Erinnerungen an die Feiertage

Stubenmusik, Umzug und Wodka-Orangen: Menschen aus Kempten erzählen besondere Weihnachtsgeschichten

Jede Familie hat ihre eigenen Traditionen: Gemeinsames Christbaum schmücken, musizieren oder zusammen am Tisch Fondue essen.

Jede Familie hat ihre eigenen Traditionen: Gemeinsames Christbaum schmücken, musizieren oder zusammen am Tisch Fondue essen.

Bild: Ralf Lienert/Monika Mayer/Alexander Schwägerl, Montage AZ

Jede Familie hat ihre eigenen Traditionen: Gemeinsames Christbaum schmücken, musizieren oder zusammen am Tisch Fondue essen.

Bild: Ralf Lienert/Monika Mayer/Alexander Schwägerl, Montage AZ

Ob wunderschön oder weil alles schief lief: An welche Weihnachtsfeste sich Kreisbäuerin, Forum-Chefin, Rotkreuz-Geschäftsführer und JVA-Leiterin zurückerinnern.
24.12.2021 | Stand: 06:13 Uhr

„Ich bin so gar kein Weihnachtsmuffel. Ich freue mich das ganze Jahr auf Christbaum, Adventskranz und Punsch“, sagt Ekaterina Avdosyev. Dabei feiert die Center-Managerin des Forums Allgäu Weihnachten erst, seitdem sie vor mehr als zehn Jahren nach Deutschland zog.

Heute stehen bei Avdosyev wie bei vielen Familien ihre Kinder im Mittelpunkt. Sie dürfen sich beim Schmücken des Weihnachtsbaumes austoben. Ob das Christkind wohl das langersehnte Spielzeug darunterlegt? „Ich war als Kind immer die Letzte, die ihr Geschenk aufmachen durfte“, erzählt die Oberallgäuer Kreisbäuerin Monika Mayer. Ihre Familie würfelte die Reihenfolge aus. Wer einen Sechser hatte, war als Nächstes dran. Mayer sagt: „Ich hatte immer am wenigsten Glück.“

Singen um den Adventskranz oder gemeinsam den Lieblingsweihnachtsfilm ansehen – jede Familie hat wohl so ihre Traditionen. „Bei uns gibt es immer Fondue an Heiligabend. Das war schon so, als ich ein kleiner Bub war“, erzählt Alexander Schwägerl, Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes Oberallgäu. Aber auch Geschichten von Stallarbeit oder Gefängnisalltag an Weihnachten bleiben in Erinnerung.

Von Usbekistan nach Deutschland: Forum-Chefin über neue Weihnachtstraditionen

Ekaterina Avdosyev, Center-Managerin im Forum Allgäu: Ich bin in Usbekistan aufgewachsen. Dort war Weihnachten gar kein Thema, sondern Silvester das große Familienfest. In Deutschland angekommen, feierte ich 2008 mein erstes richtiges Weihnachtsfest bei unseren Vermietern in Passau. Wir nannten sie Oma und Opa, weil sie für uns wie eine Familie waren. Oma backte die leckersten Plätzchen mit viel Schokolade und Früchten. Damit die Enkelkinder nicht zu viel davon aßen, versteckte sie die Leckereien in einer Box auf dem Gang. Heiligabend verbrachten wir auch bei unseren Vermietern und bekamen ein Paket mit Selbstgemachtem geschenkt. Viele Traditionen, die ich heute mit meinen Kindern feiere, habe ich von meinen Vermietern übernommen. Zum Beispiel einen Christbaum mit vielen, bunten Kugeln daran. Für mich kann Weihnachten gar nicht oft genug sein.

Ekaterina Avdosyev schmückt zu Hause ihren Christbaum.
Ekaterina Avdosyev schmückt zu Hause ihren Christbaum.
Bild: Ralf Lienert

Knast-Geschenke mit Nachspiel entdeckte Anja Ellinger schon in der JVA

Anja Ellinger, Leiterin der Justizvollzugsanstalten Kempten und Memmingen: Früher durften die Familien den Inhaftierten zu Weihnachten noch Päckchen senden. Da hatten wir immer ganz schön zu tun. 2002 fingen wir zwei besonders skurrile Pakete ab. In einem waren Orangen. Als eine davon aus Versehen vom Tisch fiel, lief eine seltsame Flüssigkeit aus ihr heraus. Im Disziplinarverfahren erklärte mir der Inhaftierte, dass seine Verwandten die Orangen auf der Heizung getrocknet und mit Vodka gefüllt hatten. Im selben Jahr kam auch ein Paket mit Haschkeksen an. Der Inhalt fiel zunächst auf, weil das Paket zu schwer war und wir es zurückschicken mussten. Allerdings war eine falsche Rücksendeadresse angegeben und es landete bei einer Versicherungsfirma. Einer der Mitarbeiter verfütterte die Kekse an seinen Hund. Erst beim Tierarzt kam heraus, dass in den Plätzchen verbotene Substanzen versteckt waren.

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(Lesen Sie auch: Verbotene Bescherung in der JVA: Warum Gefangene keine Päckchen bekommen)

So mancher Inhaftierter bekam schon Päckchen mit skurrilem Inhalt zu Weihnachten. JVA-Leiterin Anja Ellinger fing zwei außergewöhnliche Exemplare ab.
So mancher Inhaftierter bekam schon Päckchen mit skurrilem Inhalt zu Weihnachten. JVA-Leiterin Anja Ellinger fing zwei außergewöhnliche Exemplare ab.
Bild: Ralf Lienert

Musik, Stallarbeit und ein Geburtstag gehören für Kreisbäuerin Monika Mayer zu Heiligabend

Monika Mayer, Kreisbäuerin im Oberallgäu: Heiligabend bedeutet für uns immer Stress, aber schönen Stress. Als unsere Töchter noch Kinder waren, haben wir gemeinsam Stubenmusik gemacht. Ich an der Gitarre, zwei meiner Töchter mit Harfe und Querflöte. Unter der Leitung von Martha Zeller gab es für uns mit den „Altusrieder Saitaföhla“ eine echte Bethlehemrallye. Der krönende Abschluss war damals die Christmette in Krugzell. Dort zu spielen, war nicht ganz einfach zu bewerkstelligen. Meine Schwiegermutter hat am 24. Dezember Geburtstag. Nach der Geburtstagsfeier brachten wir die Instrumente in die Kirche und sind dann in den Stall geeilt. Mit vereinten Kräften haben wir die Kühe versorgt, gemolken und gemistet. Stallarbeit eben. Nach einer schnellen Dusche sind wir dann bei der Christmette aufgetreten. Wenn dann um 21.30 Uhr alle zur Bescherung unterm Christbaum saßen, waren wir immer sehr z‘frieda!

Kreisbauerin Monika Mayer musizierte zu Weihnachten mit ihren Töchtern, deren Freundinnen und Martha Zeller.
Kreisbauerin Monika Mayer musizierte zu Weihnachten mit ihren Töchtern, deren Freundinnen und Martha Zeller.
Bild: Monika Mayer

BRK-Chef Alexander Schwägerl erzählt vom ersten Weihnachten in Kempten und vom ersten Weihnachten mit Kind

Alexander Schwägerl, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes Oberallgäu: Es war unser erstes Weihnachten im Allgäu und unser erstes Weihnachten mit Kind. Im Oktober 1996 hatte ich meine neue Stelle als Kreisgeschäftsführer beim Bayerischen Roten Kreuz in Kempten angetreten. Gemeinsam mit meiner damals hochschwangeren Frau war ich im Dezember erst in unsere neue Wohnung in Durach gezogen. (Der Wohnungsmarkt war damals ähnlich schwierig wie heute.) Statt eines Christbaums standen dort stapelweise Umzugskartons. Zum Auspacken blieb uns aber kaum Zeit, denn am 22. Dezember kam schon unser erster Sohn Maximilian auf die Welt. Wieder vereint feierten wir nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus dann Weihnachten. Auch mein zweiter Sohn hat im Dezember Geburtstag. Mit so vielen Christkindern ist in unserer Familie vor Weihnachten immer viel los.

Alexander Schwägerl als kleiner Bub mit seinem Bruder unterm Weihnachtsbaum.
Alexander Schwägerl als kleiner Bub mit seinem Bruder unterm Weihnachtsbaum.
Bild: Alexander Schwägerl

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