Pferdehof bei Lauben

Reiterhof Weidachsmühle bangt um seine Zukunft - "Wissen nicht, wohin mit den Pferden"

Reitschulbetreiberin Christiane Schudo bangt um die Zukunft von Schulpferd Lukas (vorne) und seinen Kollegen.

Reitschulbetreiberin Christiane Schudo bangt um die Zukunft von Schulpferd Lukas (vorne) und seinen Kollegen.

Bild: Anne-Sophie Schuhwerk

Reitschulbetreiberin Christiane Schudo bangt um die Zukunft von Schulpferd Lukas (vorne) und seinen Kollegen.

Bild: Anne-Sophie Schuhwerk

Er schenkt Pferden, die keiner mehr wollte, eine Bleibe: Dem Reiterhof Weidachsmühle bei Lauben/Oberallgäu droht das Aus. Ein neues Zuhause ist nicht in Sicht.
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Von Anne-Sophie Schuhwerk
02.10.2021 | Stand: 10:36 Uhr

Dem Reiterhof Weidachsmühle bei Lauben droht das Aus. Wie ein Damoklesschwert hängt der Reitschulbetreiberin Christiane Schudo das mögliche vorzeitige Ende des Pachtvertrags über dem Kopf. „Wir brauchen ein neues Zuhause. Aber momentan weiß ich nicht, wohin mit den Pferden und uns“, sagt die 52-Jährige, die den Hof gemeinsam mit ihrem Partner Christian Kraft betreibt.

Seit über acht Jahren bewirtschaften die beiden schon das Anwesen mit rund 30 Pferden und einem besonderen Ansatz. Neben 13 Schulpferden und rund zehn Einstellpferden finden hier derzeit sieben Pferde ihr Gnadenbrot, die nicht mehr für den Reitschulbetrieb geeignet sind. „Ob alte Schulpferde, ausgediente Rennpferde oder Tiere, die auf dem Weg zum Schlachter waren; wir nehmen sie auf - wenn wir können“, erklärt Schudo.

Christiane Schudo: "Mit den Tieren kann man nicht umgehen wie mit einem Fahrrad"

Sie und ihr Partner, die beide aus dem Turniersport kommen, haben es sich auf die Fahnen geschrieben, auch den vermeintlich abgehalfterten Tieren einen würdigen Lebensabend zu bieten. „Das wollen wir auch den Kindern in unserer Reitschule vermitteln. Mit den Tieren kann man nicht umgehen wie mit einem Fahrrad, das in die Ecke gestellt wird, wenn es kaputt ist“, sagt Schudo überzeugt.

Rund 80 Kinder lernen auf dem Hof das Reiten und den fairen Umgang mit Pferden. „Wir wünschen uns, dass der neue Hof auch in Kempten oder der Umgebung ist. Dann können wir unsere Reitschüler und einige Einsteller mitnehmen“, sagt Schudo. Für sie ungemein wichtig. Denn beides finanziert den Unterhalt der Gnadenbrot-Pferde. „Wir brauchen vier bis fünf Hektar Fläche und Platz für rund 30 Tiere“, erklärt Schudo.

Ob Kauf, Pacht, ausgebauter Reitbetrieb oder ehemaliger Milchviehbetrieb ist ihr im ersten Schritt nicht wichtig. „Alles ist denkbar, wenn es sich finanziell darstellen lässt.“

Gnadenhof und Reitschule Weidachsmühle: Christina Schudo und Christian Kraft betreiben eine Reitschule, mit der sie die Unkosten für die Pferde auf dem Gnadenhof herein wirtschaften.
Gnadenhof und Reitschule Weidachsmühle: Christina Schudo und Christian Kraft betreiben eine Reitschule, mit der sie die Unkosten für die Pferde auf dem Gnadenhof herein wirtschaften.
Bild: Matthias Becker (Archivbild)

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Um die Zukunft ihres Betriebs machen sich Kraft und Schudo große Sorgen. Denn selbst mit der fachlichen Qualifikation – er ist Pferdewirt mit Schwerpunkt Reiten und Meister in Zucht und Haltung, sie ist Reitlehrerin – sei es sehr schwer, ein neues Zuhause zu finden. „Kurzum: Unserem Konzept, fair und gut mit Pferden umzugehen, droht das Aus“, sagt Schudo.

Wenn sie und Kraft keine bezahlbare Bleibe finden, blieben nur zwei Wege. Schudo: „Entweder verkaufen wir die Schulpferde und füttern mit dem Geld – solange es geht – die Gnadenbrottiere durch. Oder wir müssen rein auf Schulpferde umsatteln und die Gnadenhof-Pferde verkaufen. Das bedeutet für sie den Schlachter.“

Woanders als in Lauben haben die Pferde keinen Platz

Bemühungen, die Pferde auf anderen Gnadenhöfen unterzubringen, seien bisher gescheitert. „Dafür sehen sie einfach zu gut aus. Sie sind zufrieden, gut gefüttert und haben glänzendes Fell. Sie lassen sich nicht außenwirksam präsentieren“, erzählt Kraft, der in Sachen Übernahme erfolglos mit etlichen anderen Höfen gesprochen hat.

„Wir brauchen einen Ort, an dem unser Konzept genauso weiterlaufen kann“, sagt Schudo. „Die Pferdeschicksale berühren mich.“ Und das drohende Ende der alten und kranken Tiere erst recht. „Sie abzugeben ist der völlig falsche Ansatz. Wir wollen den Kindern den kompletten Werdegang der Tiere zeigen und ihnen nicht vorleben ,was alt ist, taugt nichts und kommt weg´“.

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