Beleuchtung vs. Stromsparen

Kempten schaltet die Lichter aus – aber nicht überall

Auch an der Residenz werden ab Oktober die Außenstrahler abgeschaltet. Bei ihren 16 Christbäumen will die Stadt nur noch die mit LED-Lichtern leuchten lassen. Die anderen werden ohne Lichterketten geschmückt.

Auch an der Residenz werden ab Oktober die Außenstrahler abgeschaltet. Bei ihren 16 Christbäumen will die Stadt nur noch die mit LED-Lichtern leuchten lassen. Die anderen werden ohne Lichterketten geschmückt.

Bild: Ralf Lienert (Archivbild)

Auch an der Residenz werden ab Oktober die Außenstrahler abgeschaltet. Bei ihren 16 Christbäumen will die Stadt nur noch die mit LED-Lichtern leuchten lassen. Die anderen werden ohne Lichterketten geschmückt.

Bild: Ralf Lienert (Archivbild)

Gebäude, Christbäume und 10.000 Straßenlaternen - An einigen Stellen in der Stadt wird es künftig dunkler. Wo Kempten Strom sparen will und wo nicht.
27.09.2022 | Stand: 09:18 Uhr

Müssen die Kemptener und Kemptenerinnen sich vor lauter Stromsparen bald nachts durch dunkle Fußgänger-Unterführungen tasten? Nein, da will die Stadt das Licht nicht abschalten. „Die Menschen haben ein Sicherheitsbedürfnis“, sagt Oberbürgermeister Thomas Kiechle und will dem auch Rechnung tragen. In anderen Bereichen wird die Stadt aber schon deutlich weniger hell strahlen. Ein Blick auf aktuelle Überlegungen:

  • Christbäume: 16 Stück stellt die Stadt jedes Jahr auf. Ein Teil hat bereits stromsparende LED-Lichter – sie sollen auch heuer leuchten, aber nicht mehr so lange. Soweit es für Christbäume nur alte Lampen gibt, will die Stadt diese Bäume heuer schön schmücken und auf die Lichter verzichten. (>>>Lesen Sie hier: Warum ein Blackout im Allgäu zum Horrorszenario werden kann)
  • Parkplätze: Auf städtischen Parkplätzen sollen weiterhin nicht die Lichter ausgehen. Dort sieht die Stadt ähnlich wie bei Fußgänger-Unterführungen ein Sicherheitsbedürfnis: Autofahrerinnen und -fahrer sollen auf unübersichtlichen Parkplätzen nicht durchs Stockdunkle laufen müssen.
  • Straßenlaternen: 10.000 Laternen leuchten den Menschen in Kempten den Weg nach Hause oder etwa zur Arbeit aus. Die Stromkosten dafür betragen heuer 550.000 Euro. Der Preis ist noch vertraglich gesichert; die Stadt muss hier zumindest finanziell nicht nervös werden. 30 Prozent der Laternen sind bereits auf LED-Technik umgerüstet. Alle Lampen umzurüsten, wird jedoch noch viele Jahre dauern; jedes Jahr plant die Stadt dafür zumindest 100.000 Euro im Etat ein.

    Laut Kiechle ist es bisher nicht möglich, die Laternen in einzelnen Straßen oder kleinen Abschnitten abzuschalten, weil sie in großen Schaltkreisen verbunden sind. Aktuell prüfe die Verwaltung, ob sich die Schaltkreise ändern lassen. Das Ziel: Bereiche abschalten, in denen es verträglich ist. Ebenso läuft es bei der Frage, wo sich Laternen dimmen lassen.
  • Öffentliche Gebäude: Auch Kempten muss die Energie-Einsparverordnung des Bundes umsetzen und strahlt ab 1. Oktober öffentliche Gebäude nicht mehr an. Ob Rathaus, Residenz, Zumsteinhaus oder Kirchen wie die St.-Lorenz-Basilika – an vielen Stellen bleiben ab nächster Woche die Lichter aus. Zappenduster wird es in vielen Gebäuden dennoch nicht, da zumindest Notbeleuchtungen (Fluchtwege) funktionieren müssen.
  • AÜW/Cambomare: Anfragen etwa von Bürgern und der ÖDP gab es beispielsweise auch zu Gebäuden wie dem AÜW-Kraftwerk „Alte Spinnerei“. Das Allgäuer Überlandwerk schalte bereits alles ab, was nicht sicherheitsrelevant ist, sagt Kiechle.

    Auch das Licht am Kemptener Freizeitbad sorgt für Gesprächsstoff. ÖDP-Stadtrat Michael Hofer trug eine Bürgerbeschwerde ans Rathaus heran, weil das Cambomare mitten in der Nacht beleuchtet sei. „Wir schalten jetzt alles ab, was nicht an sein muss“, sagt Bernhard Dengel, Betriebsleiter Bäder im Kemptener Kommunalunternehmen (KKU). Auch die Werbebeleuchtung bleibt künftig dunkel, obwohl sie mit LED-Technik keinen hohen Verbrauch habe und man den Strom selbst erzeuge. (>>>Hier lesen Sie: Außengastronomie in Kempten: Warum müssen manche um 22 Uhr schließen - und manche nicht?)

OB Kiechle: Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde hilft, zumindest indirekt Gas zu sparen

Rückblickend zeigt sich Rathauschef Kiechle froh, dass die Stadt Kempten schon vor 20 Jahren ein eigenes Energiemanagement eingerichtet habe. Anders als manch andere Kommune habe man bereits sehr viel Sparpotenzial erarbeitet und umgesetzt. „Das hilft uns jetzt.“ Doch man wolle noch mehr Strom einsparen. Die Stadt beziehe zwar zu 100 Prozent Ökostrom, aber auch da helfe jede nicht verbrauchte Kilowattstunde, zumindest indirekt Gas zu sparen. Denn dieser Strom steht dann ja woanders zur Verfügung.