Bundestagswahl 2021

Robert Habeck in Kempten: Mit hochgekrempelten Ärmeln gegen das „Aussitzen“

Nach Schätzungen der Polizei kamen am Donnerstag etwa 550 Menschen auf den Hildegardplatz, um Grünen-Chef Robert Habeck zuzuhören.

Nach Schätzungen der Polizei kamen am Donnerstag etwa 550 Menschen auf den Hildegardplatz, um Grünen-Chef Robert Habeck zuzuhören.

Bild: Martina Diemand

Nach Schätzungen der Polizei kamen am Donnerstag etwa 550 Menschen auf den Hildegardplatz, um Grünen-Chef Robert Habeck zuzuhören.

Bild: Martina Diemand

Grünen-Chef Robert Habeck lobt in Kempten vor 550 Zuhörern Noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel, will dann aber doch ein Ende der „politischen Bequemlichkeit“.
17.09.2021 | Stand: 15:19 Uhr

Auf der Bühne liegt grüner Kunstrasen, am Bauzaun vor der Basilika ist ein großes Banner mit der Aufschrift „Klimaschutz – jetzt“ angebracht. Und hier und dort hängen Plakate der Sonthofer Gruppe von „Fridays for Future“, die für ihren Klimastreik am Freitag, 24. September, wirbt. Welche Partei am Donnerstagnachmittag in Kempten Wahlkampf macht, ist von weitem zu erkennen. Nach und nach füllt sich der Hildegardplatz. Am Ende sind es etwa 550 Menschen, die den Grünen-Chef Robert Habeck live erleben wollten. Auffällig an diesem Nachmittag: Unterm Strich fällt der Name Merkel deutlich öfter als der der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock.

Robert Habeck zollt Angela Merkel "hohen persönlichen Respekt"

Für Habeck steht eine Richtungswahl bevor: Auch wenn er der scheidenden Bundeskanzlerin „hohen persönlichen Respekt“ zolle, müsse diese Ära enden. Merkel habe das Land insgesamt gut durch mehrere Krisen geführt. Doch die Politik habe sich darauf zurückgezogen, erst zu reagieren, wenn eine Krise da ist. Diese Form „politischer Bequemlichkeit“, das „Aussitzen“, dürfe sich nicht verlängern. Der Parteivorsitzende fordert, am 26. September so zu wählen, dass die Politik die Antwortlosigkeit nicht zum Grundmuster politischen Verhaltens macht. Denn: „Die Antwortlosigkeit führt sehr schnell zur Verantwortungslosigkeit.“

Bilderstrecke

Grünen-Chef Robert Habeck in Kempten

Und Antworten hat der Mann in dem weißen Hemd und mit hochgekrempelten Ärmeln auf dem Hildegardplatz viele parat, führt eine inhaltliche Rede, die neben dem Klimawandel als größtem Thema viele weitere wie Digitalisierung und Außenpolitik streift. Und er beantwortet Fragen der Zuhörer, erklärt etwa, warum Deutschlands Weg in die Klima-Neutralität für ihn kein Widerspruch zu technologischem Fortschritt ist. Es handle sich hier nicht um Gegenteile: Beides bedinge einander. Sparsamkeit sei gut, „aber am Ende reden wir über technologischen Fortschritt“.

Habeck: "Motivieren statt drangsalieren"

Die Frage, wie die Grünen mit der womöglich durch Corona noch verstärkten sozialen Ungleichheit umgehen wollen, öffnet das Tor zu mehreren Ansätzen. Bei Hartz IV fordert Habeck strukturelle Veränderungen und eine Garantiesicherung, „die den Menschen ihre Würde lässt“. Dazu gehörten höhere Zuverdienstgrenzen und mehr „zu motivieren statt zu drangsalieren“. Weiter wolle man eine Kindergrundsicherung einführen, damit nicht wie bisher sehr reiche Familien über Steuervorteile besser gefördert werden als ärmere.

Habeck erhält immer wieder lautstarken Applaus. Den Corona-Abstand halten die Besucher weitestgehend ein. Den gesamten Nachmittag lang übersetzen zwei Gebärdendolmetscherinnen die Reden. TV-Bildschirme übertragen die Szenerie von der runden Bühne. Zahlreiche Menschen verfolgen das Geschehen auch aus größerem Abstand.

Lesen Sie auch
##alternative##
Robert Habeck in Kempten

Grünen-Chef: „Es geht eine politische Ära zu Ende“

Applausfreudig zeigen sich die Zuhörer auch bei Pius Bandte, Direktkandidat im Wahlkreis Oberallgäu, der sich unter anderem für Klimaschutz und den öffentlichen Verkehr stark macht: Man brauche Geld für Ausbau und Elektrifizierung der Bahnstrecke Lindau-Kempten und nicht für einen „überdimensionierten Ausbau der B 12“.

Das könnte Sie auch interessieren: