Bundestagswahl 2021

Stephan Thomae (FDP) im Interview: „Über Posten gibt es noch keine Diskussionen“

Stephan Thomae

Der Sulzberger und FDP-Politiker Stephan Thomae kandidiert erneut für den Bundestag. Sein persönliches Ziel: doppelt so viele Erststimmen wie im Jahr 2017.

Bild: Ralf Lienert

Der Sulzberger und FDP-Politiker Stephan Thomae kandidiert erneut für den Bundestag. Sein persönliches Ziel: doppelt so viele Erststimmen wie im Jahr 2017.

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Der Oberallgäuer FDP-Direktkandidat Stephan Thomae ist gegen kostenpflichtige Corona-Tests. Trotzdem würde er gerne mit der Union zusammenarbeiten. - Mit Video!
02.09.2021 | Stand: 18:56 Uhr

Stephan Thomae (53) will Kempten sowie die Landkreise Oberallgäu und Lindau auch weiterhin in Berlin vertreten. Der FDP-Bundestagsabgeordnete hat bereits klare Vorstellungen, mit wem die Liberalen im Falle einer Regierungsbeteiligung koalieren – und vor allem: mit wem nicht. Im Interview spricht er zudem über Mobilität im Allgäu, Klimaschutz und Corona-Politik.

(Lesen Sie auch: Bundestagswahl 2021: Das sind die Direktkandidaten im Wahlkreis 256)

Herr Thomae, Sie sind bereits Bundestagsabgeordneter, wollten Bürgermeister in Oberstdorf werden, waren im Kreistag. Was reizt sie an einem politischen Mandat?

Stephan Thomae: Kaum ein anderer Beruf befriedigt Wissbegier so wie der Politikerberuf. Nichts ist so aufschlussreich wie ein Ortstermin - ob in Afghanistan, auf der griechischen Insel Lesbos oder in Oberstdorf. Man ist dabei, wenn Entscheidungen getroffen werden, kann mitgestalten und Diskussionen anstoßen, um die Probleme der Menschen zu lösen.

Warum sollten die Wählerinnen und Wähler gerade Sie wählen?

Thomae: Ich bin authentisch und versuche, bei den Menschen zu sein. Ich lasse mich gerne fordern, bin lernbereit, versuche aber, meine Linie beizubehalten.

Sie sind katholisch, haben eine Familie mit drei Kindern, sind in Vereinen engagiert – welche Werte sind Ihnen wichtig?

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Thomae: Verlässlichkeit, Eigenverantwortung – und Verantwortung für andere zu übernehmen.

FDP-Direktkandidat Stephan Thomae sieht im Ober- und Westallgäu vor allem bei Bus und Bahn Handlungsbedarf

Wo sehen Sie in Ihrem Wahlkreis Handlungsbedarf?

Thomae: Vor allem in der Mobilität. Wir müssen auf der Schiene vom Diesel wegkommen und den Weg hin zu einer Wasserstoffzukunftsregion finden. Wasserstoff ist ein Energieträger mit Zukunft. Nicht umsonst haben wir das Thema schon vor Jahren mit Runden Tischen in Gang gesetzt und Akteure vor Ort zusammengebracht. Mittlerweile haben andere die Potenziale auch erkannt.
Tourismus ist ein weiteres wichtiges Thema. Das Allgäu ist durch die Allgäu GmbH gut vernetzt und gut aufgestellt. Doch im Vergleich mit anderen Ländern - wie Österreich – können wir vieles noch besser machen. Unter den Vorzeichen der Pandemie müssen wir verhindern, dass der Tourismus im Herbst und im Winter wieder ins künstliche Koma fällt. Deswegen müssen wir einen weiteren Lockdown unbedingt abwenden.

Wie kann das aus Ihrer Sicht gelingen?

Thomae: Impfen und Testen. Wir brauchen jetzt eine intelligente Impfkampagne. Und Corona-Tests sollten kostenlos bleiben. Dafür künftig Geld zu verlangen, ist ein großer Fehler. Es gibt Menschen, für die sind zehn Euro viel Geld. Die Ungeimpften werden sich verstärkt im Privaten treffen. Dadurch steigt dort die Infektionsgefahr.

Direktkandidat Stephan Thomae (FDP) vor der Bundestagswahl: "Auf Söder ist kein Verlass"

Wie glaubhaft ist Söders Ansage, in Bayern wird es keinen dritten Lockdown geben?

Thomae: Auf Söder ist kein Verlass.

Thema Klimaschutz: Sie haben im Bundestag gegen eine Änderung des Klimaschutzgesetzes gestimmt. Wie sind Ihre Alternativ-Vorschläge?

Thomae: Wir müssen die Pariser Klimaschutzziele einhalten und eine gesetzliche Regelung bei den Emissionszertifikaten für Handel und Wirtschaft finden. Das ist ein ziemlich gutes Instrument, weil sich dadurch CO2-Mengen begrenzen lassen. Über Besteuerung und Abgaben bewirken wir keine Verhaltensänderung.

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Thema Wohnen: Welche Möglichkeiten gibt es, den Markt so zu steuern, dass es wieder mehr bezahlbare Wohnungen gibt?

Thomae: Die Baupolitik muss sich ändern. Bauen muss leichter gemacht werden – und günstiger. Die extrem rigiden Vorschriften vor allem im Außenbereich müssen gelockert werden. Die Mietpreisbremse jedenfalls sorgt nicht dafür, dass sich die Situation entspannt. Sie verhindert eher, dass Investoren noch bauen wollen. Und wenn das Angebot knapp ist, steigen die Preise.

Ein Blick auf die Außenpolitik, nach Afghanistan. Sie waren 2012 selbst vor Ort. Plädieren Sie für eine Aufnahme weiterer Flüchtlinge?

Thomae: Deutschland steht ganz klar mit in der Verantwortung – wie die westliche Welt und Europa überhaupt. Aber vordringlich und sinnvoll ist es, die Flüchtlinge heimatnah in den Nachbarländern unterzubringen. Mit internationaler Hilfe.

Vor der Bundestagswahl 2021: Mit wem FDP-Mann Thomae nicht koalieren will

Die FDP will dieses Mal mitregieren. Mit wem würden Sie am liebsten eine Koalition eingehen?

Thomae: Mit der Union. Auf keinen Fall mit extremen Parteien wie den Linken und der AfD.

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In welcher Rolle sehen Sie sich selbst, sollte die FDP Teil der Regierung werden? Wird es wieder einen Allgäuer Minister geben?

Thomae: Wie die Ministerposten dann verteilt werden, weiß ich heute natürlich nicht. Darüber gibt es derzeit keine Diskussionen.

Wie hoch schätzen Sie Ihr persönliches Wahlergebnis ein?

Thomae: Mein Ziel wäre, mein persönliches Erststimmenergebnis im Vergleich zu 2017 zu verdoppeln. (Anmerkung der Redaktion: Thomae erreichte damals ein Erststimmenergebnis von 7,0 Prozent, die FDP holte bundesweit bei den Zweitstimmen 10,7 Prozent.)       

Steckbrief: Das ist FDP-Direktkandidat Stephan Thomae

  • Alter: 53
  • Beruf: Rechtsanwalt
  • Familienstand: Verheiratet, drei Kinder.
  • Partei: Seit 1999 Mitglied in der FDP, seit 2004 im Landesvorstand der FDP Bayern. 2009 im Bundestag (über die Liste). 2017 Wiedereinzug in den Bundestag (über die Liste). Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion, ordentliches Mitglied im Parlamentarischen Kontrollgremium, im Richterwahlausschuss und im Gremium nach Artikel 13 Absatz 6 Grundgesetz sowie stellvertretendes Mitglied im Innen-, Rechts-, Sport- und Petitionsausschuss sowie im Ausschuss für Geschäftsordnung, Wahlprüfung und Immunitätsangelegenheiten sowie im Gemeinsamen Ausschuss von Bundestag und Bundesrat. Bezirksvorsitzender der FDP Schwaben, Mitglied im Präsidium der FDP Bayern.
  • Ehrenämter: 2014 bis 2020 Kreisrat im Oberallgäu, Bezirksleiter im Bezirk Sonthofen des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes, Vorsitzender des Freundeskreises des Schwäbischen Jugendblasorchesters, Vorsitzender des Vereins der ehemaligen Gymnasiasten am Carl-von-Linde-Gymnasium Kempten.
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