Theater in Kempten

Sebastian Strehler neu im Kemptener Schauspieler-Team

Sebastian Strehler ist neu im Team des Theaters in Kempten. Hier ist er in der Rolle des Seppel im "Räuber Hotzenplotz" zu sehen.

Sebastian Strehler ist neu im Team des Theaters in Kempten. Hier ist er in der Rolle des Seppel im "Räuber Hotzenplotz" zu sehen.

Bild: Matthias Becker

Sebastian Strehler ist neu im Team des Theaters in Kempten. Hier ist er in der Rolle des Seppel im "Räuber Hotzenplotz" zu sehen.

Bild: Matthias Becker

Der Hamburger Sebastian Strehler hat sich aus vielen Gründen fürs Kemptener Ensemble entschieden. Derzeit probt er ein Weihnachtsstück. Das ist aber erst im Advent 2021 zu sehen ist.
04.12.2020 | Stand: 09:48 Uhr

Es ist zum Haareraufen. Das Baby, das da auf einem einfachen Holzbock liegt, will nicht zu plärren aufhören. Was tun? Die beiden Männer, die das Kind am Hals haben, verzweifeln schier. Der eine heißt Ox und dreht langsam durch wegen des Geschreis. Er brüllt den anderen Mann an, er soll das Kind endlich wegschaffen. Der heißt Esel und benimmt sich auch so. Und das Kind schreit einfach weiter.

Hört sich dramatisch an, ist aber recht lustig. Genau das Richtige für das Weihnachtsstück des Theaters in Kempten, das derzeit geprobt wird. Schließlich will man den kleinen wie großen Zuschauern etwas Vergnügliches zum Fest bieten. „Ox und Esel“, einen Komödienklassiker von Norbert Ebel, hat sich Intendantin Silvia Armbruster ausgesucht und als Regisseurin Jennifer Sittler gewonnen. Sittler probt mit Christian Kaiser und Sebastian Strehler seit einigen Wochen, erst in der Theaterwerkstatt, nun im großen Haus. Es geht bereits um Details, etwa wie wütend Ox sein darf, oder wie lange Esel eine Pause machen, bevor er weiterredet. Dabei haben die Drei jede Menge Spaß. Immer wieder lachen sie lauthals über Vorschläge oder witzige Kommentare.

Das Stück bleibt ein Jahr lang in Warteposition

Seit kurzem aber ist klar: Dieses Stück, das am 12. Dezember, im Kemptener Stadttheater hätte Premiere feiern sollen, kann nicht mehr aufgeführt werden – weder vor Weihnachten noch ersatzweise nach Weihnachten. Denn erneut wirbelt das Coronavirus die Pläne und Termine des Theaters durcheinander. Der Lockdown soll den jüngsten Beschlüssen zufolge bis 10. Januar andauern. Danach will aber kein Mensch mehr eine Geschichte mit einem schreienden Jesuskind in einer Krippe und zwei komische Gestalten namens Ox und Esel sehen. Ist nun alles für die Katz gewesen?

„Ox und Esel“ wird bis zur Aufführungsreife weitergeprobt. Dann bleibt es freilich ein Jahr lang liegen. Kurz vor der Premiere im Dezember 2021 wird es nochmals fünf Tage geprobt. Aber verliert man nicht die Lust, wenn die erste Aufführung noch weit weg liegt? „Nein, überhaupt nicht“, sagt Sebastian Strehler. „Es fühlt sich witzigerweise so an, als ob wir nächste Woche Premiere hätten.“

Szene aus den Proben für das Weihnachtsstück "Ox und Esel" mit (von links) Regisseurin Jennifer Sittler sowie den Schauspielern Sebastian Strehler und Christian Kaiser.
Szene aus den Proben für das Weihnachtsstück "Ox und Esel" mit (von links) Regisseurin Jennifer Sittler sowie den Schauspielern Sebastian Strehler und Christian Kaiser.
Bild: Matthias Becker

Strehler ist der Neue am Kemptener Theater. Direktorin Armbruster, die ihn als Studenten an der Theaterakademie in München kennenlernte, hat ihn für eine halbe Stelle verpflichtet. Sie will das Ensemble vergrößern und mittels mehr Eigenproduktionen noch flexibler werden. Vor kurzem ist Sebastian Strehler von Hamburg-Stadtmitte, wo er bisher als freischaffender Schauspieler, Sänger und Musiker lebte, nach Thingers umgezogen. Größer könnte das Kontrastprogramm nicht sein. Was dem 39-Jährigen aber nichts ausmacht. „Kempten hat alles, was ich brauche“, sagt er. Am hiesigen Theater sei er ja sowieso schon dauernd beschäftigt gewesen, fährt Strehler dort. Jetzt fahre er anstatt mit dem ICE mit dem Fahrrad zur Arbeit. Außerdem gefalle es ihm, in einem festen Team zu sein. Und seiner Partnerin, die in Innsbruck wohnt, sei der nun auch ein Stück nähergekommen.

Strehler: "Ich mag gute Geschichten - egal ob gesungen oder gespielt"

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Nebenbei absolviert er eine Gesangsausbildung, um sich künftig beruflich breiter aufzustellen. Da liegt die Frage nahe, ob er auf der Bühne lieber singt oder spielt. Erst nach kurzem Zögern antwortet der Allrounder – und zwar sibyllinisch: „Ich mag gute Geschichten, egal ob gesungen oder gespielt.“ Wenn es um die Wahl zwischen Drama und Komödie geht, ist seine Präferenz klarer: Lieber mache er was Lustiges. „Das entspricht meinen Naturell.“ Was die Kemptener Kolleginnen und Kollegen bestätigen. Wenn Strehler einen Raum betrete, gehe die Sonne auf, sagt Theatersprecherin Nicole Schönmetzer.

Aufführungen sind verboten, Proben nicht. Deshalb wird am Theater in Kempten nicht nur „Ox und Esel“ auf den Weg gebracht. Gerade startet Regisseurin Annette Wunsch zusammen mit den Schauspielern Julia Jaschke und Hans Piesbergen die Inszenierung von „Love Letters“. Premiere ist am 16. Januar – sofern die Regierung mitspielt.