Kempten/Oberallgäu

Spannern keine Chancen geben

Cambomare Fotografierverbot

Cambomare Fotografierverbot

Bild: Matthias Becker

Cambomare Fotografierverbot

Bild: Matthias Becker

Sicherheit Ein Mann hat im Cambomare eine Frau in der Umkleidekabine gefilmt. Dürfen Handys überhaupt in Freizeitbäder mitgenommen werden? Manche verbieten das, andere haben andere Lösungen
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Von René Buchka
05.11.2019 | Stand: 17:23 Uhr

Handys sind in Schwimmbädern bei vielen immer in Reichweite. Die Kinder beim Rutschen aufnehmen, mit der Freundin ein Foto posten oder einfach nur Musik hören – das ist auch im Freizeitbad gefragt. Doch nicht alle Gäste sind begeistert, wenn der Nachbar im Liegestuhl das Handy zückt. Der Extremfall trat am Samstag ein, als ein Spanner von einer Frau in der Umkleidekabine Aufnahmen gemacht hat. Wie kann das passieren? Dürfen Handys überhaupt mitgebracht werden? In Kempten schon, allerdings mit Einschränkungen. In anderen Bädern sind Mobiltelefone verboten.

Ein 31-jähriger Mann hat wie berichtet am Samstag im Cambomare in Kempten eine Frau in der Umkleidekabine gefilmt. Der Spanner wurde erwischt und der Polizei übergeben. Doch wie können Hallenbadbetreiber solche Vorfälle verhindern? Die Handys am Eingang abgeben zu lassen, halten die von uns befragten Verantwortlichen für aussichtslos. Sie setzen eher auf Aufsichtspersonal und Klebesiegel.

Diese werden im Cambomare ausgegeben. Wer ein Handy ins Freizeitbad mitnehmen will, muss damit laut Betriebsleiter Bernhard Dengel die Front- und Rückkamera versiegeln oder das Handy im Spind lassen. Plakate und das Personal weisen die Besucher darauf hin. Bemerkt eine Aufsicht eine unversiegelte Kamera, biete der Mitarbeiter die Aufkleber an – „oder das Handy muss verschwinden“. Denn ein generelles Handyverbot gibt es in Kempten nicht. Mündigen Bürgern, sagt Dengel, könne man nicht einfach das Handy wegnehmen. Früher seien beispielsweise in der Sauna keine Mobiltelefone erlaubt gewesen. Jetzt schon – aber nur versiegelt. So können die Besucher beim Schwitzen Musik hören oder Nachrichten schreiben, nur nicht fotografieren. Wie reagieren die Gäste darauf? „Stammgäste kennen das schon und sind dankbar, dass sie ihre Handys benutzen dürfen“, sagt Dengel.

Einen anderen Weg, nämlich ein absolutes Handyverbot, schlägt Heidi Köberle, Geschäftsführerin im „Erlebnisbad Aquaria“ in Oberstaufen, ein: „Wir setzen auf viel Aufsichtspersonal“.

Zusätzlich gebe es Durchsagen, die die Gäste auf das Verbot hinweisen. Entdeckt ein Mitarbeiter dennoch eines, werde der Inhaber höflich darauf aufmerksam gemacht, dass Mobiltelefone nicht erlaubt seien. „95 Prozent der Leute sind einsichtig“. Den meisten sei gar nicht bewusst, dass ihr Tun andere verunsichern könnte.

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Was immer wieder passiere: Dass Fotos aus dem Hallenbad in sozialen Netzwerken landen. „Bis jetzt hat sich noch niemand beschwert, es sind keine unangenehmen Bilder aufgetaucht“, sagt die Geschäftsführerin. Die Handys gleich beim Eintritt einzusammeln, hält Köberle für keine Lösung: „Das wäre wahnsinnig viel Aufwand, wir bräuchten extra einen Mitarbeiter, der nur die Handys verwaltet.“

Für Alfred Sowade, Betriebsleiter des „Alpspitz-Bade-Centers“ in Nesselwang, sind Kleber wie im Cambomare kein Thema. In der Sauna herrsche Handyverbot, im Badebereich schreiten Mitarbeiter ein, wenn jemand zu viele Fotos macht. Meistens fotografieren Eltern ihre Kinder oder sich selbst. Seiner Ansicht nach gibt es keine Handhabe, das Handy an der Kasse abzunehmen.

Kommt es dennoch zu einem Vorfall wie jetzt im Cambomare, verfolgt die Polizei gleich mehrere Straftaten: Durch die Aufnahmen verletzt der Spanner den höchstpersönlichen Lebensraum. Filmt oder fotografiert der Täter Kinder, stellt er damit Kinderpornografie her – und macht sich deshalb strafbar. Wer die Aufnahmen verbreitet, begeht zusätzliche Straftaten.

Im Fall des 31-Jährigen müssten die Beamten jetzt das Handy auswerten.