Frauenpower im Ehrenamt

TSV Betzigau: In diesem Verein geben die Frauen den Ton an

Der TSV Betzigau lebt von der Frauenpower: Bettina Kolb (links) und Nicole Frister führen den Verein ehrenamtlich als Vorsitzende.

Der TSV Betzigau lebt von der Frauenpower: Bettina Kolb (links) und Nicole Frister führen den Verein ehrenamtlich als Vorsitzende.

Bild: Matthias Becker

Der TSV Betzigau lebt von der Frauenpower: Bettina Kolb (links) und Nicole Frister führen den Verein ehrenamtlich als Vorsitzende.

Bild: Matthias Becker

Nicole Frister und Bettina Kolb führen den TSV Betzigau ehrenamtlich. Das macht den Sportverein im Oberallgäu einzigartig.
24.01.2021 | Stand: 17:00 Uhr

Wenn man Nicole Frister (39) und Bettina Kolb (48) in Aktion erlebt, wird einem schnell klar, dass es mit dem TSV Betzigau jetzt und in absehbarer Zeit gut bestellt ist. Es dürfte der einzige Mehrspartenverein weit und breit sein, der ausschließlich von weiblicher Hand regiert wird. Es ist noch nicht lange her, da stand der TSV vor großen Problemen. Der langjährige Vorsitzende Wilhelm Kölling hatte seinen Abschied erklärt und niemand war auf der Bildfläche, der sich um seine Nachfolge gerissen hätte. Es war gar die Rede davon, dass der Verein mit 1100 Mitgliedern Gefahr laufe, aufgelöst zu werden.

Nicole Frister und Bettina Kolb kennen sich schon seit vielen Jahren

Doch die Skeptiker hatten die Rechnung ohne Frister und Kolb gemacht. Als Kölling das Zepter übergab, war es das Startsignal für die Suche nach seinem Nachfolger. Kolb: „Eigentlich wurde mir das Amt der Vorsitzenden angetragen.“ Was liegt näher, als eine zu krönen, die eh schon im Verein integriert ist. „Ich war Kassier und wusste, wie viel Arbeit dahinter stecken würde. Ich wusste, wie oft Kölling in seinem Büro saß. Ich war zudem Vorsitzende im Kirchenchor und im Elternbeirat aktiv.“ Der Chefposten war für sie nicht drin. „Da wäre wohl meine Familie auf die Barrikaden gegangen“, sagt sie lachend. Da kam Frister ins Spiel. Das Duo ist befreundet, sie kennen sich seit sieben Jahren, der Kontakt war da. Kolb: „Es wäre doch schade gewesen, wenn sich der Verein auflöst.“ Frister ist Ortsvorsitzende der CSU in Betzigau. Sie spielte Badminton im Verein. Aber ein Amt in einem Verein, das war ihr bislang fremd gewesen. Und dann gleich Vorsitzende? Kolb: „Wir haben gesagt, wir machen es nur zusammen." Frister sah die Sache so: „Wenn du stellvertretende Vorsitzende wirst, dann werde ich Vorsitzende.“

Der TSV Betzigau soll unter ihrer Regie zukunftsicher und wettbewerbsfähig werden

Ein Mann, ein Wort, zwei Frauen, eine Tat. Die Betzigauer Frauenpower nahm ihren Anfang. Frister: „Die Auflösung hing wie ein Damoklesschwert über dem Verein. Deshalb waren alle froh, dass es überhaupt jemand macht.“ Dass es dann gleich zwei Frauen wurden, die den Verein repräsentieren, „damit haben die Wenigsten Probleme“, sagt Frister. Die Frage der Akzeptanz stellte sich nicht und dürfte sich auch weiter nicht stellen. Die zwei Frauen haben den TSV Betzigau im Griff. Nicht nur das: Sie bauen den Verein sukzessive um. Frister: „Der TSV soll zukunftssicher und wettbewerbsfähig werden.“ Die Nähe zur Großstadt Kempten beinhalte Gefahren, Mitglieder in diese Richtung zu verlieren. Doch das große Angebot des Vereins habe dies bis jetzt weitgehend verhindert. Eine Mitgliederflucht sei nicht zu verzeichnen. Frister: „Die Fluktuation ist nicht größer als sonst und hält sich in Grenzen.“ Der Zusammenhalt im Verein passt. Was fehlt: „Wegen der Corona-Krise der Kontakt zu den Mitgliedern. Der Sportbetrieb ist komplett eingeschlafen“, sagt Frister. Abteilungssitzungen habe es länger nicht mehr gegeben. „Neue Ideen und der Austausch“ blieben in dieser Zeit auf der Strecke.

Bislang haben sie noch immer eine gemeinsame Lösung gefunden

Frister und Kolb, das ist hie und da die Politik der kurzen Wege. Dann wird auch mal spontan korrespondiert. Kolb: „Das wäre sonst nicht machbar.“ Aber man könne „nicht alles auf dem kurzen Dienstweg machen“, sagt Frister. Ab und zu würden sie sich „auch mal fetzen“, sagt Kolb, wenn unterschiedliche Standpunkte ausgetauscht werden. „Entweder wir finden eine Lösung, oder es heißt: Der Ober sticht den Unter. Aber wir haben bisher noch immer eine gemeinsame Lösung gefunden.“ Frister und Kolb tun eine Menge, damit der TSV Betzigau attraktiv bleibt. Eine neue Homepage sei in Arbeit. Frister hat dem Verein zudem eine neue Satzung verpasst. Die Alte habe nicht mehr den aktuellen Ansprüchen genügt, so Frister. „Sie ist nicht flexibel genug“, sagt sie. Als Juristin hat sie dafür den nötigen Einblick.

Das Duo ist bereits in seiner zweiten Amtszeit

Mittlerweile ist das Duo in seiner zweiten Amtszeit. Kolb, Projektmanagerin im IT-Bereich: „Bis jetzt wollte uns noch keiner ersetzen.“ Als es zu Neuwahlen und der Frage nach dem Vorsitz kam, sagt Kolb mit dem ihr eigenen Humor: „Es hieß, Freiwillige vor. Da sind alle einen Schritt zurück. Nur Nicole und ich haben es wohl nicht mitbekommen und sind stehen geblieben.“ Und warum das alles? Die Antwort kommt unisono: „Der Verein liegt uns am Herzen."