Kempten/Oberallgäu

Sie regeln das

Fußball Mit einer Imagekampagne machen die Schiedsrichter in Bayern Werbung in eigener Sache. Im Oberallgäu beginnt demnächst ein Lehrgang für Neueinsteiger

08.06.2020 | Stand: 14:31 Uhr

Ein Platz, ein Ball, zwei Tore, zwei Teams und Fans, die ihr Team bedingungslos anfeuern. Und mittendrin der Schiedsrichter, der entscheidende Mosaikstein, ohne den ein geregelter Spielbetrieb gar nicht möglich wäre. Auf der schwierigen Suche nach Neulingen startete der Bayerische Fußball-Verband (BFV) im vergangenen Jahr die Kampagne „Wir regeln das“. In acht verschiedenen Spots, die vor allem in den sozialen Netzwerken zu sehen sind, wird deutlich, dass sich die Aufgaben eines Schiedsrichters nicht nur auf Anpfiff, Abpfiff, Abseits, Tor und Foul beschränken.

In Kempten und dem Oberallgäu startet demnächst wieder ein Lehrgang für Interessierte(siehe Infokasten). Kevin Mitchell, Obmann der Schiedsrichtergruppe, rührt mit seinem Team schon länger die Werbetrommel. Ganz so schlecht wie Kollegen in anderen Regionen Deutschlands geht es der Gruppe Kempten-Oberallgäu aber nicht. Mitchell erzählt: „Ich kann mich nicht beklagen. Wir haben derzeit etwa 90 Aktive, die pro Jahr mindestens ein Spiel pfeifen, und einen Altersdurchschnitt von knapp 35 Jahren.“ Zu den Neulingskursen kamen in den vergangenen Jahren regelmäßig rund 15 Männer. „Leider trauen sich immer noch viel zu wenig Frauen“, sagt Mitchell. Dabei prophezeit er genau denen die große Chance, in kürzester Zeit bis auf nationale Ebene in den Bereich des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) aufzusteigen.

Junge Teilnehmer sind ebenso willkommen wie erfahrene Fußballer, die ihre aktive Laufbahn beendet haben. „Wer über 20 Jahre Fußball gespielt hat, wird auch in der Lage sein, ein Spiel in der A- oder B-Klasse sicher und souverän über die Bühne zu bringen“, meint der Obmann. Die große Schwierigkeit sei es vielmehr, die neuen Schiedsrichter nach dem Kurs bei der Stange zu halten. Mitchell gibt die Schuld dabei auch den Fußballern und Vereinen selbst. Er sagt: „Weil die Kameraden in den ersten Spielen draußen gleich so kaputt gemacht werden, dass sie schnell keine Lust mehr haben. In der Regel bleiben nach dem Kurs langfristig nur drei, vier Neue übrig.“

In der Schiedsrichtergruppe Kempten-Oberallgäu wird seit Kurzem versucht, die Neulinge bei den ersten drei Einsätzen mit dem sogenannten Tandem-Modell zu unterstützen. Zwei Unparteiische leiten dabei eine Partie miteinander. Jeweils ein neuer mit einem erfahrenen Referee. Mitchell erklärt: „Sie sind zu zweit auf dem Platz und jeder leitet eine Halbzeit. Der andere darf aber jederzeit eingreifen. Das kommt gut an, auch bei den Vereinen.“ Auch das Gesellige erwähnt der Obmann freilich gerne, wenn es darum geht, Werbung in eigener Sache zu machen. Etwa Lehrabende, Grillfeste und den internen Wettkampf um den Kilometerfresser-Pokal. Letzteren bekommt am Ende des Jahres jeweils derjenige, der bei Einsätzen und Trainings das größte Laufpensum zurücklegt.