Nachruf

Sie war der Motor für Stolpersteine in Kempten - Ibo Gauter stirbt mit 79 Jahren

Ibo Gauter mitbegründete 2009 die Initiative Stolpersteine in Kempten.

Ibo Gauter mitbegründete 2009 die Initiative Stolpersteine in Kempten.

Bild: Ralf Lienert (Archivfoto)

Ibo Gauter mitbegründete 2009 die Initiative Stolpersteine in Kempten.

Bild: Ralf Lienert (Archivfoto)

Ibo Gauter aus Kempten bezeichnete sich selbst als „Jüdin vom Dienst“. Nun starb sie mit 79 Jahren. Für die deutsch-israelischen Beziehungen hat sie viel getan.
07.05.2021 | Stand: 18:13 Uhr

Ibo Gauter, die Vorsitzende der Initiative Stolpersteine für Kempten und Umgebung, ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Die Kunsttherapeutin war viele Jahre Motor für die Erinnerungskultur in Kempten.

Sie hatte jüdische Wurzeln, wurde christlich getauft, war als Kind in ihrem Geburtsort Esslingen mit dem Judentum in Berührung gekommen und später konvertiert. „Ich fühle mich als Deutsch-Jüdin“, hatte sie immer wieder bei öffentlichen Veranstaltungen betont und damit ihre Zuhörer provoziert.

Schon als Studentin war Ibo Gauter für den deutsch-israelischen Austausch aktiv

Als Studentin war sie Vorsitzende einer deutsch-israelischen Studiengruppe, einem Vorläufer der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Sie gehörte zu einer Gruppe von jungen Studierenden, die durch Besuche in Israel die diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel 1964 vorbereiteten. Auf diese Weise lernte sie 1965 ihren Mann, den Friedensaktivisten Johann Georg Gauter, kennen, denn der war der Auslandsreferent. Ein Jahr später hat sie den evangelischen Pfarrer geheiratet.

Mit ihrem Mann verfolgt die Kemptenerin Nazi-Juristen

Mit ihm zusammen hat sie Nazi-Juristen verfolgt: „Todesurteile sind die Grundlage unserer Ehe.“ Das Paar kümmerte sich um Juristen, die an Sondergerichten in den von Deutschland besetzen Ländern Todesurteile fällten.

Die Mutter von zwei Kindern, die mehr als 50 Mal Israel besucht hatte, bezeichnete sich in Kempten gerne als „Jüdin vom Dienst“: „Ich gehe auch gerne auf Podien und lass mich gerne fragen.“ Sie wollte Vorurteile abbauen: „Ich will alles tun, um antisemitische Tendenzen zu benennen und behilflich sein, dass die Hintergründe klar werden.“

„Stolpern bedeutet für uns Innehalten": Ibo Gauter setzte sich für Gedenken ein

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2009 wurde die Initiative Stolpersteine von Gauter zusammen mit ihrem Mann, Dr. Dieter Weber und Dr. Peter Schindler ins Leben gerufen. Sie verstand die inzwischen 33 Messing-Steine als dezentrales Denkmal für die Opfer des NS-Regimes. Bei den alljährlichen Gedenktagen zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau sagte sie einmal: „Stolpern bedeutet für uns Innehalten, sich die Erlaubnis geben, Gewohntes neu zu bedenken.“

Den Verein führt nun Martin Huss kommissarisch weiter.

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