Kommentar zum Thema Wohnen

Schöner wohnen ist in Kempten für viele ein unerfüllbarer Traum

Kempten Auf der Halde Nord

Mieten und Wohnen wird in Kempten und dem Oberallgäu immer teurer. Das hat viele Gründe. Manche sind hausgemacht.

Bild: Ralf LIenert (Symbolbild)

Mieten und Wohnen wird in Kempten und dem Oberallgäu immer teurer. Das hat viele Gründe. Manche sind hausgemacht.

Bild: Ralf LIenert (Symbolbild)

Bei Immobilien steht der Preiswahnsinn auf Rekordhöhe. Unser Autor analysiert, welche Ursachen das hat. Er sieht aber auch mögliche Auswege.
21.12.2021 | Stand: 08:35 Uhr

Schöner wohnen – das wird für immer mehr Menschen ein unerfüllbarer Traum. Egal ob Miet-/Eigentumswohnung oder Haus, die Preise steigen ins Unermessliche. Wer als Durchschnittsverdiener kann sich das noch leisten?! Auf Investoren zu schimpfen, ist der falsche Ansatz. Gewiss ziehen sie die Mietpreise mit hoch, schaffen aber zumindest für Besserverdienende Alternativen. Und: Manche Nobelwohnung von heute ist der Altbau von übermorgen.

Tatsächlich sind die Probleme vielschichtig. Bundespolitisch hat etwa die Abschaffung der Eigenheimzulage den Wohnungsmarkt negativ beeinflusst. Neue Vorgaben verteuern das Bauen stetig. Minuszins und Inflation treiben den Preiswahnsinn immer weiter nach oben. Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt in Kempten und Teilen des Oberallgäus hat viele Ursachen. Um so fataler ist es, wenn günstige Wohnungen leer stehen oder gar abgerissen werden.

54 Wohnungen stehen als Manövriermasse leer, weil die Bima sanieren, neu bauen oder an die Sozialbau Kempten verkaufen will

Leer sind beispielsweise 54 Wohnungen in der Rottachsiedlung. Sie dienen als Manövriermasse, weil die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben dort Wohnungen sanieren oder neu bauen oder einen Teil des Areals an die Sozialbau Kempten verkaufen will. Das alles ist richtig. Nur ist jetzt die richtige Zeit für solche Leerstände?

Wichtig ist auch, dass die Firma Liebherr Platz für eine Produktionserweiterung findet. Ob der Eigentümer die südliche Wiese verkaufen wollen würde, ist die eine Frage. Fakt ist aber: Weder Bebauungs- noch Flächennutzungsplan ermöglichen dort eine industrielle Nutzung. Die Stadt hat es versäumt, auch nur die planungsrechtliche Chance für eine Erweiterung an der Stelle zu schaffen.

Liebherr in Kempten braucht Platz und will 79 Wohnungen abreißen

Nun will Liebherr 79 Wohnungen in zwei Mietblocks und fünf Doppelhäusern abreißen. Die Menschen müssen bis Ende 2022 ein neues Zuhause suchen. Gewiss: Wohnungen sind kein Kerngeschäft der Industrie. Doch entstanden sind sie wohl aus sozialer Verantwortung und um Mitarbeiter zu binden.

Lesen Sie auch
##alternative##
Wohnen

Leerstände in der Ostbahnhofstraße in Kempten - Welcher Deal dahinter steckt

Eine Konsequenz ist nun auch, dass all’ diese Menschen zur Arbeit fahren müssen, wenn sie nicht mehr aus den Werkswohnungen über den Hof laufen können. Die Entkopplung von Wohn- und Arbeitsräumen ist eine Kernursache für Verkehrsprobleme. In Kempten fällt so eines der letzten großen Areale mit Firmenwohnungen. Es bleibt die Wohnungsgenossenschaft der Eisenbahner mit vielen Quartieren unter anderem in der Eich.

Nur am Rande: Im aktuellen Mieterbrief kündigt die Genossenschaft an, auf eine im Januar fällige Mieterhöhung zu verzichten, um denen beizustehen, die in Folge der Pandemie finanziell zu kämpfen haben. Das ist soziale Verantwortung!

Soziale Bodennutzung ist ein Schlüssel - etwa durch günstige Grundstücke per Erbpacht

Was muss sich ändern? Der Preis. Soziale Bodennutzung ist ein Stichwort, für das sich die SPD in Kempten schon länger einsetzt. Gibt die Stadt etwa Baugrund per Erbpacht ab, senkt sie die Kosten und damit Miet- und Kaufpreise. Gerade bei großen Wohnanlagen bringt das vielen Menschen etwas. Nebenbei erhält die Stadt öffentliches Vermögen, statt es zu privatisieren – Handlungsspielraum für künftige Generationen. Besonders wichtig ist das bei zentralen Schlüsselgrundstücken.

Und wenn die öffentliche Hand Grundstücke nicht einfach an Meistbietende verkauft, könnte sie auch auf Konzeptvergaben setzen. Das bedeutet: Sie gibt Ziele der Bebauung vor und wählt den Partner, der diese am besten umsetzt. Vielleicht wäre es so nicht zu einem fatalen Stillstand wie beispielsweise im ehemaligen Kreiskrankenhaus gekommen. Allein von der Hoffnung, dass es dort irgendwann weitergeht, hat jedenfalls keiner ein Dach über dem Kopf.

Hier lesen Sie:

Sie wollen immer über die neuesten Nachrichten aus Kempten informiert sein? Abonnieren Sie hier unseren kostenlosen, täglichen Newsletter "Der Tag in Kempten".