommer 2018 haben die Meggenrieder beschlossen, dass sie ans gemeindliche Wassernetz angeschlossen werden wollen und einen entsprechenden Antrag gestellt. Das soll die Versorgung der Haushalte sichern, erklärt Kuisle. Mit dem Wasser aus den Quellen werde dann nur noch die Landwirtschaft bedient – fünf Höfe sind es insgesamt. Zwei weitere Weiler haben es Meggenried gleichgetan, die Planungen laufen.

>> Lesen Sie auch: Bauernpräsident: Ernte 2020 wieder unterdurchschnittlich <<

Die Gemeinde selbst möchte wiederum an den Zweckverband Fernwasser Oberes Allgäu angeschlossen werden. Wasserwart Stefan Dietmayer, der für den Kernort zuständig ist, berichtet zwar, dass es während der vergangenen zwei Jahre keine Probleme gab. „Aber wir dürfen nicht stehen bleiben.“ Ähnliche Interessen haben auch Dietmannsried, Lauben und Altusried – Bezugsrechte sollen aufgestockt, Sicherheitspolster geschaffen werden.

Wiggensbach arbeitet an drei Maßnahmen

Wiggensbach tüftelt derweil an gleich drei Maßnahmen, um künftig eine Situation wie im Sommer 2018 zu verhindern. Weil das Wasser nicht mehr ausreichte, mussten eine Woche lang täglich Tankwagen mit Wasser vom Fernwasserverband gefüllt werden, die die kostbare Fracht zum Hochbehälter transportierten. In einem Rundbrief bat die Gemeinde ihre Bürger darum, Wasser zu sparen. „Duschen statt Baden“ oder „Beim Zähneputzen Wasser nicht ungenutzt in den Abfluss laufen lassen, sondern abstellen“ war darauf zu lesen. Dann wurde eine alte Leitung zwischen Ahegg und Ermengerst als Notlösung wiederbelebt.

Diese ist an den Fernwasserverband angeschlossen und soll nun neu gebaut werden. Außerdem will man die 104 Jahre alte Schorenquelle sanieren und möglicherweise auch im Nordwesten der Gemeinde Trinkwasserleitungen verlegen. Die Notleitung über Ahegg und die Schorenquelle stehen auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung am 28. September, sagt Thomas Ried, in der Verwaltung zuständig für das Wasser- und Kanalnetz. Momentan mache ihm die Wasserversorgung keine Sorgen. Der Bedarf liege bei 12 000 Kubikmetern. Die Quellen schütteten derzeit fast das Fünffache aus. „Es regnet immer wieder mal, das tut uns gut.“